Paula Löber hat die Wahl zur 78. Deutschen Weinkönigin gewonnen. Die 29-Jährige aus dem Anbaugebiet Saale-Unstrut in Sachsen-Anhalt setzte sich am Freitagabend im Finale in Neustadt an der Weinstraße gegen vier Mitbewerberinnen durch.
Von ihrer Vorgängerin Anna Zenz aus dem Anbaugebiet Mosel bekam sie die Krone überreicht, während Konfetti auf die Bühne rieselte. Für ihre Heimat ist das ein seltener Erfolg: Nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) ist es erst der zweite Titel für Saale-Unstrut überhaupt. Ein Jahr lang vertritt die Projektmanagerin nun die deutsche Weinbranche mit ihren rund 14.000 Betrieben – im Inland und im Ausland.
Wer ist die neue Deutsche Weinkönigin Paula Löber?
„Es ist unbeschreiblich“, sagte Löber unmittelbar nach ihrer Krönung der Deutschen Presse-Agentur. „Ich weiß gerade gar nicht, was in meinem Kopf los ist, aber es ist ganz, ganz, ganz viel Freude. Wahnsinn, was man alles erreichen kann.“ Die 29-Jährige arbeitet als Projektmanagerin bei Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien und war im zurückliegenden Jahr bereits Gebietsweinkönigin von Saale-Unstrut. Auch beim feierlichen Ritterschlag und der Aufnahme in die Weinbruderschaft durch Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) in Magdeburg war sie anwesend.
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Schon vor dem Finale hatte sie den Rückhalt aus der Region betont: „Ich hatte und habe so viel Unterstützung um mich herum. Eine ganze Region, die mir den Rücken stärkt.“
Wie das Finale in Neustadt ablief
Fünf Kandidatinnen traten im Saalbau in Neustadt an. Vor Hunderten Gästen mussten sie unter anderem Weine bei einer Blindverkostung erkennen und in weinbezogenen Bühnenspielen ihre Schlagfertigkeit zeigen.
Zu Weinprinzessinnen wählten Jury und Publikum Kathrin Knierim (27) aus Rheinhessen und Natalie Schäfter (25) aus Württemberg. Im Finale unterlagen außerdem Anna Cölsch (21) aus der Pfalz und Lena Roie (32) aus dem Rheingau. Zuvor hatten sich die Finalistinnen in einem Vorentscheid gegen fünf Kandidatinnen und einen Kandidaten aus weiteren Gebieten durchgesetzt.
Laut DWI ist Löbers Sieg erst der zweite Titelgewinn für Saale-Unstrut in der Geschichte der Wahl. Zuletzt hatte die Region die Wahl nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur 1993 mit Sandra Hake gewonnen. Weinbaupräsident Andreas Clauß datierte diesen bisher einzigen Erfolg auf 1994: „Nach 1994, damals Sandra Hake als erste Deutsche Weinkönigin von Saale-Unstrut … wäre es schon einmal wieder an der Zeit, dass wir ganz vorne landen.“ Hake wurde im Herbst 1993 gewählt, ihre Amtszeit reichte ins Folgejahr.
Die neue Deutsche Weinkönigin Paula Löber (mitte) mit den Weinprinzessinnen Kathrin Knierim (l, Rheinhessen) und Natalie Schäfter (Württemberg).
© Uwe Anspach/dpa
Jubel in der Weinregion Saale-Unstrut
Saale-Unstrut ist nach DWI-Angaben das nördlichste Qualitätsweinanbaugebiet Deutschlands. Auf rund 868 Hektar (Stand 2025) wachsen entlang von Saale und Unstrut vor allem Weißburgunder und Müller-Thurgau; der Weinbau ist dort seit 998 urkundlich belegt.
Vor dem Finale hatte die Region kräftig die Werbetrommel gerührt. Antje Peiser von der Saale-Unstrut Tourismus GmbH nannte Löber eine „großartige Kandidatin“, die mit „Charme und Fachwissen eine sympathische Repräsentantin für unsere Wein- und Reiseregion“ sei. Ihr lokales Amt hat Löber inzwischen abgegeben. Nachfolgerin ist Laura Horbel als 56. Gebietsweinkönigin von Saale-Unstrut.
Die Wahl erreichte in diesem Jahr eine Rekord-Reichweite. Das Finale wurde nach Angaben des DWI erstmals von vier ARD-Sendern gleichzeitig live übertragen: SWR, MDR, HR und SR. Über die Thronfolge entschied dabei laut DWI allein das Fernsehpublikum, das online über die Plattform meinSWR.de abstimmen konnte.
Landrat Götz Ulrich (CDU) wertete das als Fortschritt. Die MDR-Übertragung habe erstmals für „faire Bedingungen“ gesorgt, weil nun auch Zuschauer im MDR-Sendegebiet mitstimmen konnten.
Das Marktumfeld der neuen Weinkönigin
Ihr Amt beginnt in einer schwierigen Phase. Der Pro-Kopf-Konsum der über 16-Jährigen sank laut DWI im Zeitraum August 2024 bis Juli 2025 von 22,2 auf 21,5 Liter.
Auch im Export bleibt das Bild gemischt: 2025 stieg die ausgeführte Menge deutscher Weine nach DWI-Angaben um 1 Prozent, der Wert sank aber um 2 Prozent auf 377 Millionen Euro. Besonders die USA belasteten die Bilanz – dorthin gingen wegen Strafzöllen 11 Prozent weniger Wein.
Die Deutsche Weinkönigin wirbt seit 1949 für die Branche und repräsentiert alle 13 Anbaugebiete. Bis 1999 mussten die Kandidatinnen ledig sein und aus einer Winzerfamilie stammen; inzwischen ist der Wettbewerb auch für Männer geöffnet. Ihre Vorgängerin Anna Zenz von der Mosel verabschiedete sich bewegt aus dem Amt. „Das Jahr war größer als jeder Traum“, sagte die 25-Jährige.
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