Nach politischen Umbrüchen, wirtschaftlichem Niedergang und einer Ära des Vergessens erleben viele Reiseziele in Osteuropa heute eine neue Blüte.
Osteuropas Grandhotels sind mehr als gute Adressen: Zwischen Prag, Budapest, Riga und Siebenbürgen liegen versteckte Juwelen, in denen historische Substanz auf zeitgenössischen Komfort trifft.
Ihre Pforten eröffnen einen Blick hinter die Gemäuer ehemaliger Klöster, Paläste, Jugendstilsalons und Landsitze, deren Fassaden die Geschichte des Kontinents erzählen.
Mandarin Oriental Prague
Hier lässt sich stilvoll nächtigen: im Mandarin Oriental Prague
© Mandarin Oriental Prague
Hinter den stillen Mauern im Stadtteil Malá Strana verbirgt sich ein ehemaliges Dominikanerkloster aus dem 14. Jahrhundert. Barocke Gewölbe, freigelegte Balken und alte Parkettböden geben den Zimmern jene wohltuende Unregelmäßigkeit, die kein noch so guter Neubau imitieren kann.
Die schönste Überraschung wartet im Spa: Es umfasst eine frühere Renaissance-Kapelle, unter deren Glasboden die gotischen Mauern der Kirche St. Maria Magdalena sichtbar bleiben. Ein Refugium, das so einfühlsam wie spektakulär an Prags wechselvolle Geschichte erinnert.
Nebovidská 459/1 Prag-Malá Strana, Tschechien Zimmer ab ca. 260 Euro pro Nacht
W Prague
Wachgeküsst: Das W Prague wurde renoviert und erstrahlt in neuem Glanz.
© Jiri Lizler
Die amerikanische W Gruppe hat eine der großen Prager Jugendstil-Ikonen wiederbelebt: das legendäre Grand Hotel Evropa am Wenzelsplatz. Die Fassade entstand zwischen 1903 und 1905, als der Platz das schillernde Schaufenster einer aufstrebenden K.u.k.-Metropole war. Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf und aufwendiger Sanierung kehrte das Haus Ende 2024 als erstes W Hotel Tschechiens zurück.
Hinter der an Wes Anderson erinnernden Fassade trifft Art Nouveau auf die selbstbewusste W-Ästhetik: opulente Tapeten, salbeifarbene Samtsessel und eine Rooftop-Bar über Prags Dächern. Ein wenig dekadent – und genau deshalb richtig.
Václavské náměstí 826/25 Prag, Tschechien Zimmer ab ca. 245 Euro pro Nacht
Hotel Verte Warsaw
Das Hotel Verte in Warschau ist eine echte Architekturschatzkiste.
© Hotel Verte Warsaw
Das Hotel Verte bewohnt keinen bloßen Palast, sondern ein Stück wiedergewonnenes Warschau: den barocken Branicki- und Szaniawski-Palast aus dem 18. Jahrhundert. Im Zweiten Weltkrieg fast zerstört, wurde er in den 1950ern anhand von Veduten Canalettos rekonstruiert – ein seltenes Beispiel dafür, wie große Malerei sogar Architektur zurück ins Leben holen kann.
Heute kontrastieren Rokokodetails und Capriccio-Ornamentik mit einer entspannten, zeitgenössischen Handschrift. Drei Innenhöfe, ein versteckter Garten und 94 Zimmer schaffen nahe Königsschloss und Altstadt eine fast private Welt.
Podwale 3/5 Warschau, Polen Zimmer ab ca. 160 Euro pro Nacht
Grand Hotel Łódz
Das Grand Hotel Łódź vereint das schöne historische Gemäuer mit modernstem Interieur.
© Grand Hotel Łódź
Das Grand Hotel Łódź liegt an der historischen Piotrkowska-Straße, dem einstigen Zentrum der Textilibranche in Łódź. Es hat Industriekapitäne, Theaterensembles, Filmstars und die bewegte Geschichte der Stadt erlebt. Sogar ein historischer Theatersaal gehört zu dem Haus. In einer Stadt, die heute nicht zufällig den Titel „Unesco Creative City of Film“ trägt.
