Die Uhren sind zurückgestellt, um fünf ist es dunkel, und im Büro schnieft der halbe Flur. Höchste Zeit für den Topf, der in fast jeder deutschen Familie einen festen Platz hat: Hühnersuppe.
Trotzdem landet bei vielen am Ende eine graue, trübe Brühe im Teller. Schuld ist fast immer derselbe Fehler: Die Suppe sprudelt stundenlang vor sich hin.
Der häufigste Fehler: Die Brühe kocht zu stark
Sobald Hühnersuppe sprudelnd kocht, lösen sich Eiweiß und Fett aus dem Fleisch und verquirlen sich mit dem Wasser. Die Brühe wird milchig, und das lässt sich hinterher kaum noch reparieren.
Die Regel aus Omas Küche lautet deshalb: Die Suppe darf nur sieden. Kleine Bläschen am Rand, die Oberfläche bewegt sich kaum. Wer das drei Stunden durchhält, bekommt eine klare, goldene Brühe.
Genauso wichtig ist der Start. Das Huhn kommt in kaltes Wasser. So gibt es langsam Geschmack ab, und der graue Schaum steigt nach oben, wo man ihn bequem abschöpfen kann.
Der Zwiebel-Trick für die goldene Farbe
Die Farbe kommt nicht aus der Tüte, sondern aus der Pfanne. Eine ungeschälte Zwiebel wird halbiert und mit der Schnittfläche nach unten ohne Fett fast schwarz geröstet.
Was nach verbranntem Essen aussieht, färbt die Brühe goldbraun und gibt ihr eine leicht süßliche Tiefe. Die Schale bleibt dran, sie färbt mit.
Erst am Ende salzen
Drei Stunden leises Sieden kosten Flüssigkeit, die Brühe kocht spürbar ein. Wer gleich zu Beginn kräftig salzt, hat am Ende schnell eine zu salzige Suppe.
Besser: Salz erst nach dem Abseihen zugeben und in kleinen Schritten abschmecken. Zwei Teelöffel sind für drei Liter ein guter Startwert.
Suppenhuhn oder Hähnchen?
Für eine echte Hühnersuppe führt kein Weg am Suppenhuhn vorbei. Das sind ältere Legehennen mit kräftigem Fleisch, viel Bindegewebe und Fett. Genau daraus entsteht der volle Geschmack.
Ein Brathähnchen ist nach gut einer Stunde gar, liefert aber eine deutlich dünnere Brühe. Wer es eilig hat, nimmt Hähnchenschenkel mit Haut und Knochen als Kompromiss. Suppenhühner gibt es meist tiefgekühlt im Supermarkt oder frisch beim Geflügelhändler auf dem Wochenmarkt.
Hühnersuppe: Zutaten für 6 Portionen
Für die Brühe:
- 1 Suppenhuhn (ca. 1,5 kg)
- 3 Liter kaltes Wasser
- 2 Zwiebeln
- 3 Möhren
- 200 g Knollensellerie
- 1 Petersilienwurzel (alternativ Pastinake)
- 1 Stange Lauch
- ½ Bund glatte Petersilie
- 2 Lorbeerblätter
- 1 TL schwarze Pfefferkörner
- 3 Pimentkörner
- ca. 2 TL Salz (erst am Ende)
Für die Einlage:
- 2 Möhren
- 100 g Knollensellerie
- 150 g Suppennudeln
- frische Petersilie zum Bestreuen
Zubereitungszeit: rund 3,5 Stunden, davon etwa 30 Minuten aktive Arbeit.
Schritt für Schritt: So gelingt die Hühnersuppe
1. Huhn aufsetzen: Das Suppenhuhn kalt abspülen, in einen großen Topf legen und mit 3 Litern kaltem Wasser bedecken. Langsam bei mittlerer Hitze erhitzen.
2. Abschäumen: Kurz bevor das Wasser siedet, steigt grauer Schaum auf. Ihn mit einer Schaumkelle abnehmen, bis die Oberfläche sauber bleibt. Dann die Hitze herunterdrehen.
3. Zwiebel rösten: Eine Zwiebel mit Schale halbieren und in einer Pfanne ohne Fett auf der Schnittfläche dunkel rösten. Die zweite Zwiebel schälen und vierteln.
4. Gemüse dazugeben: Möhren, Sellerie, Petersilienwurzel und Lauch grob schneiden. Mit beiden Zwiebeln, den Petersilienstielen, Lorbeer, Pfeffer und Piment in den Topf geben.
5. Sieden lassen: Die Suppe halb zugedeckt 2,5 bis 3 Stunden nur leise sieden lassen. Das Huhn ist fertig, wenn sich das Fleisch leicht vom Knochen löst.
6. Abseihen und entfetten: Huhn herausnehmen, die Brühe durch ein feines Sieb gießen. Das Fett, das oben schwimmt, mit einer Kelle abschöpfen. Das ausgekochte Gemüse hat seinen Geschmack abgegeben und landet im Biomüll.
7. Salzen und Einlage garen: Die Brühe jetzt mit Salz abschmecken. Frische Möhren und Sellerie würfeln und darin rund zehn Minuten garen. Nudeln nach Packungsangabe separat kochen.
8. Servieren: Das Fleisch von Haut und Knochen lösen, zerzupfen und zurück in die Suppe geben. Nudeln in die Teller verteilen, mit Brühe auffüllen und mit gehackter Petersilie bestreuen.
Warum die Nudeln extra gekocht werden
Nudeln geben beim Kochen Stärke ab und machen die mühsam geklärte Brühe wieder trüb. Bleibt Suppe übrig, saugen sie sich über Nacht außerdem voll und zerfallen.
Separat gekocht kommen sie erst im Teller dazu. Die Brühe bleibt klar und hält sich länger.
Hilft Hühnersuppe wirklich bei Erkältung?
Ganz ohne Grundlage ist das Hausmittel nicht. Der Lungenmediziner Stephen Rennard vom University of Nebraska Medical Center untersuchte im Labor eine Hühnersuppe nach einem Familienrezept seiner Frau. Laut einer Mitteilung der Universität bremste die Suppe die Bewegung bestimmter weißer Blutkörperchen, die an Entzündungen in den Atemwegen beteiligt sind.
Veröffentlicht wurde die Untersuchung im Jahr 2000 in der Fachzeitschrift Chest, wie ScienceDaily damals berichtete. Der Haken: Das Ergebnis stammt aus dem Reagenzglas. Ob die Suppe im Körper genauso wirkt, ist bis heute nicht belegt.
Unbestritten ist der praktische Nutzen. Wer erkältet ist, trinkt oft zu wenig, und eine heiße, salzige Brühe geht auch dann noch, wenn der Appetit fehlt. Der Dampf über dem Teller tut verstopften Nasen zusätzlich gut.
Ein Medikament ist Hühnersuppe trotzdem nicht. Bei hohem Fieber oder wenn die Beschwerden nach einigen Tagen nicht besser werden, gehört der Gang zur Hausarztpraxis dazu.
Hühnersuppe aufbewahren und einfrieren
Die Brühe nach dem Kochen zügig abkühlen lassen und in den Kühlschrank stellen. Dort hält sie sich gut verschlossen etwa drei Tage. Restfett setzt sich als feste Schicht oben ab und lässt sich mit einem Löffel abheben.
Noch praktischer ist der Vorrat im Gefrierfach. Portionsweise eingefroren hält die Brühe mehrere Monate. Beim nächsten Schnupfen steht die Suppe dann in zehn Minuten auf dem Tisch.
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