Vogel, Fortsetzung von Seite 1---Protestaktionen wie den "Schwabinger Krawallen" mit fester Hand reagierte. Demonstrativ verzichtete er schließlich auf seine Wiederwahl im Sommer 1972, weil er die von "Kälte und Haßgefühlen" gekennzeichnete Atmosphäre in der Münchner SPD unerträglich fand.Von Willy Brandt wurde Vogel 1972 zum Bundesbauminister ernannt. Helmut Schmidt machte ihn zum Justizminister. Vogel litt lange unter dem Trauma des linken Terrors. Zu jener Zeit, zum Schutz vor der RAF streng bewacht, sah er überall die "Roten unter den Betten". Erst allmählich und unter dem Einfluß seiner zweiten Frau, machte Hans-Jochen Vogel seinen Frieden mit der Parteilinken und entdeckte später immer mehr Sympathien für Themen der Grünen. Trotz seiner bitteren Erfahrungen, mehr der Pflicht als der Neigung gehorchend, übernahm Vogel im Januar 1981 zur Beendigung einer Senatskrise das Amt des Berliner Regierenden Oberbürgermeisters. Obwohl er in der Hausbesetzerfrage mit der "Berliner Linie" Sanktionierung bestehender Hausbesetzungen, Verhinderung neuer erfolgreich war; und obwohl es ihm sogar gelang, die zerstrittene Partei wieder auf Vordermann zu bringen, versagten ihm die Berliner bei den Wahlen im Sommer die Anerkennung. Vogel hatte sich in seiner kurzen Amtszeit zu wenig um sie bemüht. Oft schlief er auf dem Feldbett in seinem Büro und setzte Mitarbeiterbesprechungen schon um 6.30 Uhr morgens an. Er war ein verbissener Arbeiter, ein populärer Bürgermeister war er nicht. So mußte er dem CDU-Kandidaten Richard von Weizsäcker weichen.Bald rief wieder die Pflicht. Als Kanzlerkandidat der SPD trat er bei den Bundestagwahlen 1983 einen "Opfergang" gegen Helmut Kohl an. Als Oppositionsführer gab er der Partei zwar wieder Mut und Selbstvertrauen, zugleich aber beklagten viele seinen Mangel an Visionen und seinen als autoritär empfundenen Führungsstil, der ihm den Ruf eines "Herrn der Klarsichthüllen" und eines "Oberlehrers" einbrachte. Nach dem Rücktritt Brandts vom SPD-Vorsitz 1987 wurde Vogel dennoch einmütig zum Parteichef berufen. Nach den verlorenen Wahlen von 1990 und zermürbt von internen Führungskämpfen zog er sich von Fraktions- und Parteivorsitz zurück, um "Jüngeren Platz zu machen". Auch das dürfte er als seine Pflicht angesehen haben.
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