Frankreich

Undercover-Journalistin Bussigny: „Die extreme Linke hat Verbindungen zum islamistischen Terror“

Ein Jahr lang gab sich Nora Bussigny als Aktivistin aus und stieß dabei auf einen mutmaßlichen Agenten Teherans. Heute sieht sie dieselben Muster in Berlin.

13 Min
Propalästinensische Kundgebung auf der Place de la République in Paris, zu der LFI und mehrere Gewerkschaften aufgerufen hatten. (Symbolbild)

Propalästinensische Kundgebung auf der Place de la République in Paris, zu der LFI und mehrere Gewerkschaften aufgerufen hatten. (Symbolbild)

© Jerome Gilles/imago

Das Massaker der Hamas und der darauffolgende mehrjährige Gaza-Krieg haben den Nahen Osten grundlegend verändert und sind weit über die Region hinaus zum Politikum geworden. Kurz nach dem Angriff beschließt die französisch-marokkanische Journalistin Nora Bussigny, damals Ende zwanzig, sich als Aktivistin auszugeben. Unter falscher Identität bewegt sie sich ein Jahr lang in der linksradikalen und propalästinensischen Szene, in Paris, in Brüssel und an der Columbia University in New York. Was sie dort erlebt, liest sich wie ein Politthriller. Ihr Buch „Les Nouveaux Antisémites“ steht in Frankreich seit Monaten auf der Bestsellerliste.

Wir treffen sie an einem Spätsommertag kurz vor dem dritten Jahrestag des 7. Oktober in einem Café im Zentrum von Paris. Sie strahlt Wärme und Selbstbewusstsein aus, und es wirkt, als ließe sie sich von den Drohungen nicht unterkriegen, obwohl sie deshalb unter Polizeischutz steht.

Frau Bussigny, nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 sind Sie verdeckt in die linksradikale und propalästinensische Aktivistenszene gegangen. Was haben Sie herausgefunden?

Ich glaube, sie sind nicht propalästinensisch, sondern antiisraelisch, und das ist ein großer Unterschied. Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass sehr viele Aktivisten die Definition eines Zionisten nicht kannten. Diese Frage zu stellen, gehörte zu meinem Alltag. Auf den Demonstrationen haben wir skandiert, wir haben geschrien: „Zionisten, Faschisten, ihr seid Terroristen.“ Danach habe ich meine Aktivistenfreunde gefragt, was ein Zionist ist, und jedes Mal sagten sie, das sei jemand, der die Regierung Netanjahu unterstützt. Die eigentliche Definition kannten sie nicht. Das war eine meiner Überraschungen.

Vor allem aber habe ich entdeckt, wie eine legitime Empathie für die Palästinenser von Terrororganisationen und vom islamischen Regime im Iran instrumentalisiert und radikalisiert wird.

Zur Person
Mirco Toniolo/Agf/imago

Zur Person

Nora Bussigny, geboren 1995 in Clermont-Ferrand, studierte moderne Literatur an der Sorbonne in Paris. Als Studentin arbeitete sie als Aufsicht an einer Schule in einem Brennpunktviertel und schrieb darüber ab 2016 eine Kolumne für „Le Point“, daraus entstand ihr erstes Buch. Heute schreibt sie unter anderem für Le Point. Für „Les Nouveaux Inquisiteurs“ (2023) recherchierte sie bereits ein Jahr verdeckt in aktivistischen Milieus.

Was hat Sie dazu gebracht, tatsächlich undercover zu gehen? Was war der Auslöser?

Drei Wochen vor dem 7. Oktober hatte ich mein vorheriges Buch veröffentlicht, „Les Nouveaux Inquisiteurs“ (Die neuen Inquisitoren). Es war eine Recherche über intersektionale feministische, antirassistische und LGBTQ-Bewegungen, um zu zeigen, wie Radikalität innerhalb dieser Bewegungen existiert.

Was ist Intersektionalität?

