Neue Studie belegt Abwärtstrend im Nordteil

Neukölln fordert Geld für Grundschulen

Stefan Strauß
2 Min

NEUKÖLLN. Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) fordert vom Senat eine Soforthilfe von fünf Millionen Euro. Mit diesem Geld will der Politiker die Grundschulen in Nord-Neukölln zu Ganztagsschulen umwandeln. Vier Grundschulen betreuen schon jetzt ihre Schüler ganztags, doch für den Umbau der verbleibenden 15 Schulen fehlt das Geld. Eine verlässliche Ganztagsbetreuung der überwiegend ausländischen Schüler sei ein erster Schritt, die "besorgniserregende Entwicklung" zu stoppen, sagte Buschkowsky gestern.Stadtsoziologe Hartmut Häußermann von der Humboldt-Universität unterstützt diese Forderung. Er spricht von "verpassten Lebenschancen" der Kinder. "Sie kommen nicht voran, weil sie in dieser Gegend leben." In Nord-Neukölln sei die Dichte der sozialen Probleme etwa doppelt so hoch wie in der gesamten Stadt, heißt es in seiner aktuellen Studie über Nord-Neukölln mit seinen 155 000 Einwohnern. Das Viertel koppele sich weiter vom positiven Trend in Berlin ab.Der Anteil von Hartz-IV-Empfängern an der Bevölkerung des Stadtteils liegt im bundesweiten Vergleich an der Spitze, der Anteil der Kinder, die in Armut aufwachsen, ist bis zu 70 Prozent gestiegen und habe "bedrohliche Dimensionen" angenommen. Zudem ziehen immer mehr Arbeitslose aus anderen Gegenden in das Viertel. "Nord-Neukölln hat stellvertretend für Berlin die sozialen Probleme übernommen, doch es kann diese nicht allein lösen", sagt Häußermann.Die Senatsfinanzverwaltung reagierte gestern zurückhaltend auf die Geldforderungen aus Neukölln. 2009 bekomme der Bezirk 466 Millionen Euro, sagte Sprecherin Kristina Tschenett. Weitere Forderungen lägen nicht vor. (str.)

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