Die Kosten für einen Öltransport von den USA nach China haben im Zuge des Konflikts im Nahen Osten den Preis eines Raketenstarts übertroffen. Nach Angaben des Schiffsmaklers Gibson kostet die Charter eines Supertankers für diese Strecke rund 80 Millionen Dollar (71,4 Millionen Euro). Der kommerzielle Preis eines regulären Falcon-9-Starts von SpaceX liege bei etwa 74 Millionen Dollar (66 Millionen Euro).
Der Vergleich zeigt, wie stark der andauernde Iran-Krieg den weltweiten Öltransport belastet. Tanker fehlen, weil Umwege, Umladungen und Reparaturen Schiffe länger binden. Für Käufer verteuert sich dadurch das Rohöl, während Raffinerien einen größeren Teil ihrer Einnahmen für den Transport aufwenden müssen.
Auch die Nachrichtenagentur Reuters bestätigt die Größenordnung von 80 Millionen Dollar. Die Agentur beruft sich auf Daten des Schiffsmaklers SSY für einen Transport von zwei Millionen Barrel Rohöl vom US-Golf nach China mit Verladung im November.
Der Transport verschlingt fast den halben Ölpreis
Pro Barrel ergeben sich damit Frachtkosten von rund 40 Dollar (35,70 Euro). Vor Beginn des Iran-Kriegs waren es laut Reuters 8,60 Dollar (7,70 Euro). Die Transportkosten entsprechen inzwischen beinahe der Hälfte des aktuellen Preises für amerikanisches WTI-Rohöl.
Händler und Schiffsmakler erklärten der Agentur, Lieferungen von US-Öl nach Asien seien unter diesen Bedingungen vielfach nicht mehr wirtschaftlich. Raffinerien suchen deshalb nach Alternativen aus dem Nahen Osten und Lateinamerika.
Straße von Hormus: Erholung verschärft Engpass
Laut einem Bloomberg-Bericht verschärft dabei inzwischen die Erholung der Transporte durch die Straße von Hormus den Engpass. Während der Unterbrechungen waren Tanker in andere Regionen ausgewichen. Nun müssen sie zurückkehren. Das dauert teils Wochen.
Zudem laden Produzenten Öl zwischen Schiffen um, um veränderte Transportrouten zu bedienen. Solche Abläufe können einzelne Reisen um etwa eine Woche verlängern. Andere Schiffe fahren um Afrika herum, um Angriffen der Huthis auszuweichen. Die Flotte kann dadurch insgesamt weniger Ladungen befördern.
Angriffe nehmen weitere Schiffe aus dem Markt
Gibson hat seit Kriegsbeginn 95 Angriffe auf Tanker in der Region erfasst, darunter Schiffe im iranischen Handel. Einige benötigen umfangreiche Reparaturen, andere gingen komplett verloren. Der Makler hält die tatsächliche Zahl wegen nicht gemeldeter Vorfälle für noch höher.
Die Branche versucht nun gegenzusteuern. Laut Bloomberg werden Ladungen auf kleinere Schiffe verteilt, während Ölproduzenten Tanker kaufen oder langfristig chartern. Damit verlagert sich der Preisdruck allerdings auch auf andere Schiffsklassen.
Für Reedereien bringen die hohen Raten erhebliche Einnahmen. Für Raffinerien wächst hingegen das Risiko, dass sich die Verarbeitung trotz hoher Kraftstoffpreise nicht mehr lohnt. Steigen die Frachtraten weiter, könnten sie weniger Rohöl einkaufen und ihre Produktion drosseln. Der Transportengpass würde dann auch die Versorgung mit fertigen Kraftstoffen belasten.
Während Europas Gaspreise explodieren: Diese Konzerne profitieren von der Hormus-Krise
Trump verzichtet vorerst auf Angriff – Ölpreis sinkt leicht
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]