Intersektionalität ist eine soziologische Denkrichtung, die verschiedene Kämpfe miteinander verbindet. Ich bin zum Beispiel eine Frau, und ich bin eine arabische Frau, ich kann also gleichzeitig Frauenfeindlichkeit und Rassismus erfahren. Ich stehe an der Kreuzung mehrerer Diskriminierungen. Eine Frau, die lesbisch und schwarz ist, steht an der Kreuzung von Rassismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit.

Vor dem 7. Oktober lautete meine These, dass die intersektionale Bewegung von radikalen Aktivisten unterwandert worden war, die ein dekoloniales Weltbild vorantreiben. Es ist ein binäres Weltbild: Es gibt den Kolonisator und den Kolonisierten, den Unterdrücker und den Unterdrückten. Das Problem an dieser binären Sicht ist, dass sie zu einer Hierarchie der Diskriminierungen führt.

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Nach Hamas-Angriff: „Ich stieß auf großes Schweigen“

Es gibt also eine Hierarchie der Diskriminierung?

Ja. Für mein vorheriges Buch habe ich undercover an einer großen Demonstration in Paris teilgenommen, der Radical Pride, die gegen die offizielle Pride protestierte, weil diese als zu imperialistisch und zu kapitalistisch galt. Bei diesem Marsch wurden die Menschen nach Hautfarbe getrennt: Weiße nach hinten, Schwarze nach vorn.

Als der 7. Oktober geschah, beschloss ich, eines meiner falschen Aktivistenkonten zu reaktivieren, um zu sehen, wie meine Freundinnen aus der Aktivisten- und Feministinnenszene auf das Massaker reagierten. Wir hatten die ersten Videos von Angriffen auf israelische Frauen, mit Blut, es war entsetzlich. Und ich stieß auf großes Schweigen und auf viele Reaktionen der Freude. Viele Aktivistinnen sagten: „Oh mein Gott, das ist großartig, die Unterdrückten kämpfen gegen den Unterdrücker, die Kolonisierten gegen den Kolonisator, es ist wunderbar, weil es eine dekoloniale Bewegung ist.“ Ich war völlig schockiert, denn bei meiner vorherigen Recherche hatte ich viele feministische Slogans gelernt wie „Frauen, wir glauben euch“, den Kampf gegen jede sexuelle Gewalt. Und das war vollkommen vergessen.

Das passierte online. Was hat Sie zu den Protesten und in die reale Szene geführt?

Danach wurde mir klar, dass ich den Elefanten im Raum übersehen hatte, und ich beschloss, noch einmal anzufangen: mit einer Recherche in der propalästinensischen Bewegung. Am Anfang habe ich viele Fehler gemacht, weil ich zu schnell vorging, als ich mit den Aktivisten ins Gespräch kommen wollte. Ich habe zum Beispiel das Wort „Israel“ benutzt, und sie sagen nicht Israel. Sie sagen „die zionistische Entität“ oder „Israhell“, ein Wortspiel mit dem englischen „hell“, Hölle, das sie ständig benutzen. Mein anderer Fehler war, von der israelischen Armee als „Tsahal“ zu sprechen, wie man in Frankreich sagt. Dieses Wort benutzen sie nicht; sie sagen „die genozidale Armee“, „die zionistische Armee“. Es war für mich sehr wichtig, das richtige Vokabular zu lernen, um wirklich einzutauchen.

Demo in Paris: „Israhell“ ist ein gängiges Wortspiel in der Szene. (Symbolbild)

Demo in Paris: „Israhell“ ist ein gängiges Wortspiel in der Szene. (Symbolbild)

© Jerome Gilles/Imago

Sprechen Sie nur Französisch, oder auch Arabisch?

Ich verstehe ein wenig Arabisch, und das war sehr praktisch, wenn Aktivisten die Sprache wechselten. Auf einer Demonstration sprach zum Beispiel ein arabischer Aktivist von Juden, und der Übersetzer sagte „die Zionisten“.

Man ersetzt also „Jude“ durch „Zionist“, um die Wirkung abzuschwächen?

Ja, um zu manipulieren. Damit es wie eine Demonstration aussieht und nicht wie eine Ideologie.

Was verbreiten sie, typische antisemitische Verschwörungstheorien?

