Ein Milliardenprojekt der Nato stockt offenbar. Die Türkei hat sich geweigert, einem 27 Milliarden Euro schweren Ausbau der Nato-Pipeline für Militärtreibstoff zuzustimmen, berichtet das Nachrichtenportal Politico unter Berufung auf zwei Diplomaten des Bündnisses.
Worum geht es bei der Nato-Pipeline?
Mit dem Vorhaben will das Bündnis sein 10.000 Kilometer langes Pipelinenetz aus Zeiten des Kalten Krieges modernisieren und in östliche und nördliche Mitgliedsstaaten erweitern. Das Vorhaben ist laut Politico Teil von Bemühungen, die Nato auf einen möglichen Konflikt mit Russland vorzubereiten.
Das Pipelinenetz versorgt die Streitkräfte des Bündnisses laut Politico im Konfliktfall mit Treibstoff. Nato-Generalsekretär Mark Rutte hatte den Deal Anfang des Monats beim Gipfel in Ankara noch als kurz vor dem Abschluss beschrieben. „Die Verbündeten unternehmen einen historischen Schritt, um die Treibstoff-Versorgungskette der Nato zu stärken“, sagte er laut Politico vor Journalisten.
IWF gibt weitere Gelder für die Ukraine frei: „Stabilität trotz Krieg“
Iran-Krieg erklärt: Wie alles begann, warum die Waffenruhe scheiterte – und was jetzt droht
Warum bremst die Türkei den Deal?
Ankara will offenbar seine eigenen Projekte priorisiert behandelt sehen. Nach Angaben der Diplomaten stimmte die Türkei dem Deal bei einem Treffen der 32 Nato-Botschafter in der Vorwoche nicht zu – trotz einer zuvor erzielten vorläufigen Einigung.
Ankara habe signalisiert, dem Vorschlag erst zuzustimmen, wenn die 21 Projekte auf türkischem Boden für eine beschleunigte Finanzierung berücksichtigt werden, sagten die Diplomaten Politico zufolge. Der Hintergrund: Der größte Teil des Geldes soll in den ersten fünf Jahren des Ausbaus ausgezahlt werden.
„Sie wollen einfach, dass ihre Projekte vorgezogen werden – zum Nachteil ausgereifterer Pläne in anderen Bündnisstaaten“, zitiert Politico einen der Diplomaten. „Natürlich ist Russland am meisten über diese Verzögerungen erfreut.“
Staaten an Nato-Ostflanke drängen auf Einigung
Nicht alle Nato-Länder waren von Anfang an begeistert. Mehrere Staaten hatten laut Politico über die hohen Kosten gestritten. Manche befürchteten zudem, dass das Projekt Treibstoff-Infrastruktur über Jahrzehnte festschreibt. Vor allem die Staaten an der Nato-Ostflanke drängen dem Bericht zufolge auf eine rasche Einigung.
Nun droht durch Ankaras Vorstoß eine Verzögerung bis September. Erst dann kommen die Nato-Botschafter nach der Sommerpause wieder zusammen, sagte einer der Diplomaten.
Was ist in der Türkei geplant?
Bereits im Juni wurde bekannt, welche Projekte die Türkei auf eigenem Gebiet plant. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, die sich auf anonyme Quellen berief, will Ankara unterirdische Treibstoff-Pipelines miteinander verbinden – als Teil des Nato-Ausbaus.
Konkret gehe es um ein Pipeline-System, das nahe Çorlu in Thrakien mit einer Leitung im Süden bei Mersin und der Luftwaffenbasis Incirlik verbunden werden solle, hieß es. Das würde Bloomberg zufolge nicht nur das Nato-Netz vergrößern, sondern auch die türkische Energie-Infrastruktur stärken.
Im Gespräch sei zudem eine rund eine Milliarde Euro teure direkte Treibstoff-Verbindung zwischen der Türkei und Rumänien. Ankara betont laut Bloomberg, diese Leitung solle ausschließlich militärisch genutzt werden – und sei deutlich günstiger als Alternativrouten etwa über Griechenland.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]