Russland und Kuba wollen gemeinsam therapeutische Impfstoffe gegen Krebs entwickeln. Das kündigte der russische Vizepremier Dmitri Tschernyschenko am Donnerstag beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg während eines bilateralen Unternehmerdialogs an. Noch am selben Tag solle ein entsprechendes Memorandum unterzeichnet werden, teilte die russische Regierung mit.
Tschernyschenko erklärte laut einer Mitteilung der Regierung, Russland habe Kuba im Jahr 2025 sechs Tonnen Wirkstoffe für die Arzneimittelproduktion geliefert. Angaben zu Zeitplan, Finanzierung oder Stand klinischer Studien für das angekündigte gemeinsame Produkt machte Tschernyschenko nicht.
Anknüpfung an frühere Vereinbarung
Das Memorandum knüpft nach Darstellung der unabhängigen kubanischen Plattform 14ymedio an eine Vereinbarung vom April an. Damals hätten der russische Pharmakonzern Promomed, der staatliche kubanische Verbund BioCubaFarma und das Zentrum für Molekulare Immunologie (Centro de Inmunología Molecular) in Havanna verabredet, an einer therapeutischen Impfung gegen ein breites Spektrum onkologischer Erkrankungen zu arbeiten. Das Projekt umfasse Entwicklung, vorklinische und klinische Studien sowie eine spätere Zulassung, schreibt 14ymedio unter Berufung auf das russische Fachportal GxP News.
Kuba verfügt nach Angaben von BioCubaFarma bereits über einen therapeutischen Krebsimpfstoff. Das Präparat CIMAvax-EGF ist demnach für Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Lungenkrebs zugelassen. Auch das Mittel Vaxira werde gegen fortgeschrittenen Lungenkrebs eingesetzt, berichtet 14ymedio. Therapeutische Impfstoffe richten sich anders als klassische Impfungen gegen bereits bestehende Tumoren und sollen das Immunsystem zur Bekämpfung der Krebszellen anregen.
Der Direktor des kubanischen Instituts für Onkologie und Radiologie, Luis Eduardo Martín, hatte laut Granma im Mai von einem laufenden wissenschaftlichen Austausch mit dem onkologischen Napalkow-Zentrum in St. Petersburg gesprochen. Dabei gehe es unter anderem um ein Nachahmerpräparat (Biosimilar) des monoklonalen Antikörpers Pembrolizumab, das in Kuba an Patienten mit Melanomen und Lymphomen erprobt werde.
Kooperation über Pharmasektor hinaus
Tschernyschenko nannte weitere Felder der Zusammenarbeit. Rund 90 russische Unternehmen seien an Lieferungen von Fleisch-, Milch- und Fischprodukten nach Kuba interessiert. Zudem werde Moskau 50 Fahrzeuge der Marke „Moskwitsch“ für den Taxibetrieb in Havanna bereitstellen.
Die Ankündigung fällt nach Einschätzung von 14ymedio in eine Phase, in der in kubanischen Krankenhäusern grundlegende Materialien wie Spritzen und Antibiotika fehlten und Apothekenregale seit Jahren leer blieben. Die kubanische Regierung verweist in offiziellen Verlautbarungen stetig auf die seit 1962 bestehende US-Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade als zentrale äußere Ursache für wirtschaftliche Engpässe.
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