Ja, und das ist wichtig, denn sie sagen ständig: „Ich rede nicht von Juden, ich rede von Zionisten.“ Aber als ich undercover war, habe ich gesehen, dass das nicht stimmt. Sie benutzen dieselben historischen antisemitischen Stereotype: Die Zionisten kontrollieren die Medien, die Zionisten kontrollieren die Banken, die Zionisten haben viel Geld. Sie benutzen Karikaturen von Juden, die Hände, die Nase, und sagen, sie sprächen nur von Zionisten.

Warum Aktivisten die Hamas verteidigen

Wie kann man diese Gruppen einordnen? Ist das eine homosexuelle Gruppe, eine feministische oder eine muslimische?

Die progressive Bewegung ist ein großer Teil davon, weil sie den Slogan „Konvergenz der Kämpfe“ unterstützt. In dieser Konvergenz gibt es LGBTQ-Aktivisten, Feministinnen, Antipolizei- und antifaschistische Aktivisten, den schwarzen Block, radikale Umweltaktivisten, Islamisten. Und diese große Gruppe ist die Ultralinke.

Meine Definition der Ultralinken ist, dass sie die demokratischen Institutionen und den Staat destabilisieren will. Und das ist dasselbe Projekt wie das der Muslimbruderschaft. Wenn man ein guter Aktivist ist, kämpft man gegen „Islamophobie“. Ich benutze das Wort Islamophobie nicht.

Was bringt queere Menschen, deren Rechte von der Hamas aktiv unterdrückt würden, auf diese proislamistischen Demonstrationen?

Das gehört zu den intersektionalen Kämpfen und zur Hierarchie der Diskriminierungen. Ein weißer schwuler Mann ist weitaus privilegierter als ein heterosexueller arabischer Mann. Deshalb müssen weiße Mitglieder der LGBT-Community, wenn sie ihre Privilegien dekonstruieren wollen, dekoloniale Bewegungen ohne Wenn und Aber unterstützen. Und das heißt, die Art zu unterstützen, wie unterdrückte Völker gegen ihren Unterdrücker kämpfen, also den „bewaffneten Widerstand“ zu unterstützen, mit anderen Worten: Terrorismus.

Man toleriert also einfach terroristische Gruppen?

Das ist die Grundlage des Programms.

Bussignys Recherche führte zu einer Festnahme

Sie haben erwähnt, dass es in diesen Gruppen auch Unterstützer des iranischen Regimes gibt. Als Agenten?

Ja. Meine Recherche und die eines Kollegen haben zur Festnahme eines Agenten des iranischen Regimes geführt. Er wurde vor Gericht gestellt und verurteilt. Sein Name ist Shahin Hazamy. Er hatte eine Million Follower auf TikTok und Instagram, er ist ein wichtiger Agent des iranischen Regimes, und er war ein einflussreicher Aktivist für palästinensische Bewegungen in Europa. Wir haben die Verbindungen dieses „Journalisten“, der keiner ist, zum iranischen Regime öffentlich gemacht, um Alarm zu schlagen.

Flaggen des iranischen Regimes auf einer Palästina-Kundgebung bei Paris, Juni 2025.

Flaggen des iranischen Regimes auf einer Palästina-Kundgebung bei Paris, Juni 2025.

© Sadak Souici/Imago

Gab es körperliche Angriffe? Etwa auf Menschen mit Kippa?

Ja, in Frankreich hatten wir viele solcher Vorfälle, auch in Belgien. Ich glaube, am schlimmsten war es in Frankreich. Es war eine entsetzliche Geschichte: Ein zwölfjähriges Mädchen wurde von Jungen vergewaltigt und misshandelt, weil sie Jüdin war, „um Palästina zu unterstützen“. Die Täter wurden verurteilt, aber sie wurde vergewaltigt, weil sie Jüdin ist.

Kopftuch: „Ich bin nicht gegen die Frauen, die sich entscheiden, eins zu tragen“

In ganz Europa wird über islamische Kleidung debattiert. Marine Le Pen will das Kopftuch im öffentlichen Raum verbieten, falls sie 2027 gewinnt. Österreich hat gerade Kopftücher an Schulen verboten, Giorgia Meloni will die Burka verbieten. Was denken Sie darüber?

