Der niederländische Rüstungshersteller Destinus hat bereits 1750 Marschflugkörper des Typs „Ruta B1“ produziert. Inzwischen würden monatlich knapp 300 Marschflugkörper hergestellt, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Damit produziert Destinus nach eigenen Angaben monatlich mehr Marschflugkörper als die europäische Rüstungsindustrie außerhalb Russlands vor Beginn des Ukrainekrieges in einem ganzen Jahr.
Destinus entwickelt und fertigt auch die Triebwerke und Navigationssysteme seiner Raketen selbst. Das Strahltriebwerk T150 wird bereits in Serie gefertigt. Im Juni 2026 hatte Destinus die Fertigstellung des tausendsten Exemplars gemeldet. Die Triebwerke werden sowohl in eigenen Marschflugkörpern verbaut als auch an andere Hersteller geliefert.
Firmenchef Michail Kokoritsch sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Destinus könne voraussichtlich ab 2027 den Bedarf europäischer Streitkräfte einschließlich der Ukraine an Strahltriebwerken mit rund 1,5 Kilonewton Schubkraft decken. Solche Antriebe werden in Marschflugkörpern eingesetzt.
Neue Rakete mit mehr als 700 Kilometern Reichweite
Die „Ruta B1“ ist für Angriffe auf feste militärische Ziele ausgelegt. Sie hat nach Herstellerangaben eine Reichweite von rund 300 Kilometern und kann 150 Kilogramm Nutzlast tragen. Der Marschflugkörper wird von einem bei Destinus entwickelten Strahltriebwerk angetrieben und soll in geringer Höhe fliegen. Eine Kombination verschiedener Navigationssysteme ermöglicht laut Hersteller auch Einsätze bei gestörtem Satellitenempfang.
Wie das Unternehmen mitteilte, wurde auch die Produktion des größeren Modells „Ruta Block 2“ aufgenommen. Es soll eine Nutzlast von 250 Kilogramm über eine Entfernung von mehr als 700 Kilometern transportieren können. Anders als das bisherige Modell kann die neue Rakete aus dem Behälter gestartet werden, in dem sie auch gelagert und transportiert wird.
Der Marschflugkörper „Ruta“ wird von der Ukraine bereits im Krieg gegen Russland eingesetzt. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte im Oktober 2025 erstmals öffentlich darüber berichtet.
Gründer mit Verbindungen zur US-Raumfahrtindustrie
Destinus wurde im Jahr 2021 von dem aus Russland stammenden Unternehmer Michail Kokoritsch gegründet, der 2024 seine russische Staatsbürgerschaft aufgab. Zu den privaten Geldgebern gehören laut der Finanzdatenbank Dealroom auch mehrere US-Investmentfonds.
Kokoritsch hatte zuvor die US-Raumfahrtunternehmen Astro Digital und Momentus mitgegründet. Astro Digital baute unter anderem Satelliten für die US-Militärforschungsbehörde Darpa. Bei Momentus musste Kokoritsch 2021 als Firmenchef zurücktreten und seine Anteile verkaufen, nachdem das US-Verteidigungsministerium wegen der ausländischen Eigentümer Sicherheitsbedenken geäußert hatte. Das geht aus Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC hervor.
Destinus entwickelt zudem gemeinsam mit dem US-Rüstungsunternehmen Aeon ein Raketenabwehrsystem. Nach Firmenangaben hat das Projekt die letzte Auswahlrunde einer Ausschreibung der US-Armee erreicht.
Firmenchef sieht logistische Engpässe beim Militär
Nach Einschätzung Kokoritschs liegt das Problem für europäische Streitkräfte zunehmend weniger bei der Herstellung von Raketen als bei deren militärischer Nutzung. Die Streitkräfte müssten zusätzliche Einheiten aufbauen und mehr Möglichkeiten zur Lagerung, zum Transport, zur Wartung und zur Zielerfassung schaffen, um große Raketenbestände einsetzen zu können.
Für eine ausreichende Abschreckung seien Zehntausende Raketen erforderlich, sagte Kokoritsch. Den größten Bedarf erwartet er bei vergleichsweise preiswerten Marschflugkörpern mit Reichweiten unter 1000 Kilometern. Für Raketen mit noch größerer Reichweite erwartet er dagegen eine geringere Nachfrage.
Destinus verzichtet nach Angaben des Firmenchefs vollständig auf Bauteile aus China. Die Nutzung chinesischer Zulieferer würde die Produktion zwar günstiger und schneller machen, sagte Kokoritsch. Das Unternehmen setze jedoch auf andere Lieferketten.
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