In den Songs von 50 Cent geht es um Geld und um Kugeln. Grünkohl kommt darin eher nicht vor.
Trotzdem wächst genau der in einem Garten im New Yorker Stadtteil Queens, der den bürgerlichen Namen des Rappers trägt: Curtis „50 Cent Jackson“ Community Garden. Im November wird er 18 Jahre alt.
Neun Kugeln vor dem Haus der Großmutter
Um zu verstehen, warum ausgerechnet 50 Cent hier Beete anlegen ließ, muss man zurück in die Straßen von South Jamaica. Dort wuchs Curtis Jackson bei seiner Großmutter auf, seine Mutter starb, als er acht war.
Mit etwa zwölf Jahren verkaufte er Drogen. Als Schüler wurde er wegen Drogen- und Waffenbesitzes festgenommen und kam in ein Bootcamp für junge Straftäter.
Am 24. Mai 2000 schoss ihn ein Unbekannter vor dem Haus seiner Großmutter nieder, neun Kugeln trafen ihn. Er überlebte, die Verletzung an der Wange hört man bis heute in seiner Aussprache. Drei Jahre später machte ihn „Get Rich or Die Tryin'“ weltberühmt.
Aus der Brache wurde der 50-Cent-Garten
Einige Jahre danach fiel sein Blick auf den Baisley Park Community Garden im Viertel Jamaica, eine heruntergekommene Fläche an der 165th Street. 2007 beschloss er, dort Geld hineinzustecken.
Seine Partnerin dabei: Bette Midler. Die Sängerin hat das New York Restoration Project (NYRP) gegründet, das verwahrloste Grünflächen in der Stadt rettet.
Den Umbau bezahlte Jacksons G-Unity Foundation. Am 3. November 2008 wurde der Garten neu eröffnet. Jackson nannte es damals eine Ehre, ihn in sein Kindheitsviertel zu bringen. Jedes Kind solle Zugang zu Grün haben, um dort zu lernen und zu spielen.
Riesige Trichter fangen den Regen auf
Entworfen hat den Garten der Landschaftsarchitekt Walter Hood. Sein auffälligster Einfall sind sechs rund drei Meter hohe Trichter, die Regenwasser sammeln und speichern.
Das Wasser fließt in die Beete, und unter den Trichtern entsteht eine schattige Terrasse. 2020 kamen laut NYRP eine solarbetriebene Pumpe und neue Beete dazu, unterstützt von Hood und der Knight Foundation.
Pfirsiche und Kirschen in Queens
Der Garten ist rund 1000 Quadratmeter groß, berichtete Inhabitat 2016. Etwa 20 Beete gibt es, manche hochgelegt, damit Senioren und kleine Kinder nicht in die Knie müssen, wie die Tourismusseite der Stadt schreibt.
Dazu kommen Obstbäume mit Pfirsichen, Äpfeln, Pflaumen, Kirschen und Nektarinen. Die Gärtner sagen, sie gediehen im Klima des amerikanischen Nordostens erstaunlich gut.
Nötig ist das Grün allemal: Jamaica hat laut NYRP weniger als fünf Prozent der empfohlenen Freifläche, obwohl dort Zehntausende Kinder leben.
Jugendliche mit Verfahren gärtnern mit
Später wurde der Garten Teil eines Programms, das Jugendlichen mit laufendem Verfahren die Haft ersparen soll. Darüber berichtete CityLab 2016.
Die Teenager arbeiteten dort unter Anleitung älterer Nachbarn, zwischen Stangenbohnen, Grünkohl, Tomaten und Kürbissen. Eine Jugendliche erzählte, sie habe beim ersten Mal nicht in die Erde fassen wollen und die Hand nur ganz kurz hineingesteckt.
Wer in Jamaica heute Ärger mit der Justiz hat, landet also im besten Fall nicht im Bootcamp, sondern im Beet.
Und in Berlin?
Hier gärtnert man ebenfalls gemeinsam, nur ohne prominenten Paten. Der Prinzessinnengarten entstand 2009 auf einer Brache am Moritzplatz in Kreuzberg, ein Jahr nach der Eröffnung in Queens.
Seit 2020 wachsen seine Hochbeete auf dem Neuen St. Jacobi Friedhof in Neukölln. Dort können Interessierte bei offenen Gartentagen und Workshops mitgärtnern.
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