Ich bin universalistische Feministin, das ist eine feministische Strömung, und ich kämpfe für die Laizität. Persönlich bin ich gegen das Kopftuch, aber ich bin nicht gegen die Frauen, die sich entscheiden, eins zu tragen. Und ich halte ein gesetzliches Verbot nicht für eine gute Lösung. Wichtiger ist es, junge Mädchen zu deradikalisieren, denn wenn man verbietet, radikalisieren sie sich noch mehr. Das ist wie ein Streisand-Effekt. Wichtig ist, an der Wurzel anzusetzen, und die Wurzel ist vor allem der Einfluss der Muslimbruderschaft auf Moscheen und Kollektive.

Viel dringender wäre es, zu verhindern, dass Kollektive, Vereine und Organisationen aus dem Umfeld der Muslimbrüder zum Beispiel im Europäischen Parlament auftreten. Das ist der Fall bei unserer Europaabgeordneten Rima Hassan, die zwei Organisationen mit nachgewiesenen Verbindungen zur Muslimbruderschaft ins Europäische Parlament eingeladen hat: Lallab, die sich gerade für das Kopftuch und gegen das französische Laizitätsgesetz von 2004 einsetzt, und Femyso.

„Unterwerfung“ von Michel Houellebecq malt sich aus, wie Frankreich allmählich dem politischen Islam nachgibt. Könnte diese Dystopie wirklich eintreten?

Das ist kompliziert, denn in Frankreich haben wir die Laizität, und sie ist sehr wichtig. In Frankreich wurden Menschen getötet, weil sie den Islam kritisiert haben: Samuel Paty, Charlie Hebdo, viele schreckliche Beispiele. Ich glaube also, solange wir die Laizität haben, ist das unmöglich. Die Laizität ist ein wichtiges Bollwerk gegen eine „Unterwerfung“ wie bei Houellebecq. Aber die Laizität wird von der extremen Linken und auch von der extremen Rechten angegriffen.

Die Linke hat die Berlin-Wahl gewonnen, mit Elif Eralp als Gesicht des Wahlkampfs. Kritiker werfen der Partei vor, den Gaza-Konflikt zu nutzen, um Wähler zu mobilisieren, darunter einen großen Anteil muslimischer Wähler. Was denken Sie darüber?

Ich finde es wichtig, darauf hinzuweisen, dass die ersten Opfer des Islamismus Muslime sind, noch vor den Juden. Wer Muslime unterstützen will, muss den Islamismus anprangern. Das Problem Ihrer Linken, und auch meiner Linken, ist, dass sie den Kampf gegen den Islamismus und den Kampf gegen Muslime vermischen.

Es gibt eine extreme Rechte mit Verbindungen zu Neonazis, die mit sehr aggressiver Gewalt gegen progressive Bewegungen vorgeht. Und es gibt eine extreme Linke mit Verbindungen zum islamistischen Terrorismus, die beschlossen hat, Terrororganisationen wie die Hamas und die PFLP zu unterstützen. Ich stehe in der Mitte, ich kämpfe für die Demokratie, und es ist schrecklich für mich, zwischen zwei Populismen wählen zu müssen.

Was können die deutsche Öffentlichkeit und Politik aus Ihrer Recherche mitnehmen?

Ich finde, Deutschland sollte ebenfalls eine Untersuchungskommission einsetzen, eine große Untersuchung, um die tatsächlichen Verbindungen aller politischen Parteien zu extremistischen Regierungen weltweit festzustellen: zu Russland, zum islamischen Regime im Iran, und auch zur Muslimbruderschaft, denn das ist das eigentliche Problem. Wichtig ist, dass die Entscheidung von oben kommt. Die Muslimbruderschaft ist die Wurzel; die Hamas stammt aus der Muslimbruderschaft.

Wenn alle politischen Parteien beschließen würden, diese Kommission einzusetzen, fände ich das wichtig. Aber es ist kompliziert; in Frankreich war es sehr schwer. Direkt nach der Kommission bekam ich Polizeischutz. Ich hatte viele Drohungen erhalten, ich galt als Verräterin: Ich bin Araberin und ich bin eine Frau, also bin ich eine Verräterin, weil ich den Islamismus anprangere.

