PDS nominierte die Bibliothekarin Cornelia Reinauer

Stadtrats-Kandidatin kommt aus Kreuzberg

Birgitt Eltzel
2 Min

MARZAHN Sie liest gern Brigitte Reimann und Maxim Gorki und geht mit Vorliebe in Off-Kinos. Die Kreuzberger Bibliothekarin Cornelia Reinauer soll Stadträtin in Marzahn werden. Die 42jährige parteilose Kandidatin wurde am Freitag abend von der Hauptversammlung der PDS nominiert."Montag morgen habe ich Bürgermeister Peter Strieder darüber informiert", berichtet Cornelia Reinauer. Denn die Leiterin der Jugendbücherei in der Wilhelm-Liebknecht-Bibliothek an der Adalbertstraße wirkt als sogenannte Realisierungsbeauftragte für die Verwaltungsreform im Rathaus an der Yorckstraße. Der SPD-Mann habe ihr Glück gewünscht und gesagt: "Machen Sie das, es ist eine Chance."Obwohl die in Baden-Württemberg aufgewachsene und seit 1975 in Berlin lebende Cornelia Reinauer "noch herzlich wenig" von Marzahn kennt, zeigt sie sich zuversichtlich, dort einen Stadtratsposten ausfüllen zu können. Immerhin seien Prenzlauer Berg mit Robert Scholz und Köpenick mit Ernst Welters, beide PDS- "Westimporte", in der vergangenen Legislaturperiode gut zurechtgekommen. "Die Probleme sind schließlich in den Bezirken, egal ob Ost oder West, sehr ähnlich." Letztlich versuche die Landespolitik, auf Kosten der Bezirke den Berliner Haushalt zu sanieren. Es gebe Stellenkürzungen, Leistungen für die Bürger würden damit reduziert oder könnten nicht mehr in gebotener Qualität erbracht werden.Die langjährige stellvertretende Personalratsvorsitzende im Kreuzberger Bezirksamt und seit vier Jahren Mitglied im ÖTV-Bezirksvorstand weiß, wovon sie spricht. Sie akzeptiert allerdings auch, daß angesichts leerer Kassen gespart werden muß. "Doch es kommt darauf an, wo die Schwerpunkte gesetzt werden." Statt auf bürgernahen Service solle auf Prestigeobjekte in der Stadt verzichtet werden. Die Parteilose, einst SEW-Mitglied und Ende der 80er Jahre aus der Partei ausgetreten, befürchtet, daß in der Zeit des knappen Geldes besonders der psychosoziale und kulturelle Bereich zur Disposition stehen könnte. "Solche Leistungen müssen jedoch erhalten bleiben." Das gehöre zu einer solidarischen Gesellschaft, für die sie eintrete.Der Globalsummenhaushalt biete den Bezirken Spielraum für gestalterische Politik, "wenngleich auch nicht allzu großen". Auch mit ihrem Praxiswissen zur Verwaltungsreform sieht sich die Stadtrats-Kandidatin dafür gut gerüstet. Berührungsängste gegenüber anderen Parteien hat sie nicht: "Ich werde nicht parteipolitisch Punkte durchziehen." Wichtig sei vielmehr, im Interesse der Bürger um Konsens zu ringen. +++

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