Noch ist unklar, wie die Grünanlage künftig aussieht

Nächste Runde im Streit um den Mauerpark

Uwe Aulich Stefan Strauss
3 Min

Mauerpark ist unser Park" und "Wir wollen kein Viertel der Reichen" sagen die meisten Anwohner, die in Prenzlauer Berg und Mitte im Gebiet um Schwedter Straße und Falkplatz wohnen. Sie haben klare Vorstellungen, wie der viel zu kleine Mauerpark erweitert werden kann. Die Gewerbeflächen auf Weddinger Seite werden als Park gestaltet, eine Bebauung mit Wohnungen wird abgelehnt. Nur, so einfach ist das nicht. Denn das zehn Hektar große Gelände ist nicht in Landesbesitz, sondern gehört dem Immobilienunternehmen Vivico. Jetzt streiten die Regierungsparteien darüber, wie der Mauerpark vollendet werden kann. Jahrelang hatten sich SPD und Linke auf Landesebene kaum für das Thema interessiert.Die Linke um Landeschef Klaus Lederer steht auf der Seite vieler Anwohnerinitiativen. Eine Bebauung des Mauerparks kommt für sie nicht infrage. 20 Jahre nach dem Mauerfall muss das Grün verbinden, statt dass eine neue "Wohnbetonmauer" zwischen Prenzlauer Berg und Wedding errichtet wird. Der Linken-Abgeordnete Thomas Flierl spricht von einem der "symbolträchtigsten Orte". Als Chef des Stadtentwicklungsausschusses fordert er, dass der Senat seine gesamtstädtische Verantwortung wahrnimmt."Geringfügige Bebauung möglich"Die SPD und ihre Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer sehen das nicht so. Junge-Reyer hält es für "politisch falsch", jetzt die Zuständigkeiten zu ändern. Denn dann müsste sie ihrem Parteikollegen und Baustadtrat in Mitte, Ephraim Gothe, die Planung entziehen. Junge-Reyer betont lieber, dass sie den Bezirk "auf einem guten Weg" sehe und eine "geringfügige Bebauung" auf dem Mauerparkgelände möglich sei. Der Flächennutzungsplan müsse ihrer Einschätzung nach nicht geändert werden.Gothe versucht seit gut zwei Jahren einen Deal mit der Vivico hinzubekommen: Das Unternehmen soll dem Land Berlin etwa fünf Hektar Grünflächen für den Mauerpark überlassen und erhält für die übrigen Flächen Baurecht. Gothe und Vivico haben sich im Sommer auf ein erstes Konzept geeinigt - am westlichen Parkrand sollen sechs- bis siebengeschossige Häuser errichtet werden. "Senat und Bezirk haben das Ziel, für die fehlenden Mauerparkflächen kein Geld in die Hand zu nehmen", so Gothe.Einen Deal schließt Heiner Funken vom Bürgerverein Gleimviertel aus. Und erinnert daran, dass der Mauerpark nach der ursprünglichen Planung von 1992 etwa 14 Hektar groß werden sollte. Erst acht Hektar sind realisiert. Aber: Wenn der Park im kommenden Jahr nicht mindestens zehn Hektar groß ist, muss Berlin gut zwei Millionen Euro Fördermittel an die Allianz Umweltstiftung zurückzahlen. Funken will dennoch verhindern, dass der Mauerpark zu "Vorgärten von Townhouses wird" und die neuen Bewohner vielleicht mit Klagen die vielfältige Nutzung des Parks einschränken könnten. Erst vor wenigen Tagen hatten 2 000 Anwohner und Initiativen sowie Linke und Grüne gegen die Wohnhäuser demonstriert.Funken weiß auch Pankows Baustadtrat Michail Nelken (Linke) auf seiner Seite. Eine Bebauung gefährde die Parknutzung und zerstöre eine für das Stadtklima wichtige Frischluftschneise, sagt Nelken. Er fordert, dass das Land die fehlenden Mauerparkflächen ankauft. Je Hektar würden nach seiner Rechnung etwa eine Million Euro benötigt. Gothe bezeichnet die Überlegungen als "unseriös". Bevor er demnächst in einer Anhörung des Abgeordnetenhauses erscheinen muss, will er heute seine Pläne in Mitte vorstellen. Auch die Vivico gibt heute ihre Verhandlungsposition bekannt.------------------------------Karte: Das Gelände des Mauerparks

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