Fußball

Parallelwelten im Ost-Fußball: RB Leipzig kassiert Rekordsumme, der Rest spart

Während RB Leipzig mit dem Diomande-Deal 125 Millionen Euro kassiert, müssen Dresden, Magdeburg und Cottbus kreativ sein. Ein Blick auf den Transfersommer.

Michael Jahn
5 Min
Dynamo Dresdens Sportchef Sören Gonther hat im Sommer spannende Transfers getätigt.

Dynamo Dresdens Sportchef Sören Gonther hat im Sommer spannende Transfers getätigt.

© Sportfoto Zink/Imago

125 Millionen Euro! Eine unvorstellbare Summe! Was könnte man mit solch einem riesengroßen Batzen Geld nicht alles Gutes tun, was nicht alles anstellen? Diese horrende Ablöse jedenfalls hat der Bundesligist RB Leipzig für den Verkauf des erst 19-jährigen Profis Yan Diomande kassiert.

Der 14-malige Nationalspieler der Elfenbeinküste, auch Teilnehmer und Gegner der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im Sommer in den USA, Kanada und Mexiko, wechselte nach nur einem Jahr in Leipzig, in dem er die Fans oft verzückte, zum königlichen Klub Real Madrid und hat dort bereits seine ersten Minuten absolviert.

Der Profifußball lebt in einer Parallelwelt

Diese 125 Millionen Euro sind die mit Abstand höchste Summe, die im Sommertransferfenster im deutschen Fußball bewegt wurde. Der blitzschnelle, trickreiche Diomande ist nun der nächste Fußballer weltweit, für den mehr als 100 Millionen Euro an Ablöse gezahlt wurden. Der Fußballanhänger, der für stattliche Eintrittspreise die Stadien füllt, kann solche astronomischen Summen für einen Profi längst nicht mehr fassen, nicht mehr begreifen. Der Profifußball aber lebt in einer Parallelwelt.

Nun zählt auch RB Leipzig, geografisch gesehen, zu den Ost-Klubs, doch die Traditionsvereine von Magdeburg über Dresden bis zu Jena und Erfurt zählen den einstigen Retortenklub nicht unbedingt zu ihresgleichen. Mit der guten Arbeit, die bei RB geleistet und anerkannt wird, hat das nichts zu tun. RB hat laut transfermarkt.de auf der Einnahmenseite in dieser Wechselperiode 172,75 Millionen Euro verzeichnet, bei rund 50 Millionen gezahlten Ablösesummen.

Das wirtschaftliche Gefälle zwischen Erster und Zweiter Bundesliga ist gewaltig, und die Ost-Vereine gehören zu den finanziell schwächeren Vertretern. Aber Dynamo Dresden, der 1. FC Magdeburg und auch Aufsteiger Energie Cottbus haben sich auf dem Transfermarkt gut geschlagen und mit ihren begrenzten Möglichkeiten Verstärkungen an Land gezogen.

Fakt ist, dass dieses Trio in der Zweiten Liga relativ wenig Geld auf dem Transfermarkt investiert und vor allem auf ablösefreie Profis und auf Leihgeschäfte gesetzt hat. Viel Kreativität und Überzeugungskraft sowie das Bieten eines Umfelds, in dem sich Spieler samt Familie wohlfühlen, waren nötig, um starke Kicker verpflichten zu können. Aber auch bei diesen Vereinen ist für die Profis natürlich gutes Geld zu verdienen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Dynamo Dresden und der 1. FC Magdeburg setzten mit ihren engagierten Sportchefs Sören Gonther und Peer Jaekel auf eine ähnliche Strategie auf dem Spielermarkt. Sie versuchten, so früh wie möglich ihr Personal zusammen zu haben, was auch gelang. Die Magdeburger zahlten insgesamt eine im Vergleich zu Teams wie dem VfL Wolfsburg nur geringe Ablöse für Tony Reitz (Borussia Dortmund II) und Moritz-Broni Kwarteng (VfL Bochum).

Zuletzt liehen sie noch zwei vielversprechende junge Profis aus: den 1,90 Meter großen Mittelstürmer Roko Simic (22, zuvor Cardiff City) und Felipe Chavez (19) vom FC Bayern München, wobei der 1. FCM eine Kaufoption auf das Talent besitzt.

Dass Magdeburg in der Lage ist, den Deutsch-Peruaner an die Elbe zu locken, ist auch ein Zeichen an die Konkurrenz, die in diesem Fall ausgestochen wurde. Genauso wichtig wie diese Transfers waren zuvor die viel beachteten Vertragsverlängerungen mit den beiden Unterschiedsspielern Mateusz Zukowski und Baris Atik.

Vielversprechendes Talent für den 1. FC Mageburg: Stürmer Roko Simic

Vielversprechendes Talent für den 1. FC Mageburg: Stürmer Roko Simic

© Yannis Dreimann/HMB Media/Imago

Dynamo Dresden gab schon etwas mehr aus, nahm durch Verkäufe aber auch Geld in Millionenhöhe ein. Eine eher seltene Variante bevorzugte Dynamo: Gleich vier Profis, die in der Winterpause 2025/26, als man auf dem letzten Tabellenplatz in akuter Abstiegsgefahr schwebte, von anderen Klubs ausgeliehen waren und die danach großen Anteil am Klassenerhalt besaßen, konnten fest verpflichtet werden.

Robert Wagner (SC Freiburg), Ben Bobzien (Mainz 05), Thomas Keller (1. FC Heidenheim) und Jonas Sterner (Hannover 96) sorgten mit dafür, dass Dresden die viertbeste Mannschaft der Rückrunde stellte. Nun bilden diese Profis, die von Erstligisten kamen, das Gerüst der Dresdner.

Energie Cottbus will wichtige Adresse für Talente sein

Die wirtschaftlich schwächste Mannschaft der Ost-Klubs in Liga zwei ist Aufsteiger Energie Cottbus, der sich personell neu aufstellen musste, weil nicht alle Aufstiegshelden den Sprung in die höhere Liga schafften. Hohe Ablösesummen mussten nicht gezahlt werden, der Fokus lag auf preiswerten Lösungen und Leihgeschäften. Der „Königstransfer“ – Leonardo Bittencourt – kam ablösefrei von Werder Bremen.

Energie will sich auch als wichtige Adresse für Talente etablieren, die in Cottbus „geparkt“ werden und sich dort entwickeln können. So kamen etwa die beiden 19-Jährigen Dmytro Bogdanow (1. FC Union Berlin) und Luca Erlein (Bayer Leverkusen) als Leihspieler in den Kader von Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz.

Nach dem Ende der Sommertransferphase startet die Saison für die Vereine an diesem Wochenende quasi noch einmal neu. Veränderungen am Kader können nun nur noch mit vertragslosen Spielern vorgenommen werden. Im Großen und Ganzen aber können sich die Vereine in den kommenden Wochen endgültig an der Qualität ihrer Transfers messen lassen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner