Wissenschaft

Neues Forschungszentrum macht die Lausitz zum europäischen Hotspot für Carbonfasern

34 Millionen Euro für die Lausitz: In Boxberg soll ein in Europa einzigartiges Forschungszentrum für Carbonfasern entstehen.

3 Min
Carbon LabFactory Sachsen (CLFS) der Technischen Universität Chemnitz

Carbon LabFactory Sachsen (CLFS) der Technischen Universität Chemnitz

© DGI-Bauwerk Gesellschaft von Architekten mbH/Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement

Im Gewerbegebiet Kringelsdorf in Boxberg (Landkreis Görlitz) beginnen Mitte September die Bauarbeiten für die Carbon LabFactory Sachsen (CLFS) der Technischen Universität Chemnitz. Das teilte der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) mit, dessen Niederlassung Bautzen die Regie über das Projekt führt. Nach Angaben der TU Chemnitz entsteht damit eine in Europa einzigartige Forschungsinfrastruktur, die die gesamte Wertschöpfungskette von der Herstellung der Carbonfaser bis zum fertigen Hochleistungsbauteil an einem Standort abbildet.

Die Gesamtbaukosten beziffert der SIB auf 34 Millionen Euro, hinzu kommen Kosten für die Nutzerausstattung. Finanziert wird das Vorhaben aus Mitteln des Investitionsgesetzes Kohleregionen (InvKG), mit dem der Bund den Strukturwandel in den vom Kohleausstieg betroffenen Regionen fördert.

Nach der Baustelleneinrichtung im September sollen die eigentlichen Arbeiten Ende September oder Anfang Oktober beginnen; die Betonarbeiten sind ab November geplant. Der SIB nennt Ende 2028 als Termin für die Fertigstellung und Übergabe an die TU Chemnitz. Die Universität selbst spricht in ihrer Mitteilung von einem Baubeginn im Juni 2026, einer Gebäudefertigstellung Ende 2027 und dem Beginn der Forschungsarbeiten ab etwa Juli 2028. Als Generalplaner ist das Büro DGI Bauwerk tätig.

Carbon LabFactory Sachsen: Ambitioniertes Projekt in der Oberlausitz

Errichtet werden drei miteinander verbundene Industriehallen mit unterschiedlichen Höhen, ein mittig angeordneter Riegel für die Haustechnik sowie ein Labor- und Bürobereich mit Großraumbüro, Besprechungsraum und Empfang. In Halle 1 sollen Carbonfasern über die sogenannte Black Line hergestellt werden, in Halle 2 zu textilen Halbzeugen weiterverarbeitet und in Halle 3 zu Strukturbauteilen geformt. In den Laboren werden die entstehenden Materialien und Bauteile geprüft.

Nach Darstellung der TU Chemnitz sollen in der CLFS Kohlenstofffasern anwendungsorientiert für Sportartikel, Fahrzeuge, Windkraftanlagen und Flugzeuge entwickelt werden. Neben herkömmlichen petrochemischen Ausgangsstoffen sollen dabei auch biobasierte Rohstoffe wie Lignin und Cellulose zum Einsatz kommen. Ziel sei es, Hochleistungsbauteile ökonomischer und ökologischer zu fertigen, das Leichtbaupotenzial in Anwendungen weiter auszuschöpfen und so bewegte Massen und damit verbundene CO₂-Emissionen zu senken.

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Durch die Erweiterung der Pilotlinie um textile und kunststoffverarbeitende Fertigungsschritte ließen sich nahezu alle Prozesseinflüsse bis zur Implementierung einer Komponente bewerten und optimieren, heißt es aus der TU Chemnitz. Damit werde die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gestärkt und Europa stärker in den Fokus der globalen Carbonfaserproduktion gerückt.

Neue Arbeitsplätze in der Oberlausitz schon vor dem Baustart

Bis zur Inbetriebnahme in Boxberg nutzt das Projektteam Räume im Technikum der MERGE-Halle in Chemnitz, wo bereits erste chemische Analysegeräte für Forschungszwecke bereitstehen. Diese sollen mit der Inbetriebnahme der CLFS nach Boxberg umziehen. Als Interimslösung dienen den Mitarbeitenden zudem bereits Büroflächen am inaktiven Kraftwerksteil des Energiekonzerns LEAG in Boxberg. Von dort aus arbeiten die Wissenschaftler an Projekten in der Oberlausitz.

Nach Einschätzung der TU Chemnitz trägt das Strukturwandelvorhaben mit dem wachsenden Team und neuen Projekten bereits jetzt zur Schaffung innovativer Arbeitsplätze in der Region bei.

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