Es ist eine ungewöhnliche Aktion für einen Pfarrer. Andreas Domke, evangelischer Pfarrer im oberhavelländischen Zehdenick, hat für September zu einem „Predigtstreik“ aufgerufen. Vier Sonntage lang wird es in seiner Stadtkirche keine Predigt von ihm geben.
„Auslöser für meine Aktion ist die zunehmende Militarisierung der Sprache und des Denkens“, sagt der 58-Jährige. Immer stärker prägten Aufrüstung, Kriegstüchtigkeit, Feindschaft, Gewalt und Abschreckung die Debatten. Er nennt seine Aktion einen Weckruf, eine konstruktive Provokation.
Eigentlich, so erklärt er, gehe es bei seinem Aufruf nicht um einen Streik, sondern um ein „Schweigen für den Frieden“. Mit dem Wort „Predigtstreik“ wolle er Schwung in die Aktion bringen, Aufmerksamkeit erzeugen.
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Domke will die Menschen seiner Gemeinde dazu bringen, über die Friedensbotschaft in der Bibel nachzudenken. „Dort heißt es: ‚Du sollst deine Feinde lieben‘, und dazu muss sich jeder irgendwie verhalten. Jeder muss sich die Frage stellen: Kann ich das, schaffe ich das?“, sagt der Pfarrer.
Für Domke ist sein Schweigen an den vier Sonntagen in der Kirche ein zutiefst demokratischer Akt. Damit gebe er den Menschen seiner Gemeinde den Raum, zu reden – auch über ihre Ängste.
Andreas Domke ist in Potsdam geboren und aufgewachsen. Seit 24 Jahren ist er Pfarrer, 2012 kam er nach Zehdenick, in jene Stadt, die im Mai René Stadtkewitz zum ersten Bürgermeister der AfD in Brandenburg gewählt hat.
Zugleich ist Domke auch Liedermacher, tritt mit seiner eigenen Band auf. Inspiriert wird er dabei unter anderem von BAP und Heinz-Rudolf Kunze. Viele Liebeslieder gehören zu seinem Repertoire, aber auch Texte und Songs, in denen er sich mit dem Thema Frieden auseinandersetzt.
Kein Symbol der Kapitulation: die weiße Fahne
„Ich denke beispielsweise über die weiße Fahne nach, die meine Fahne ist“, sagt der Vater dreier Kinder. Dann erklärt Domke: Für ihn sei die weiße Fahne nicht das Symbol der Kapitulation. „Sie ist die Fahne des Parlamentärs, die zeigt: Hier bin ich, und ich bin bereit zum Reden.“
Offizieller Startschuss für den Predigtstreik ist bereits an diesem Dienstag, dem Weltfriedenstag. Ab 17 Uhr hat der Pfarrer auf dem Zehdenicker Marktplatz ein Friedensfest organisiert. Dabei treten laut Domke auch verschiedene Künstler der Stadt auf – mit Friedensliedern und Friedenstexten.
Und wie sieht während des Predigtstreiks der Gottesdienst in der Kirche aus? Die Liturgie sei ganz normal, sagt Domke. Aber er werde keine eigens entworfene Predigt halten, sondern einen Text zum Thema Frieden aus der Bibel verlesen. „Und ein Teil des Gottesdienstes wird Schweigen sein.“
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