HALENSEE. Am Schöneberger Sachsendamm hatte ihnen Möbel-Krieger das Grundstück vor der Nase weggeschnappt, jetzt hat sich die österreichische Möbelgruppe XXXLutz ein anderes Areal ausgesucht: Auf dem früheren Güterbahnhof Halensee will der expandierende Möbelgigant gleich drei Warenhäuser bauen. Insgesamt 55 000 Quadratmeter Verkaufsfläche sollen entstehen - fast drei Mal so viel wie bei Ikea in Schöneberg.Das Gelände hat XXXLutz im Frühjahr von der Bahn-Immobilientochter Vivico gekauft. Zurzeit haben dort 29 mittelständische Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern ihren Sitz. Die Firmen haben bereits Auflösungsverträge zu 2007 unterschrieben - ansonsten hätte Vivico die Mietverhältnisse gekündigt. "Uns wurden unter anderem Ausweichquartiere in Nikolassee angeboten", sagt Autohändler Robert Richter. Das sei nicht akzeptabel - "selbst bei einem Umzug hier im Viertel verliert man 15 Prozent Kundschaft".Die Gewerbetreibenden haben sich zusammengeschlossen und machen gegen das Projekt mobil - ebenso die Aktionsgemeinschaft Bürgerbündnis, eine Vereinigung von sechs Bürgerinitiativen, die fast alle gegen Bauvorhaben auf einstigen Bahnarealen kämpfen. Auch Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) ist gegen die Möbelhäuser. "Das Ganze ist städtebaulich nicht vertretbar", sagt er. Die Verkaufsfläche würde ein Drittel der gesamten Ausstellungsfläche des Messegeländes ausmachen - "und das für monothematische Nutzung". Zudem seien Möbelhäuser optisch selten ansprechend - "sie sind ja meist fensterlos". Dem Kudamm täte das Bauvorhaben nicht gut.Doch der Baustadtrat entscheidet nicht, ob XXXLutz bauen darf - das Bezirksparlament muss ein Votum abgeben. Und dort scheiden sich die Geister: CDU und Grüne sind dagegen, SPD, FDP und PDS dafür. Sie hoffen unter anderem auf eine Aufwertung des westlichen Kudamms. SPD und PDS fordern allerdings, dass die Gewerbetreibenden nicht vertrieben werden. Die Sozialdemokraten wollen außerdem, dass die Verkehrsbelastung und die Auswirkungen auf regionale Einzelhändler genau untersucht werden. Die Entscheidung morgen im Bezirksparlament wird knapp: Zurzeit haben die Befürworter des Projekts nur eine Stimme mehr.Falls der Bezirk gegen das Projekt votiert, will der Senat das Verfahren an sich ziehen. Das hat Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) bereits klar gemacht. "Wir wollen große Möbelhäuser nicht an der Peripherie Berlins, sondern im Innenstadtbereich", sagt deren Sprecherin Petra Rohland. 55 000 Quadratmeter seien zwar viel Verkaufsfläche, aber ob damit Gewinn erzielt werden kann, sei Sache des Investors. Aufgabe des Senats sei es, im Gesamtinteresse der Stadt zu handeln - und das sei hier betroffen."Wenn der Senat tatsächlich eingreift, starten wir ein Bürgerbegehren", kündigt der Bürgerbündnis-Sprecher Heinz Murken an. Er glaube nicht, dass der Senat das im Wahljahr wolle. Schließlich kandidiere im Viertel ein ganz besonderer Sozialdemokrat - der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. XXXLutz war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.------------------------------Karte: Hier will XXXLutz seine Möbelhäuser bauen. Bislang besitzt das Unternehmen über 178 Häuser, zumeist in Österreich und Süddeutschland.
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