POTSDAM. Die Stasi-Vorwürfe gegen den Linken-Abgeordneten Gerd-Rüdiger Hoffmann bringen Rot-Rot unter Zugzwang. Zwar haben sich SPD- und Linksfraktion schon Mitte Oktober für eine einheitliche Stasi-Überprüfung aller Landtagsabgeordneten ausgesprochen. Es wäre die erste seit 1990. Doch noch herrscht nicht einmal Klarheit über das Verfahren."Das Gesetz soll so schnell wie möglich verabschiedet werden", sagte gestern der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Christian Görke. Frühestens im Dezember ist das möglich. Und auch Görke ist klar, dass Hoffmann so lange nicht warten kann. Der 57-jährige, kulturpolitische Sprecher der Linken soll laut Birthler-Akten bereits seit dem 18. Lebensjahr inoffizieller Mitarbeiter der Stasi gewesen sein. Obwohl ihm die Vorwürfe seit Anfang November bekannt sind, hat Hoffmann bislang noch keine Akteneinsicht beantragt. Dass er das schnell nachholt, darauf drängt nun auch die eigene Partei.Offener Umgang mit Biografie?Während die Linken-Spitze darauf verweist, dass Hoffmann, auch Parteichef in Oberspreewald-Lausitz, im Wahlkampf offen mit seiner DDR-Biografie umgegangen sei, hat der CDU-Abgeordnete Ingo Senftleben eine ganz andere Wahrnehmung. Auch er stammt aus Oberspreewald-Lausitz. "Er hat in Veranstaltungen immer den Eindruck vermittelt, mit dem DDR-System nichts zu tun gehabt zu haben", sagte Senftleben gestern. Er habe geglaubt, Hoffmann habe als Experte für afrikanische Philosophie ein Nischendasein geführt. Der Linken-Politiker hatte gesagt, er habe sich immer dazu bekannt, als junger Mann sogar eine hauptamtliche Stasi-Tätigkeit angestrebt zu haben. Zu Details der IM-Vorwürfe wollte er sich aber nicht äußern. Hoffmann ist seit 2004 im Landtag.Als erste Fraktion hat die CDU auf eigene Faust eine Stasi-Überprüfung ihrer 19 Abgeordneten beantragt, sagte Ingo Senftleben, auch Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion. Die FDP will auf ihrer Fraktionssitzung heute diesem Beispiel folgen. SPD und Linke warten noch ab und verweisen auf die geplante Änderung des Abgeordnetengesetzes zur Stasi-Überprüfung im Dezember - eine Initiative der oppositionellen Grünen. Unterdessen plant die Landesregierung nach Informationen der Berliner Zeitung, auch Minister und Staatssekretäre überprüfen zu lassen.
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