Mit einem hochrangig besetzten Investitionsgipfel will Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ab Montagabend in Berlin internationales Kapital nach Deutschland holen. Rund 200 Vorstandschefs aus dem In- und Ausland werden erwartet, als „Stargast“ ist der Chef des US-Chipherstellers Nvidia, Jensen Huang, angekündigt.
Auftakt des „Invest in Germany Summit“ ist ein Abendprogramm in einem ehemaligen Heizkraftwerk in Berlin-Mitte unter dem Motto „Red Carpet for Investments“. Der eigentliche Konferenztag folgt am Dienstag an der privaten Wirtschaftshochschule ESMT im früheren Staatsratsgebäude der DDR. Neben Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) nimmt nach Angaben aus Regierungskreisen das halbe Kabinett teil.
Kooperation mit Nvidia geplant
Die Bundesregierung plant eine Zusammenarbeit mit Nvidia, bei der sich auch deutsche Unternehmen beteiligen sollen. Erste konkrete Abschlüsse würden auf dem Gipfel erwartet, hieß es aus Regierungskreisen. Eine zentrale Rolle spielt der frühere Commerzbank-Chef Martin Blessing, den Merz als persönlichen Beauftragten für Investitionen eingesetzt hat.
Ziel sei es, ein „starkes Willkommens-Signal“ an internationale Investoren zu senden, hieß es weiter. Mit öffentlichem Geld allein könne Deutschland nicht modernisiert werden. Als Standortvorteile nannten Regierungsvertreter unter anderem solide Finanzen – Deutschland sei das einzige G7-Land mit Triple-A-Rating –, den EU-Binnenmarkt, qualifizierte Fachkräfte und eine hohe Zahl an Patenten.
Investitionslücke und Reformbedarf
Einer Studie von Allianz Research zufolge gingen die Gesamtinvestitionen in Deutschland zwischen 2019 und 2025 um 6,4 Prozent zurück, während sie im übrigen Euroraum um 6,7 Prozent und in den USA um 20,2 Prozent stiegen. Als Gründe für die Zurückhaltung werden hohe Energiekosten, hohe Steuer- und Abgabenbelastung sowie Bürokratie genannt.
Aus Regierungskreisen hieß es, es seien „Hausaufgaben“ zu erledigen. Merz dürfte auf dem Gipfel bekräftigen, dass die Regierung ihren Reformkurs fortsetze – etwa bei Sozialsystemen, Arbeitsmarkt und Planungsverfahren. Allerdings sind Vorhaben wie die Rentenreform in der schwarz-roten Koalition umstritten.
Als zentrale Investitionsfelder sieht die Bundesregierung industrielle Künstliche Intelligenz, Stromnetze, Verteidigung, Halbleiter, Rechenzentren und Verkehrsinfrastruktur. Siemens-Chef Roland Busch bezeichnete die industrielle KI bei einem Treffen mit Merz Ende September als „Jahrhundertchance für Deutschland“. (mit dpa)
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