Nach der umfassenden Restaurierung und Wiedereröffnung 2023 zeigt das Grand Hotel Łódź seine Geschichte wieder in allen Details: Stuckdecken und Fresken aus dem 19. Jahrhundert, dunkles Holz, patiniertes Messing und Naturstein rahmen die hohen Salons des Hauses, die heute durch ein Spa mit Pool und komfortable Kaldewei-Bäder ergänzt werden.
Ul. Piotrkowska 72 Łódź, Polen Zimmer ab ca. 125 Euro pro Nacht
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Four Seasons Hotel Gresham Palace Budapest
Das Gresham Palace ist Budapest wartet mit Jugendstil-Opulenz auf.
© Four Seasons Hotel Gresham Palace Budapest
Das Gresham Palace ist Budapest in seiner glamourösesten Form: ein Jugendstilpalast von 1906, direkt am Fuß der Széchenyi-Kettenbrücke und mit Blick auf Donau, Burgberg und Fischerbastei. Einst Sitz der Gresham Life Insurance Company, wurde das Gebäude nach Restaurierung 2004 als Four Seasons wiedereröffnet.
Schon die Ankunft hat Opernqualität: Durch kunstvolle Pfauentore führt der Weg in eine Lobby mit funkelndem Buntglas, Kronleuchtern und mehr als zwei Millionen Mosaiksteinen. Das Michelin-empfohlene Kollász serviert französische Brasserie-Klassiker und ungarische Produkte, während die Músza Bar asiatische Delikatessen und Afternoon Tea auf handbemaltem Herend-Porzellan zelebriert.
Széchenyi István tér 5-6 Budapest, Ungarn Zimmer ab ca. 340 Euro pro Nacht
Grand Hotel Kempinski High Tatras
Malerisch gelegen: das Grand Hotel Kempinski High Tatras
© Grand Hotel Kempinski High Tatras
Am Ufer des Gletschersees Štrbské Pleso liegt das Grand Hotel Kempinski High Tatras wie eine elegante Erinnerung an die große Zeit der Bergkuren. Drei miteinander verbundene historische Gebäude – Jánošík von 1893, Kriváň von 1906 und Hviezdoslav von 1923 – vereinen Belle Époque, Sezession und den Geist der 1920er-Jahre.
Drinnen wärmen Holz, üppige Stoffe und Kamine, draußen spiegeln sich die Berggipfel der Hohen Tatra im Wasser. Im liebevoll restaurierten Grand Restaurant kommen regionale Produkte, internationale Klassiker und moderne Interpretationen der slowakischen Küche auf den Tisch. Nach Wanderung, Langlauf oder Abfahrten ist das Spa mit Blick auf See und Gebirge der richtige Ort für einen langsamen Spätnachmittag.
Kúpeľná 6 Štrbské Pleso, Slowakei Zimmer ab ca. 270 Euro pro Nacht.
Grand Hotel Kempinski Riga
Die große, klassische Adresse der Stadt: Das Grand Hotel Kempinski Riga.
© Grand Hotel Kempinski Riga
Das Grand Hotel Kempinski Riga residiert gegenüber der Lettischen Nationaloper und ist die große, klassische Adresse der Stadt. Das historische Gebäude verbindet Belle-Époque-Flair mit weiten Blickachsen auf die umliegenden Parks, die Altstadt und das Opernhaus.
Besonders schön ist das Stage22 im obersten Stock: Restaurant und Bar servieren moderne Küche und Cocktails über den Dächern Rigas, mit Logenblick auf die Oper und die kupfernen Türme der Stadt. Auch das Amber Restaurant setzt auf elegante europäische Küche und Afternoon Tea. Vor der Tür beginnt Riga in seiner ganzen Vielfalt: Jugendstilfassaden, Markthallen, Kanäle und kopfsteingepflasterte Gassen liegen alle in angenehmer Spazierdistanz.
