Sieben Prozent Steuern auf die Rente, bis zu 15 Jahre lang: Mit diesem Angebot wirbt Griechenland um deutsche Ruheständler. Ende September hat Athen die Regeln noch einmal gelockert.
Den Antrag kann man jetzt bis zum 31. Oktober stellen, bisher war Ende März Schluss. Wer nachrechnet, erlebt allerdings eine Überraschung.
Bei einer Rente von 1000 Euro im Monat kostet die Pauschale gut 300 Euro mehr im Jahr als der normale griechische Steuertarif.
7-Prozent-Steuer: Neue Antragsfrist bis 31. Oktober
Die griechische Steuerbehörde AADE hat neue Verfahrensregeln für ausländische Rentner festgelegt, wie die Athener Zeitung To Vima berichtet. Grundlage ist ein Gesetz vom Juni 2026, das die alte Märzfrist abgeschafft hat.
Fehlende Unterlagen dürfen bis zum 30. November nachgereicht werden. Der Antrag läuft online über das Steuerportal myAADE.
Wer seinen Wohnsitz bis zum 2. Juli verlegt hat, kann den Sondersatz noch für dasselbe Jahr beantragen. Wer später umzieht, ist erst im Folgejahr dran.
Mehr als 1700 Anträge sind laut dem Blatt bislang eingegangen, rund 1000 wurden bewilligt. Viele kommen aus Nord- und Westeuropa, ausdrücklich auch aus Deutschland.
Voraussetzungen: Wer die 7 Prozent bekommt
Man braucht eine Rente aus dem Ausland und darf in mindestens fünf der vergangenen sechs Jahre nicht in Griechenland steuerpflichtig gewesen sein. Außerdem muss das Herkunftsland mit Athen in Steuerfragen Daten austauschen. Deutschland erfüllt das.
Entscheidend ist der echte Lebensmittelpunkt. Wer nur von Mai bis September im Ferienhaus auf Kreta die Bougainvillea gießt, wird dadurch nicht zum griechischen Steuerbürger. Als Faustregel gelten mehr als 183 Tage im Jahr.
Der Sondersatz gilt für alle Auslandseinkünfte, also auch für Betriebs- und Privatrenten.
Doppelbesteuerungsabkommen: Deutschland verliert den Zugriff
Wer umzieht, verabschiedet sich vom deutschen Finanzamt. Das regelt ein Doppelbesteuerungsabkommen von 1966, das bis heute vom „Königreich Griechenland“ spricht.
Danach wird die gesetzliche Rente nur noch in Griechenland versteuert, erklärt die Lohnsteuerhilfe VLH. Beamtenpensionen versteuert dagegen weiter Deutschland. Für Pensionäre schrumpft der Griechenland-Bonus damit deutlich.
Auch Mieteinnahmen aus einer Wohnung in Deutschland bleiben hierzulande steuerpflichtig.
Rechenbeispiele: Ab welcher Rente sich der Antrag lohnt
Der Haken: Die sieben Prozent werden ab dem ersten Euro fällig, einen Freibetrag gibt es nicht.
Der normale griechische Tarif ist am unteren Ende erstaunlich mild. Seit der Steuerreform 2026 fallen auf die ersten 10.000 Euro neun Prozent an, bis 20.000 Euro dann 20 Prozent, wie eine Übersicht von KPMG zeigt. Davon geht eine Steuergutschrift von 777 Euro ab, die ab 12.000 Euro Jahreseinkommen langsam abschmilzt.
Steuer pro Jahr für Alleinstehende ohne Kinder, vereinfacht auf Basis der Bruttorente:
- 800 Euro Rente im Monat: normaler Tarif 87 Euro, Pauschale 672 Euro. Mit Antrag zahlen Sie 585 Euro mehr.
- 1000 Euro Rente im Monat: normaler Tarif 523 Euro, Pauschale 840 Euro. Mit Antrag zahlen Sie 317 Euro mehr.
- 1500 Euro Rente im Monat: normaler Tarif 1843 Euro, Pauschale 1260 Euro. Mit Antrag sparen Sie 583 Euro.
- 2500 Euro Rente im Monat: normaler Tarif 5083 Euro, Pauschale 2100 Euro. Mit Antrag sparen Sie 2983 Euro.
Die Grenze liegt bei rund 1175 Euro im Monat. Wer darunter liegt, stellt den Antrag besser nicht.
Für Kleinrentner kommt es noch dicker: In Deutschland bliebe eine Rente von 1000 Euro in vielen Fällen ganz steuerfrei. Der Umzug in die Sonne kostet sie also so oder so Geld.
Zahlungsfrist im Dezember: Wer zu spät zahlt, verliert den Sondersatz
Die Pauschalsteuer wird einmal im Jahr in einer Summe fällig, spätestens am letzten Werktag im Dezember. Raten sind nicht erlaubt.
Wer die Frist verpasst, wird auf sein gesamtes Welteinkommen nach dem normalen Tarif besteuert. Ein neuer Antrag ist danach ausgeschlossen.
Lebenshaltungskosten: Athen und die Inseln sind teuer
Ein Blick auf die Einheimischen erdet die Urlaubsträume. Mehr als die Hälfte der griechischen Rentner bekommt weniger als 1000 Euro im Monat.
Gleichzeitig steckt Athen in einer Mietkrise, über die dasselbe Blatt regelmäßig berichtet. Auf dem Land wohnt es sich günstiger, dafür ist der nächste Facharzt oft eine Tagesreise entfernt.
Krankenversicherung und Lebensbescheinigung
Wer in der Krankenversicherung der Rentner ist, bleibt in der Regel auch in Griechenland gesetzlich versichert. Die Krankenkasse stellt dafür das Formular S1 aus, mit dem man sich bei der griechischen Kasse anmeldet.
Die Rentenversicherung sollte rund drei Monate vor dem Umzug Bescheid bekommen. Danach kommt jedes Jahr Post mit einer Lebensbescheinigung: Man muss amtlich bestätigen lassen, dass man noch lebt. Wer das vergisst, riskiert, dass die Rente gestoppt wird.
Damit ist man in großer Gesellschaft. Gut 1,7 Millionen Renten überweist die Deutsche Rentenversicherung inzwischen ins Ausland, wie die Berliner Zeitung berichtete.
Für wen sich Griechenland lohnt
Die sieben Prozent sind ein Geschenk für gut versorgte Ruheständler mit Betriebsrente, Privatvorsorge oder Depot. Genau diese Klientel will Athen anlocken.
Wer nur von einer kleinen gesetzlichen Rente lebt, sollte sich von der Zahl nicht blenden lassen. Das größte Risiko ist nicht das Finanzamt in Athen, sondern die eigene Rechnung. Der Meerblick kostet übrigens keinen Antrag.
Hinweis: Dieser Text ersetzt keine Steuerberatung. Die Beispielrechnungen sind vereinfacht und berücksichtigen weder Kinder noch Abzüge oder weitere Einkünfte.
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