Justiz

Prozess wegen Nord-Stream-Sprengung beginnt am Mittwoch: Angeklagter Ukrainer will schweigen

Der Nord-Stream-Prozess beginnt. Serhij K. soll die Pipelines gesprengt haben. Vorgeworfen wird ihm ein Kriegsverbrechen.

4 Min
Der Prozess um den Nord-Stream-Anschlag beginnt am Mittwoch in Hamburg.

Der Prozess um den Nord-Stream-Anschlag beginnt am Mittwoch in Hamburg.

© Danish Defence Command/dpa

Vier Jahre nach den Explosionen in der Ostsee beginnt in Hamburg am Mittwoch der Nord-Stream-Prozess. Angeklagt ist der Ukrainer Serhij K.. Die Bundesanwaltschaft hält ihn für den Drahtzieher der Sprengung der Gaspipelines Nord Stream 1 und 2.

Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht muss er sich nun gegen den Vorwurf eines Kriegsverbrechens verantworten. Es ist der erste Strafprozess in Deutschland zu den Anschlägen vom September 2022.

Kriegsverbrechen und Sprengstoffexplosion: Was Serhij K. vorgeworfen wird

Die Anklage der Bundesanwaltschaft wirft Serhij K. ein Kriegsverbrechen vor. Gemeint ist der Einsatz verbotener Methoden der Kriegsführung durch einen Angriff auf zivile Objekte.

Außerdem lautet der Verdacht auf das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, die Zerstörung von Bauwerken und die Störung öffentlicher Betriebe.

Der 50-Jährige soll Offizier einer Spezialeinheit der ukrainischen Streitkräfte gewesen sein und die Aktion als Drahtzieher koordiniert haben. Bewiesen ist davon noch nichts, es gilt die Unschuldsvermutung. Serhij K. selbst will sich im Prozess nicht äußern.

Wie die Tat nach Angaben der Ermittler ablief

Laut Bundesanwaltschaft ging Serhij K. spätestens am 8. September 2022 im Hafen von Wiek auf Rügen an Bord der Segeljacht „Andromeda“. Ein Mittelsmann habe das Boot für mehrere Wochen gechartert.

Mit an Bord waren den Ermittlungen zufolge sechs Mittäter: ein Schiffsführer, ein Sprengstoffexperte und vier Tiefseetaucher. Bei Tauchgängen am Meeresboden soll die Gruppe vier Sprengsätze mit Zeitzündern an den Leitungen angebracht haben. Verwendet worden sei militärischer Hochleistungssprengstoff, der auch unter Wasser zündet.

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Festnahme an der Adria: Wie Serhij K. nach Deutschland kam

Gefasst wurde der Angeklagte Ende August 2025. Er machte gerade mit seiner Familie Urlaub an der Adria-Küste. Monatelang wehrte er sich gegen die Auslieferung. Erst am 27. November 2025, rund drei Monate nach der Festnahme, wurde er nach Deutschland überstellt.

Einen Tag später setzte ein Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe den Haftbefehl in Vollzug. Seitdem sitzt Serhij K. in Untersuchungshaft. Anfang Juli folgte die Anklage.

Was sagt die Ukraine zu den Nord-Stream-Anschlägen?

Die deutschen Ermittler vermuten einen ukrainischen Plan hinter der Tat. Die Ukraine weist das zurück. Das Land habe sich „niemals offiziell an irgendeiner Operation beteiligt, die mit der Sprengung von Nord Stream zu tun hatte“, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj im August.

Die Betreibergesellschaften Nord Stream AG und Nord Stream 2 AG wollten sich dem Verfahren als Nebenkläger anschließen. Der 3. Strafsenat des Oberlandesgerichts ließ das nicht zu. Die Firmen sprachen von einem „existenziellen Schaden“ und bezifferten die Reparatur auf jeweils einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag.

Gemessen an Baukosten von 7,4 beziehungsweise 9,5 Milliarden Euro sei das nur ein Bruchteil und kein wirtschaftlicher Totalschaden, befand das Gericht. Weitere wirtschaftliche Folgen hätten ihre Ursache nicht in der Sprengung, sondern in den politischen Reaktionen auf den Krieg, so der Senat. Für Schadenersatz verwiesen die Richter auf den Zivilrechtsweg.

Was bei den Nord-Stream-Anschlägen im September 2022 geschah

Am 26. September 2022 detonierten vor der dänischen Insel Bornholm in rund 80 Metern Tiefe mehrere Sprengsätze. An drei der vier Leitungsstränge entstanden vier Lecks.

Den Gasfluss durch Nord Stream 1 hatte Russland schon gut drei Wochen zuvor gestoppt, angeblich wegen technischer Probleme. Nord Stream 2 war wegen des russischen Angriffskriegs nie in Betrieb gegangen.

Nord Stream 1 reicht mit zwei je 1224 Kilometer langen Strängen vom russischen Wyborg nach Lubmin bei Greifswald. Eigentümerin ist die Nord Stream AG, an der Gazprom 51 Prozent hält. Nord Stream 2 gehört vollständig dem russischen Staatskonzern.

Der zuständige Staatsschutzsenat hat zunächst 16 Verhandlungstermine bis zum 17. Dezember angesetzt. Weitere Termine sind für Januar und Februar 2027 vorgesehen.

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