Aspazijas bulvāris 22 Riga, Lettland Zimmer ab ca. 160 Euro pro Nacht
Radisson Collection Astorija Hotel
Entspannen will gelernt sein: Im Radisson Collection Astorija Hotel gehen wir gerne pauken.
© Radisson Collection Astorija Hotel
Am Rathausplatz von Vilnius verbindet das Astorija die Grandezza der Jahrhundertwende mit der entspannten Eleganz eines modernen Stadthotels. Das 1901 eröffnete Haus erlebte Zarenzeit, Jahrzehnte der Sowjetherrschaft und die neue Unabhängigkeit Litauens – und empfing dabei Royals, Staatsgäste und sogar US-Präsident George W. Bush.
Heute mischen sich in der historische Architektur sorgfältig gesetzte lokale Akzente: Tapeten zitieren die Wandteppiche des Großfürstlichen Palasts, das Spa taucht eine Onyxwand in warmes Licht. Ein besonders schöner Ausgangspunkt für die vielschichtige Altstadt, die direkt vor der Tür beginnt.
Didžioji g. 35 Vilnius, Litauen Zimmer ab ca. 140 Euro pro Nacht
Bethlen Estates Transylvania
Für Reisende, die Stille und Natur schätzen: das Bethlen Estates Transylvania.
© Philip Vile
Bethlen Estates Transylvania im rumänischen Dorf Criș ist ein Haus für Reisende, die Stille und Natur schätzen. Die teils über 300 Jahre alten Gebäude wurden von lokalen Handwerkern restauriert; handgeschmiedete Beschläge, regionale Keramik und Schreinerarbeiten erzählen von der Kultur Siebenbürgens.
Nach einer Wanderung durch Eichenwälder und Wildblumenwiesen wartet im Depner House ein Sofa am offenen Feuer, während das Caretaker’s House mit beheiztem Pool und Privatsauna überrascht. Das Anwesen ist in guter Gesellschaft: König Charles III. engagiert sich seit Jahrzehnten für den Schutz der einzigartigen Natur, historischen Dörfer und traditionellen Lebensweise Siebenbürgens und besitzt dort auch eigene Häuser.
Strada Principală 176 Criș, Rumänien Zimmer ab ca. 300 Eur0 pro Nacht
Corinthia Grand Hotel Du Boulevard Bukarest
Bukarest mit Aussicht: Von der Wanne im Corinthia Grand Hotel Du Boulevard blickt man auf die Stadt.
© Corinthia Grand Hotel Du Boulevard Bukarest
An der glanzvollen Kreuzung von Calea Victoriei und Bulevardul Regina Elisabeta hat Corinthia einem großen Namen der Bukarester Belle Époque neues Leben eingehaucht: dem Grand Hôtel du Boulevard. Seine Anfänge reichen bis 1873 zurück; heute wurde der historische Bau als intimes All-Suite-Hotel mit nur 30 Suiten neu interpretiert.
Vergoldete Details, restaurierte Salons und ein Theater machen das Haus zur eleganten Gegenwelt des lebhaften Stadtzentrums. Kulinarisch wird es mondän: Im früheren Ballsaal verbindet Boulevard 73 französische und rumänische Küche, während Sass’ Restaurant & Lounge modernen Riviera-Glamour mit Sharing-Gerichten, Musik und langen Nächten nach Bukarest bringt. Für den Aperitif empfiehlt sich die Heritage Bar – Kamin, rare Whiskys und Cocktails mit lokaler Geschichte. Parlamentspalast, CişmigiuPark und Rumänisches Athenäum liegen in Spazierdistanz.
Bulevardul Regina Elisabeta 21 Bukarest, Rumänien Zimmer ab ca. 304 € pro Nacht
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