Oskar Lafontaine will noch einmal Ministerpräsident werden, sagt er - und hat doch anderes im Sinn

Neuer Anlauf nach altem Rezept

Gerold Büchner
3 Min

Der Satz stammt von Oskar Lafontaine, und er hat ihn gleichsam mitgenommen von seiner alten in die neue Partei. "Wenn wir selbst begeistert sind, können wir auch andere begeistern" - mit diesen Worten riss der damalige Ministerpräsident des Saarlandes vor bald 13 Jahren den Mannheimer SPD-Parteitag von den Stühlen und Rudolf Scharping den Vorsitz der Sozialdemokratie aus den Händen. Lafontaine erhob damit die Form über den Inhalt, stellte politische Leidenschaft über programmatische Inhalte.Dabei ist er auch in der Linken geblieben, wie jetzt wieder bei deren Parteitag an der Saar zu besichtigen war. Er redete sich in Rage, über die gesamte politische Konkurrenz und deren Unfähigkeit. Er sprach vom "Betrug am Volk" durch Reformen und verlangte mehr soziale Gerechtigkeit. Begeisterung löst Lafontaine, zumal unter den eigenen Anhängern, mit solchen Sätzen noch immer aus und hat folgerichtig die Kandidatur für sein früheres Amt als Ministerpräsident übertragen bekommen. "Er kann's" hieß es in leisem Anklang an Barack Obama auf einem Parteitagsplakat der Linken. Mit Überzeugungen und Überzeugen hat diese Politik der Pose wenig zu tun.Darüber kann auch die Faszination nicht hinwegtäuschen, die Lafontaine nach wie vor auf einen Teil der Saarländer ausübt. Rund 20 Prozent für die Linke in Umfragen, das ist beachtlich. Als Regierungschef aber kam er auf weit höhere Zustimmungswerte und ein Wahlergebnis von über 54 Prozent. Das heißt: Trotz großer Anstrengung und viel Rummel um seine Person ist die Fangemeinde Lafontaines, den in seiner Heimat alle nur Oskar nennen, auf ein Drittel geschrumpft. Und selbst bei denen, die sich begeistern lassen, schwingt mehr Nostalgie mit als politischer Zukunftsglaube.Das übrigens verbindet Lafontaine mit der frühen PDS, bevor sich dort ein nüchterner, pragmatischer Politikstil durchsetzte. An der Saar rekurriert er auf die Gefühle, die im Osten einst die Wahlerfolge der Linken begründeten: Regionalstolz in Verbindung mit Frust über mangelnde Größe und Anerkennung, Sehnsucht nach einem Zurück in bessere Zeiten, Misstrauen gegen "die da oben" und die Politik ganz allgemein. Ausgerechnet Lafontaine, der mit der deutschen Einheit fremdelte und im Osten unverändert auf Vorbehalte stößt, setzt im Saarland auf die einstigen Rezepte der Regionalpartei PDS.Da diese sich aber weiter entwickelt hat, stoßen die unterschiedlichen Konzepte des Vorsitzenden und seiner Partei ab und zu krachend aufeinander - sei es wegen Regierungsbeteiligung oder wegen Kinderbetreuung. Die erste Frage ist vertagt, die zweite nur notdürftig unter den Teppich gekehrt. Auch das zeigte der Saar-Parteitag: Die Linke schwankt zwischen dem Anspruch auf Gestaltung und völlig unrealistischen Forderungen. Das in Neunkirchen beschlossene Erziehungsgeld allein würde nach ihren Berechnungen 50 Milliarden Euro kosten. Kein ernsthafter Politiker, egal welcher Partei, kann ein solches Hirngespinst gutheißen.Der absurde, die Linke vermutlich noch sehr belastende Beschluss zur Familienpolitik deutet darauf hin, wie wenig ernst es Lafontaine mit seiner Rückkehr an die Saar meint. Nachdem die SPD klargestellt hat, ihn auf keinen Fall zum Regierungschef zu wählen, hat er keinerlei Aussicht auf seinen früheren Posten. Er sollte und wird froh darüber sein, denn nichts wäre schwieriger und peinlicher, als beweisen zu müssen, dass er es - noch - kann. Lafontaine geht es um anderes mit seiner Kandidatur: Sicher will er, wie es oft heißt, Rache nehmen an der SPD und Recht behalten. Vor allem aber will er, wie einst in Mannheim, zeigen, dass er unentbehrlich ist für seine Partei, in der ihn einige gerne 2010 mit 67 in Rente schicken würden.

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