Prominenter Besuch: Nick Cave war diese Woche in Berlin. Aber nicht bloß um am Dienstagabend, dem 30. Juni, mit den Bad Seeds sein Konzert in der Waldbühne zu spielen – sondern auch um seiner alten Heimat Berlin einen Besuch abzustatten. Dabei hat es den australischen Gothic-Rock-Sänger auch ins Kupferstichkabinett am Kulturforum unweit vom Potsdamer Platz verschlagen. Ein unerwarteter Besuch, ganz ohne Anmeldung.
Den Besuch selbst hat das Kabinett sogar auf Instagram publik gemacht. Doch was genau wollte Cave dort eigentlich? Die Berliner Zeitung hat nun exklusiv erfahren, was Cave dort genau gemacht hat – von einem, der es wissen muss, denn er war hautnah dabei: Georg Josef Dietz, Stellvertretender Direktor im Kupferstichkabinett und Leiter der Abteilung Konservierung/Restaurierung.
Dieses Buch hat Nick Cave sich schon lange vorgenommen
„Herr Cave war gekommen“, so berichtet uns Dietz, „da er sich für die Illustrationen von Sandro Botticelli (1445–1510) zu Dante Alighieris (1265–1321) ‚Göttlicher Komödie‘ interessierte.“ Cave habe sich schon vor Jahren vorgenommen, diesen großen Klassiker der Weltliteratur zu lesen – und er sei anlässlich seines Berlin-Aufenthaltes von einem Freund auf den weltberühmten Zyklus von 84 Zeichnungen (der sich seit 1882 im Berliner Kupferstichkabinett befindet) aufmerksam gemacht worden.
„Herr Cave hat sich zunächst anhand eines Faksimiles mit dem gesamten Zyklus vertraut gemacht und anschließend ein ausgewähltes Blatt im Original betrachtet“, so Dietz weiter. Es handelte sich konkret um die Botticelli-Illustration „Der große Satan“.
Cave sprach mit Dietz über die Zeichnung. „Er war sehr interessiert an der Technik und der Simultandarstellung der Protagonisten Dante und Vergil in der Art einer Graphic Novel.“ Übrigens sei „Herr Cave“ spontan vorbeigekommen, ohne Anmeldung.
Als Nick Cave 1982 ein Berliner war: „400 D-Mark Miete für 250 Quadratmeter, mit Proberaum im Keller“
Seit 1989 nicht gespielt: Nick Cave überrascht seine alte Heimat Berlin mit einem 40 Jahre alten Song
Cave habe eine gute Stunde am frühen Dienstagnachmittag im Studiensaal des Kupferstichkabinetts verbracht. Auch in der Vergangenheit hat man dort schon prominenten Besuch empfangen, etwa Angela Merkel oder Italiens Präsident Sergio Mattarella. „Diese waren allerdings angemeldet“, so Dietz. Der spontane Besuch einer Musiklegende – das steht also nicht gerade auf der Tagesordnung hier im Kabinett.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]