Bundeswehr

Pflicht statt Freiwilligkeit: Arbeitgeber laufen Sturm gegen neue Bundeswehr-Pläne

Der Verteidigungsminister will Reservisten künftig zu Übungen verpflichten. Doch aus der Wirtschaft kommt nun deutlicher Widerstand.

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Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

© Sebastian Gollnow/dpa

Die deutschen Arbeitgeber haben die von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) geplante verpflichtende Teilnahme von Arbeitnehmern an Reserveübungen der Bundeswehr abgelehnt. „Die doppelte Freiwilligkeit hat sich als tragfähiges Modell bewährt, um die Interessen von Bundeswehr und Wirtschaft in Einklang zu bringen“, sagte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger. „Daran sollte festgehalten werden“, mahnte er in einem Interview.

Bislang setzt die Teilnahme an Reserveübungen nicht nur das Einverständnis der ehemaligen Soldaten voraus. Für eine Freistellung im Beruf muss auch der Arbeitgeber zustimmen. Das Verteidigungsministerium bereitet hingegen einen Gesetzentwurf vor, nach dem Reservisten künftig schon in Friedenszeiten Dienst zu leisten haben.

Pistorius pocht auf Verpflichtung nach Wehrdienst

„Freiwillig ist der Wehrdienst“, hatte Pistorius im kanadischen Montreal betont. Wer den Wehrdienst antrete, wisse, „dass dann anschließend für ihn eine Verpflichtung daraus folgt, auch Reserveübungen durchzuführen“. Der SPD-Politiker verwies auf die Aufgabe, den geplanten 260.000 Männern und Frauen in der aktiven Truppe 200.000 Reservisten an die Seite zu stellen. Diese würden wesentlich über den neuen Wehrdienst gewonnen.

Reservedienstleistende sollten von sinnvollen Übungen profitieren, sagte Pistorius. „Aber für uns ist wichtig, das kann nicht auf Freiwilligkeit basieren. Deswegen wird es eine Verpflichtung geben.“

Arbeitgeber fordern Planbarkeit für Unternehmen

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mahnt dazu, die Anforderungen von Bundeswehr und Wirtschaft sorgfältig auszutarieren. „Gerade beim Ausbau der Reserve und einer verbindlichen Heranziehung von Beschäftigten braucht es einen Ausgleich zwischen den personellen Bedarfen der Bundeswehr und den betrieblichen Erfordernissen der Unternehmen“, sagte Dulger der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Insbesondere benötigten die Unternehmen „Planbarkeit und rechtssichere Transparenz“, betonte der BDA-Präsident. Sie müssten wissen, welche ihrer Beschäftigten zu Reservediensten einberufen werden könnten. (mit dpa)

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