Wie Sie wissen, wurde Berlin Ende Juli am Christopher Street Day angegriffen. Der Anschlag wurde von einem Islamisten verübt. Das müsste auch ein Signal an die queere Community sein, aber wir haben kaum Proteste gesehen.

Ich habe einen Artikel über diesen Terroranschlag geschrieben. An jenem Tag gab es in Berlin eine LGBTQ-Demonstration und eine zweite, radikale LGBTQ-Demonstration, die zur Intifada aufrief. Und das ist entsetzlich, denn die Intifada ist passiert.

Das Schwerste war, nach dem Terroranschlag auf die Berliner Pride zu sehen, wie sich Aktivisten in Deutschland und in Frankreich weigerten, das islamistische Motiv des Täters zu benennen, aus Angst, „Islamophobie“ zu befördern. Ich finde das absurd gegenüber den Opfern des Terrorismus.

Warum ist die Generation Z anfälliger für diese Bewegungen?

Ich glaube, junge Generationen waren schon immer empfänglich für Extremismus; sie waren rebellisch. Aber Sie haben recht: zuerst TikTok, dann Instagram, dort gibt es viel ausländische Einflussnahme. Wir hatten viele Fälle russischer Einflussnahme in den sozialen Netzwerken und sogar auf den Straßen von Paris. Das Ziel ist, die Spaltung zu vertiefen und die Extreme zu stärken. Dasselbe erleben wir bei der iranischen Einflussnahme: Kürzlich wurde eine Agentin des iranischen Regimes, Mahdieh Esfandiari, für ihre Onlinebeiträge und für das Netzwerk verurteilt, das sie mitorganisiert hatte und in dem davon die Rede war, eine „Al-Aqsa-Flut“ nach Frankreich zu bringen. Und in Frankreich haben die extreme Linke und die extreme Rechte Verbindungen zu den Russen.

Bewegen wir uns also auf eine Welt zu, in der es kaum noch eine gemäßigte Mitte gibt?

Ja, und das ist in Frankreich schon der Fall. Die extreme Linke nutzt die sozialen Netzwerke intensiv und sagt: Wir sind die einzige Lösung gegen die extreme Rechte, wir sind das letzte Bollwerk. Und umgekehrt. Das ist ein großes Problem, denn bei der Wahl wäre das schlimmste Szenario La France Insoumise gegen den Rassemblement National in der Stichwahl, ein Showdown zwischen zwei extremen Bewegungen.

Was unterscheidet Linksextremismus von Rechtsextremismus?

Heute ist es schwer, Unterschiede zu finden, weil es mehr Gemeinsamkeiten gibt: Verbindungen zu Russland, Unterstützung für das islamische Regime im Iran. Jean-Marie Le Pen, der Vater von Marine Le Pen, hat zum Beispiel an Veranstaltungen zu Ehren Khomeinis und seines Regimes teilgenommen.

Ich lese sehr viel George Orwell und zitiere ständig „1984“. Orwell erklärt, wie ein gemeinsamer Feind zersplitterte Bewegungen einen kann. Und der gemeinsame Feind sind die Juden, denn Juden werden von der extremen Linken und von der extremen Rechten gehasst.

Der Konflikt im Nahen Osten dauert an. Glauben Sie, dass die Radikalisierung bei einem Friedensvertrag abnehmen würde, weil ihnen das Mobilisierungsthema fehlen würde? Oder würde sie weitergehen?

Ich glaube, sie würde weitergehen, denn die Realität dieses Konflikts liegt nicht in Palästina und Israel. Sie liegt in Katar, beim islamischen Regime im Iran, in den Universitäten, in Kollektiven, in der Europäischen Union. Deshalb weigere ich mich, „propalästinensisch“ zu sagen; ich sage „antiisraelische Bewegungen“.

Für sie ist das eigentliche Problem Israel. Und Israel ist nur der Anfang, danach kommen die westlichen Demokratien dran.

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