Nach all den Wortbrüchen der letzten Jahre ("Große Koalition - niemals! Mit der Linken - ausgeschlossen!") bemühen sich die Parteien nun um Wege, mehr Glaubwürdigkeit walten zu lassen. Also erklären Union und SPD, sie würden ohne Koalitionsaussage in den Bundestagswahlkampf ziehen. Aber wie glaubwürdig ist das denn? Angela Merkel erklärt zugleich landauf, landab, sie wolle mit der Westerwelle-FDP eine Regierung bilden. Franz Müntefering schwört auf Rot-Grün, allenfalls erweitert wiederum um die Westerwelle-FDP. Die Sache mit der Nicht-Koalitionsaussage ist also nur ein formaler Trick, damit die Parteien nicht wieder als Wortbrecher dastehen, sollten Wahlergebnisse andere als die Wunschbündnisse erfordern.Dabei wissen die Wähler längst, dass sie sich auf alles einstellen müssen, hat ihre Partei erst einmal einen Weg an die Macht entdeckt, der nur mit dem Gegner von gestern zu beschreiten ist. Wird die Volte gut erklärt, lassen die Wähler das durchgehen, wie zuletzt bei den Hamburger Grünen. Die wurden gewählt, um den CDU-Bürgermeister von Beust abzulösen, nun regieren sie mit ihm. Das kann man ebenso politikfähig nennen wie opportunistisch, es regt niemanden auf. Der SPD in Hessen ist eine ähnliche Operation mit der Linken gänzlich misslungen. Also halten sich die Parteien nun lieber gleich alle Optionen offen, ausgenommen das Schmuddelkind Linke, natürlich. Niemand weiß, wie der Wahlkampf im Krisenjahr 2009 laufen wird. Mag sein, dass die Sehnsucht der Wähler nach Stabilität, nach Fortsetzung der großen Koalition ruft. Da möchte man doch gewappnet sein.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]