Was Kommunalpolitiker, Quartiersmanager und Sozialarbeiter in den vergangenen zehn Jahren im Neuköllner Norden nicht geschafft haben, soll nun eine schnelle Eingreiftruppe erledigen. "Task Force Okerstraße" heißt eine neu gegründete Arbeitsgruppe, in der Mitarbeiter verschiedener Abteilungen im Bezirksamt Neukölln sowie Polizisten des Abschnitts 55 zusammenarbeiten. Sie wollen Daten und Informationen über Problemfamilien austauschen, verwaltungsübergreifend zusammenarbeiten und vor Ort im Einsatz sein. Ziel ist es, ein sauberes und sicheres Wohnumfeld zu schaffen, notfalls soll dafür sogar eine eigene Gebietsverordnung erlassen werden. Dann könnte zum Beispiel ein Alkoholverbot auf Straßen und in öffentlichen Parks ausgesprochen werden.Prävention allein hilft nichtSo eine Arbeitsgruppe ist einmalig in Berlin. "Task Force Okerstraße bedeutet, nach Möglichkeiten zu suchen, unmittelbar, direkt und operativ auf Situationen im Quartier reagieren zu können", sagt Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD). Vor allem im Wohnviertel rund um die Schillerpromenade will das Team mit Mitarbeitern aus Gesundheitsamt, Schulamt, Schulaufsicht, Bauaufsicht, Ordnungsamt und Polizei aktiv werden. Dort sei die Problematik nicht mehr "allein mit präventiven Maßnahmen und Angeboten zu lösen", heißt es in einem 18-seitigen Strategiekonzept, das der Berliner Zeitung vorliegt. Jetzt müssten die Behörden "intervenierend zur Seite stehen", sonst seien alle bisherigen Projekte "gänzlich wirkungslos".Vor allem in Wohnhäusern der Okerstraße, der Weise- und Leine-straße sowie der Schillerpromenade gibt es "zunehmend Nachbarschaftskonflikte durch unbeaufsichtigte Kinder, teilweise vernachlässigte Kinder und Jugendliche vorwiegend aus Roma-Familien" sowie durch Trinkergruppen, heißt es. Zwei-Zimmer-Wohnungen seien etwa mit bis zu elf Personen belegt, Schwarzarbeit und illegale Geschäfte finden oftmals ihren Ausgang in der Okerstraße. Doch wer die Straße an einem ganz gewöhnlichen Tag aufsucht, bekommt davon nichts mit. Ein paar Männer und Frauen stehen vor ihren Häusern, Kinder spielen auf der Straße. An einem Geschäft hängt ein Zettel: Der Verzehr von Alkohol sei nicht erlaubt.Die Polizei rechnet damit, dass sich die Lage im Schillerkiez verschärfen wird: Von Aktivitäten wie Betteln, Beschaffungskriminalität, Prostitution, Schwarzarbeit und illegaler Untervermietung ist in einem internen Lagebericht die Rede. Seit diesem Monat sollen sich nun drei Sozialarbeiter um problematische Familien und die Trinker kümmern. Mit knapp 100 000 Euro finanziert die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die vorerst auf zwei Jahre begrenzte Arbeit. Gleichzeitig will die Task Force ein Frühwarnsystem errichten. Die Idee dafür hatte der Bürgermeister 2008 von einer Dienstreise nach Rotterdam mitgebracht. Dort gebe es eine sehr enge Datenvernetzung zwischen Schulen, den Ämtern für Jugend und Gesundheit und der Polizei, sagt Buschkowsky. Die Daten zu sozial schwierigen Familien werden gesammelt, um dann zu überlegen, welche Maßnahmen als erste zu ergreifen sind, so Buschkowsky damals. Das reiche von Gesprächen in den Familien bis zur Ausweisung aus dem Stadtviertel als letztes Mittel. Dass es in Rotterdam "keine Prävention ohne Repressionsandrohung" gibt, beeindruckt Buschkowsky und die Quartiersmanager.Doch was in Rotterdam funktioniert, stößt in Deutschland an die Grenzen deutschen Rechts. "Die Datenübermittlung zwischen den Ämtern eines Bezirksamtes bedarf einer Rechtsgrundlage", sagt Anja-Maria Gardain, Sprecherin des Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix. "Es gibt noch Gesprächsbedarf mit Neukölln", sagte Gardain. Am 18. September will sich der Datenschutzbeauftragte deshalb bei Buschkowsky über die Task Force Okerstraße informieren. Die Innenverwaltung hingegen hat keine rechtlichen Bedenken.------------------------------Foto: Einsatzort Neukölln: Im Schillerkiez leben viele Problemfamilien, eine Task Force kümmert sich jetzt um sie.
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