Der neue Euro-Schein könnte aus Berlin-Mitte kommen. Ein Entwurf des Studios Neue Gestaltung hat es in die Endauswahl der Europäischen Zentralbank geschafft.
Bis Montag, 21. September, darf jeder in Europa dazu seine Meinung abgeben. Danach schließt die Online-Umfrage der EZB.
Neuer Euro-Schein aus Berlin: Das ist Entwurf C
Die Neue Gestaltung GmbH sitzt seit ihrer Gründung 1995 in Berlin. Ob am Ende tatsächlich der neue Euro-Schein aus Berlin-Mitte kommt, entscheidet sich im Winter.
Das Studio hatte sich nach eigenen Angaben für beide Themen des Wettbewerbs beworben. Ins Finale kam es mit den Porträts berühmter Europäerinnen und Europäer.
Auf den Rückseiten liegen Sternbilder über einer Europakarte, dazu Szenen aus Bibliotheken, Museen und von öffentlichen Plätzen. Die abgebildeten Menschen bleiben bewusst ohne individuelle Züge, damit sich möglichst viele in ihnen wiedererkennen.
Zwei weitere deutschsprachige Studios sind im Finale: PunktFormStrich aus Salzburg und das Atelier von Gisela Goppel und Florian Toperngpong aus Regensburg.
Zehn Entwürfe: Warum die Vorschläge anonym bleiben
Mehr als 1200 Grafikdesignerinnen und -designer hatten sich beworben, 25 durften Entwürfe ausarbeiten. Eine unabhängige Jury aus 21 Fachleuten für Grafikdesign, Kommunikation, Neurowissenschaft und Geschichte wählte daraus zehn aus.
In der Umfrage heißen die Vorschläge nur A bis J. Die Buchstaben wurden zufällig vergeben, damit Name und Herkunft der Studios das Urteil nicht beeinflussen.
Jede Serie umfasst alle sechs Stückelungen von 5 bis 200 Euro. Der 500er fehlt: Er wird seit 2019 nicht mehr ausgegeben, bleibt aber gültiges Zahlungsmittel.
Kultur oder Natur: Beethoven oder Eisvogel
Fünf Entwürfe gehören zum Thema „Europäische Kultur“, fünf zu „Flüsse und Vögel“. Welches Motiv auf welchem Schein landet, hat der EZB-Rat bereits im Januar 2025 festgelegt.
Beim Kulturthema wären das Maria Callas auf dem 5er, Ludwig van Beethoven auf dem 10er, Marie Curie auf dem 20er, Miguel de Cervantes auf dem 50er, Leonardo da Vinci auf dem 100er und die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner auf dem 200er.
Beim Naturthema führt der Weg von der Gebirgsquelle über Wasserfall und Flusstal bis zur Mündung. Dazu kommen Mauerläufer, Eisvogel, Bienenfresser, Weißstorch, Säbelschnäbler und Basstölpel, auf den Rückseiten stehen Gebäude europäischer Institutionen.
Bisher zeigen die Scheine erfundene Brücken, Fenster und Tore. Ein Gesicht war auf dem Euro noch nie zu sehen.
Streit um den 20-Euro-Schein
In Polen sorgt ausgerechnet der 20er für Ärger. Auf frühen Visualisierungen der EZB stand nur „Marie Curie“, ohne den Geburtsnamen Skłodowska.
Laut dem Portal Politico intervenierten polnische Diplomaten und Notenbankchef Adam Glapiński bei der Zentralbank. Wissenschaftsminister Marcin Kulasek schrieb einen Brief an EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Die Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ brachte den Vorwurf auf die Formel, warum aus Maria eine Marie werde, aus Miguel aber kein Michael. Inzwischen führt die Zentralbank die Physikerin als „Marie Curie (geborene Skłodowska)“. Endgültig entschieden ist die Schreibweise nicht.
EZB-Umfrage bis 21. September: So stimmen Sie ab
Die Umfrage läuft auf der Website der EZB. Zu sehen sind alle zehn Serien mit Vorder- und Rückseiten, bewerten und kommentieren lässt sich jeder Entwurf einzeln.
Parallel befragt ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut eine repräsentative Stichprobe aus dem Euroraum mit denselben Fragen. Beide Ergebnisse will die EZB veröffentlichen, sobald das Design feststeht.
Wie viel das Publikum bewegt, zeigt der bisherige Verlauf: An der Themenumfrage im Sommer 2023 beteiligten sich mehr als 365.000 Menschen, die Fachleute folgten deren Präferenzen.
Entschieden wird trotzdem in Frankfurt. Der EZB-Rat stützt sich auf die Empfehlung der Jury, eine technische Prüfung und die Ergebnisse beider Umfragen.
Wann kommen die neuen Euro-Scheine?
Die Entscheidung fällt voraussichtlich gegen Jahresende. Danach wird der Siegerentwurf weiter ausgearbeitet, technisch geprüft und getestet.
In Umlauf kommen die Scheine erst in den Jahren danach. Ein Datum nennt die EZB bisher nicht.
Wer alte Scheine im Portemonnaie hat, muss nichts tun. Die bisherigen Serien behalten ihren Wert und bleiben neben der neuen Serie gültig.
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