Die US-Armee hat der Palantir-Tochter Palantir USG einen Auftrag im Wert von 48,1 Millionen US-Dollar für eine neue Software zur Munitionsverwaltung erteilt. Das teilte die Streitkraft in einer Bekanntmachung mit, über die das Fachmedium Defense News am Donnerstag berichtete. Die Vergabe erfolgte demnach am 17. September.
Die Plattform soll neun bislang getrennt betriebene Systeme der Armee ablösen und die Munition über den gesamten Lebenszyklus erfassen – von Planung, Produktion und Beschaffung über Lagerung und Überwachung bis zu Verteilung, Verbrauch und Aussonderung.
Ziel sei ein einheitlicher, verbindlicher Überblick über sämtliche Munitionsbestände und -prozesse, teilte die Armee mit. Zu den abzulösenden Systemen zählen laut Mitteilung unter anderem das modernisierte zentrale Verwaltungssystem für Standardmunition sowie Systeme zur Lebenszyklusverwaltung von Raketen, Flugkörpern und Startsystemen.
Auswahl in sechs Wochen
Nach den Angaben des Militärs setzte sich Palantir in einem dreistufigen Wettbewerbsverfahren innerhalb von sechs Wochen gegen Mitbewerber durch. Bewertet wurden unter anderem die Zusammenführung von Daten aus unterschiedlichen Altsystemen, belastbare Planungs- und Prognosemodelle sowie die Nutzbarkeit für Einsatzkräfte in Umgebungen mit geringer oder unterbrochener Netzverbindung.
Der Vertrag sieht eine zwölfmonatige Grundlaufzeit für Entwicklung und Einführung vor sowie bis zu fünf optionale Jahre für Betrieb und Weiterentwicklung. Damit reagiert die Armee nach eigener Darstellung auf Schwächen der bisherigen Abläufe in der Munitionsverwaltung.
Das armee-eigene Journal Line of Departure hatte im März auf ungenaue Bedarfsprognosen und voneinander abgeschottete digitale Systeme hingewiesen. Bedarfsschätzungen beruhten häufig auf Annahmen und historischen Werten statt auf dem tatsächlichen Verbrauch.
Palantir: Geschäfte in den USA
Palantir ist auf die Auswertung großer Datenmengen spezialisiert und arbeitet nach eigenen Angaben mit US-Sicherheitsbehörden, dem Verteidigungsministerium und dem Heimatschutzministerium zusammen.
Zu den bekannten Produkten zählt das KI-gestützte Maven Smart System, das Aufklärungsdaten für militärische Entscheidungen aufbereitet. Im vergangenen Quartal steigerte das Unternehmen seinen Umsatz nach eigenen Angaben um 93 Prozent auf rund 1,94 Milliarden Dollar. Das Geschäft mit US-Regierungsbehörden wuchs demnach um 90 Prozent auf 809 Millionen Dollar.
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Palantir wurde 2003 gegründet und erhielt in den ersten Jahren rund zwei Millionen Dollar von In-Q-Tel, dem Risikokapitalarm des US-Auslandsgeheimdienstes CIA. Nach eigenen Angaben macht das Unternehmen keine Geschäfte mit Ländern, die den USA feindlich gesinnt seien, darunter Russland und China. Die Software soll auch das ukrainische Militär im Krieg gegen Russland sowie die israelische Armee unterstützen.
Kritik an Überwachung
Das Unternehmen ist börsennotiert, doch die Gründer Alexander Karp, Stephen Cohen und Peter Thiel sichern sich über Sonderstimmrechte gemeinsam weitreichende Kontrolle. Thiel ist Mitgründer und Verwaltungsratschef.
Kritiker werfen Palantir vor, mit seinen Analyseplattformen umfangreiche staatliche Datenbestände zusammenzuführen und damit Überwachung sowie die Arbeit der US-Einwanderungsbehörde ICE zu erleichtern.
Thiel zählte 2016 zu den prominentesten Unterstützern Donald Trumps im Silicon Valley und gab 1,25 Millionen Dollar für dessen Wahlkampf. Noch enger ist seine Verbindung zu JD Vance: Dessen Senatskandidatur unterstützte er 2022 über ein sogenanntes Super-PAC mit 15 Millionen Dollar.
Anwendung tödlicher Gewalt
Firmenchef Karp verteidigte die militärische Ausrichtung des Unternehmens in einem Porträt der New York Times im August 2024. Karp bezeichnete die Arbeit als moralisch komplex und sagte, er schäme sich nicht dafür, dass Palantir zur Tötung von Feinden beigetragen habe.
Das Maven Smart System spielte auch eine Rolle beim US-israelischen Angriff auf den Iran. Am 28. Februar trafen zwei US-Marschflugkörper eine Grundschule im südiranischen Minab. Nach Angaben einer vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzten Untersuchungskommission starben mehr als 150 Menschen, darunter rund 120 Kinder.
Das Gelände war laut Bloomberg in einer überholten militärischen Datenbank als Einrichtung der iranischen Revolutionsgarden geführt und über Maven auf die Zielliste gelangt. Palantir wies eine Mitverantwortung für den Angriff zurück.
Skandal in Großbritannien
In Großbritannien stand Palantir Anfang des Jahres im Zentrum politischer Auseinandersetzungen. Nach der Veröffentlichung von Millionen Seiten aus dem Epstein-Komplex sorgte der frühere britische Botschafter in den USA, Peter Mandelson, für eine Regierungskrise.
Mandelson ist Mitbegründer der Lobbyfirma Global Counsel, die Palantir seit 2018 vertrat und den Konzern bei Vergaben britischer Regierungsaufträge unterstützt haben soll. Als Botschafter arrangierte Mandelson 2025 in Washington ein Treffen zwischen Premierminister Keir Starmer und Palantir-Chef Karp, das zunächst nicht im offiziellen Terminkalender auftauchte.
Im Dezember 2025 schloss das britische Verteidigungsministerium einen Vertrag über 240 Millionen Pfund mit Palantir für Datenanalyse-Software zur Unterstützung militärischer Entscheidungen.
Bundeswehr zurückhaltend
In Deutschland setzen mehrere Landespolizeien modifizierte Versionen von Palantir-Software ein, darunter Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Dort läuft zugleich eine Ausschreibung für Ermittlungssoftware.
Der Inspekteur des Cyber- und Informationsraums der Bundeswehr, Vizeadmiral Thomas Daum, sagte dem Handelsblatt, er sehe einen Einsatz von Palantir-Software beim Aufbau einer militärischen Cloud „momentan überhaupt nicht“. Das Unternehmen erfülle dafür bestimmte Voraussetzungen nicht. Die Palantir-Software „Maven“ wird in der Nato genutzt und dort von Nato-Personal betrieben.
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