Wirtschaftswissenschaft

Konjunkturforschung: US-Ökonomen Hall und Woodford erhalten Nobelpreis für Wirtschaft

Zwei Forscher aus den USA werden für Modelle geehrt, mit denen Zentralbanken und Regierungen Krisen und Konjunkturschwankungen besser begegnen können.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Die Porträts der beiden Ökonomen Robert E. Hall und Michael Woodford bei der Bekanntgabe des Wirtschaftsnobelpreises in Stockholm

Die Porträts der beiden Ökonomen Robert E. Hall und Michael Woodford bei der Bekanntgabe des Wirtschaftsnobelpreises in Stockholm

© Anders Wiklund/AP

Der Wirtschaftsnobelpreis 2026 geht an die beiden US-Ökonomen Robert E. Hall und Michael Woodford. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm bekannt. Ausgezeichnet werden die Forscher für ihre Arbeiten zu den „mikroökonomischen Grundlagen der makroökonomischen Stabilisierung“.

Nach Angaben der Akademie haben Hall und Woodford neue gesamtwirtschaftliche Modelle entwickelt, die eine wirksamere Stabilisierungspolitik ermöglichen. Auf dieser Grundlage könnten gut abgestimmte fiskal- und geldpolitische Maßnahmen die Ausschläge der Konjunktur nach oben und unten abmildern, sagte die Generalsekretärin der Akademie, Ellen Moons, bei der Preisverkündung, wie die dpa meldete.

Theoretisches Fundament für Zentralbanken weltweit

„Die Arbeit der Preisträger hat uns ein stabiles theoretisches Fundament für die Modelle geliefert, die heute von Zentralbanken und Regierungen weltweit genutzt werden“, erklärte John Hassler, Vorsitzender des Preiskomitees für Wirtschaftswissenschaften. Damit seien die Volkswirtschaften besser gerüstet, um auf Schocks wie Energiekrisen oder plötzliche Veränderungen im Konsumverhalten der Haushalte zu reagieren.

Hall und Woodford werden mit ihren Arbeiten der neukeynesianischen Wirtschaftslehre zugerechnet. Diese knüpft an die Lehren des britischen Ökonomen John Maynard Keynes an und geht davon aus, dass sich Preise und Löhne häufig nur verzögert an veränderte wirtschaftliche Bedingungen anpassen. Märkte finden deshalb nicht immer von selbst ins Gleichgewicht.

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Die Akademie verwies auf die Krisen der 1970er Jahre, als die bis dahin verbreiteten keynesianischen Modelle an Erklärungskraft verloren. Statt die Arbeitslosigkeit zu senken, hätten die damaligen Instrumente zu hoher Inflation beigetragen. Hall und Woodford hätten die Modelle neu aufgebaut – nicht mehr auf rein statistischen Zusammenhängen zwischen gesamtwirtschaftlichen Größen, sondern auf dem Verhalten von Haushalten und Unternehmen.

Zentral sei dabei, dass private Akteure bei Entscheidungen über Sparen oder Preise vorausschauend handelten. Angekündigte Maßnahmen von Regierungen und Notenbanken könnten diese Erwartungen beeinflussen.

Beide promovierten am MIT

Robert E. Hall, 1943 in Palo Alto geboren, ist emeritierter Professor an der Stanford University. Michael Woodford, Jahrgang 1955, ist Professor an der Columbia University in New York. Beide promovierten am Massachusetts Institute of Technology.

Der Preis ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet gut eine Million Euro. Beide Preisträger teilen sich die Summe zu gleichen Teilen.

Formal handelt es sich um den Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel. Er geht nicht auf das Testament Nobels zurück, sondern wurde 1968 nachträglich gestiftet und 1969 erstmals vergeben. Überreicht wird die Auszeichnung am 10. Dezember in Stockholm.

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