In den Alpen ist der Winter schon angekommen, für den Rest des Landes beginnt jetzt das große Warten auf den Schnee. Ende Oktober könnten die Mittelgebirge folgen, unten gibt es erst einmal Frost, vor dem der Deutsche Wetterdienst dann kreisgenau warnt. Bis Silvester sehen die Langfristmodelle fast durchgehend mildes, nasses Wetter, und Schnee vor der Haustür wird zur Glückssache.
Etappe 2 im Schnee-Fahrplan: Puderzucker auf 1141 Metern
Etappe 1 ist abgehakt: In den Alpen liegt seit der Nacht zum Freitag Schnee, oberhalb von etwa 1800 Metern. Auf Brocken und Feldberg kam nur Regen an.
Zur Monatsmitte schiebt sich zunächst noch einmal milde Luft heran. Für die zweite Oktoberhälfte rechnen die Modelle dann mit einer Kaltfront aus Nordwesten. Hinter ihr fällt in klaren Nächten das Thermometer am Boden verbreitet unter null.
Wetterexperte Dominik Jung von wetter.net legt sich in seiner Kolumne für die tz fest: Am letzten Oktoberwochenende sollen auf Feldberg, Brocken und Fichtelberg die ersten Flocken fallen. Die Rodelhänge bleiben trotzdem grün, mehr als eine Puderzuckerschicht erwartet er vorerst nicht.
Wer noch auf Sommerreifen fährt, sollte spätestens mit den ersten Frostnächten wechseln, die alte Faustregel heißt „von O bis O“, also Oktober bis Ostern. Frost- und Glättewarnungen für jeden Landkreis stehen in den amtlichen Warnungen des DWD.
Plus 3 Grad und Sturmtiefs: Im November regnet der Schnee weg
Der November bremst die Schneehoffnung wieder aus. Nach Jungs Auswertung liegt das US-Langfristmodell CFS für Deutschland bis zu drei Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Das europäische Wetterzentrum ECMWF rechnet ebenfalls zu warm, mit kleinerem Ausschlag.
Niederschlag gibt es reichlich, beide Modelle sehen mehr als üblich. Er kommt nur in der falschen Form. Statt Nebel unter einem Hoch ziehen eher Tiefs vom Atlantik in Serie übers Land, mit kräftigen Böen und Sturmgefahr.
Auf den Gipfeln kann es zwischen zwei Tiefs immer wieder kurz weiß werden. Unten taugt der November eher für Gummistiefel als für Schneemänner.
83 Prozent: Im Pazifik baut sich ein Rekord auf
Die schärfste Zahl kommt vom anderen Ende der Welt. Das Climate Prediction Center der US-Behörde NOAA hat am Donnerstag seine neue El-Niño-Einschätzung veröffentlicht. Für Oktober bis Dezember liegt die Chance auf ein historisches Ereignis jetzt bei 83 Prozent, im September waren es 75 Prozent.
Historisch bedeutet: stärker als jeder El Niño seit 1950. Im zentralen Pazifik ist das Wasser 2,1 Grad wärmer als normal, im Osten stellenweise um mehr als vier Grad.
Ab 2,5 Grad beginnt die Rekordzone, die bislang kein El Niño erreicht hat. Ob davon in Deutschland Schnee ankommt, ist die spannendere Frage.
Nach 171 Litern Dürre-Sommer: Hier steckt die Schneehoffnung
Für die Natur ist der nasse Herbst ein Geschenk. Der Sommer 2026 war laut Sommerbilanz des Wetterdienstes der zweitwärmste seit 1881 und brachte im Flächenmittel nur rund 171 Liter Regen pro Quadratmeter.
Beim El Niño sollten Schneefans dagegen nicht zu viel erwarten. Der Pazifik liefert die Rekordzahlen, das Wetter in Deutschland macht weiterhin der Atlantik.
Interessant wird es erst später im Winter. Einzelne Analysen früherer Ereignisse zeigen, dass ein sehr starker El Niño den Polarwirbel in der zweiten Winterhälfte schwächen kann. Dann hätte kalte Luft aus dem Norden leichteres Spiel, allerdings eher ab Januar.
Weiße Weihnachten 2026: Im Westen nur 10 Prozent Chance
Auch der Dezember erscheint auf den Karten ein bis zwei Grad zu warm, im Süden und an den Alpen noch mehr. Nasse Flocken im Flachland erwartet Jung frühestens Anfang bis Mitte Dezember, liegen bleiben dürften sie nicht lange.
Nach DWD-Daten liegt im westlichen und südwestlichen Flachland nur in rund zehn Prozent der Jahre über die Feiertage eine geschlossene Schneedecke. Im Norden und Nordosten sind es meist zehn bis 20 Prozent, in den höheren Mittelgebirgen 20 bis 50 Prozent.
Dazu kommt ein alter Spielverderber, das Weihnachtstauwetter. Es stellt sich je nach Region in 60 bis 70 Prozent der Jahre rund um die Feiertage ein.
Ob an Silvester Raketen über verschneiten Dächern aufsteigen, verraten die Modelle noch nicht. Dafür bräuchte es einen kräftigen Kaltluftvorstoß aus dem Norden.
Flächendeckend weiß waren alle drei Weihnachtstage in Deutschland zuletzt 2010.
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