Der frühere US-Präsident Barack Obama hat sich erstmals öffentlich zu dem rassistischen Video geäußert, das Amtsinhaber Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social veröffentlicht hatte. In dem Clip waren Obama und seine Frau Michelle kurzzeitig als tanzende Affen vor einer Dschungel-Kulisse zu sehen.
„Es gibt so eine Art Clown-Show auf den sozialen Netzwerken und im Fernsehen“, sagte Obama am Samstag in einem Interview mit dem Youtuber Brian Tyler Cohen, ohne Trump namentlich zu nennen. „Es scheint keinerlei Scham mehr darüber bei Menschen zu geben, die einst dachten, dass es Anstand, einen Sinn für Anständigkeit und Respekt für das Amt geben sollte. Das ist verloren gegangen.“
Der 64-jährige Demokrat betonte, dass die Mehrheit der US-Bürger ein solches Verhalten als „zutiefst verstörend“ empfinde. Obama sagte voraus, dass dieses Vorgehen den Republikanern bei den Kongress-Zwischenwahlen im November schaden werde. „Letztlich wird die Antwort vom amerikanischen Volk kommen“, warnte er.
Video blieb zwölf Stunden online
Das etwa einminütige Video war am 5. Februar auf Trumps Truth-Social-Account erschienen und erst nach rund zwölf Stunden gelöscht worden. Der Clip enthielt unbelegte Behauptungen über angeblichen Wahlbetrug bei der Präsidentschaftswahl 2020, die Trump gegen Joe Biden verloren hatte. Am Ende erschienen für etwa eine Sekunde die lachenden Köpfe der Obamas auf Affenkörpern, während der Song „The Lion Sleeps Tonight“ spielte.
Trump erklärte später gegenüber Journalisten an Bord der Air Force One, er habe „nur den ersten Teil angesehen und nicht das ganze Video“. Eine Entschuldigung lehnte er ab: „Ich habe keinen Fehler gemacht.“ Das Weiße Haus räumte ein, ein Mitarbeiter habe den Beitrag „irrtümlich veröffentlicht“. Sprecherin Karoline Leavitt hatte die Kritik zunächst als „gespielte Empörung“ bezeichnet.
Donald Trump teilte in seinem Netzwerk Truth Social ein Video, in dem das Ehepaar Barack Obama und Michelle Obama als Affen dargestellt wird.
© Bestimage/imago
Scharfe Kritik auch von Republikanern
Der Vorfall löste parteiübergreifende Empörung aus. Senator Tim Scott aus South Carolina, einziger schwarzer Republikaner im Senat, schrieb auf X: „Ich bete, dass es eine Fälschung ist, denn es ist das Rassistischste, was ich aus diesem Weißen Haus gesehen habe.“ Weitere republikanische Abgeordnete wie Senator Roger Wicker, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, nannten den Post „völlig inakzeptabel“ und forderten Trump zur Entschuldigung auf.
Der demokratische Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, bezeichnete Trump als „widerlich, rassistisch und bösartig“. Ben Rhodes, ein früherer Obama-Berater, schrieb auf X: „Künftige Amerikaner werden die Obamas als geliebte Persönlichkeiten in Erinnerung behalten, während sie Trump als Schandfleck unserer Geschichte studieren.“
In dem Interview mit Brian Tyler Cohen äußerte sich Obama auch zu den Abschiebe-Razzien der Trump-Regierung in Minneapolis. Das Vorgehen von Einsatzkräften der US-Einwanderungsbehörde ICE erinnere ihn an „autoritäre Länder“ und „Diktaturen“. Mut mache ihm jedoch der organisierte Widerstand der Bürger, die „systematisch, organisiert“ sagten: „Das ist nicht das Amerika, an das wir glauben.“
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