Ukraine-Krieg

Pistorius in der Ukraine: „Russland hat eine Phase der Schwäche“

Der Verteidigungsminister sieht ein Momentum aufseiten Kiews und spricht von riesigen Fortschritten. Aus dem Drohnenkrieg will er Lehren für die Bundeswehr ziehen.

3 Min
Pistorius und Mykhailo Fedorov, Verteidigungsminister der Ukraine, besuchen einen geheimen Kommandostand für Drohneneinsätze.

Pistorius und Mykhailo Fedorov, Verteidigungsminister der Ukraine, besuchen einen geheimen Kommandostand für Drohneneinsätze.

© dpa/Verteidigungsministerium der Ukraine

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat Anzeichen für eine Wende im Abwehrkampf der Ukraine gegen Russland ausgemacht. „Ich glaube, dass die Ukrainer tatsächlich ein Momentum haben. Russland hat eine Phase der Schwäche, sowohl wirtschaftlich als auch innenpolitisch, als auch auf dem Gefechtsfeld“, sagte Pistorius bei seinem Besuch im Osten der Ukraine.

Die Ukrainer machten nach seinen Worten „riesige Fortschritte“. Die Schläge gegen russische Militärinfrastruktur im Hinterland würden empfindlicher und hinterließen Wirkung. Das erkläre vielleicht auch, warum der russische Präsident Wladimir Putin über ein baldiges Ende des Krieges spreche, obwohl er ihn selbst sofort beenden könne, so der Minister.

Schlüsse für die Bundeswehr

Pistorius will in Zusammenarbeit mit der kampferprobten Ukraine weitere Schlüsse für den Drohneneinsatz in der Bundeswehr ziehen. „Es kommt auf Tempo an, es kommt auf Produktion an, die fährt bereits hoch“, sagte der Minister nach Besuchen in Gefechtsständen in den Gebieten Saporischschja und Dnipro. Dort wurde ihm erläutert, wie Drohnen zur Aufklärung und Bekämpfung russischer Waffensysteme und Soldaten eingesetzt werden.

Als Erkenntnis seines Besuchs nahm Pistorius nach eigenen Worten einen enormen Bedeutungszuwachs von Drohnen aller Art mit – von Aufklärungs- bis zu Kampfdrohnen, aus der Nähe oder von weit her gesteuert. Bemerkenswert sei der technologische Fortschritt und die Selbstverständlichkeit, mit der modernste Technologien in den ukrainischen Gefechtsständen eingesetzt würden.

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„Erinnern an Zentralen großer IT-Unternehmen“

„Die Zentralen erinnern bisweilen eher an die Kommandozentralen von großen IT-Unternehmen. Das ist schon sehr, sehr beeindruckend“, sagte Pistorius. Hervorzuheben seien das Tempo und die Effizienz der Arbeit. Zugleich führe diese Form der Gefechtsführung dazu, dass eigene Soldatinnen und Soldaten geschützt würden, „weil sie nicht mehr immer in die erste Reihe müssen“.

Drohneneinsatz an der Front

In den besuchten Kommandostellen verfolgte der Minister auch laufende Einsätze. Aus einem Gefechtsstand des 475. Sturmregiments werden Ziele jenseits der Front bekämpft. „Von hier werden aktive Einsätze gesteuert. Und aktive Einsätze bedeutet, es werden Russen getötet“, sagte Iwan Fedorow, Chef der regionalen Militärverwaltung in der Region Saporischschja.

Zunehmend wichtig sind nach den Schilderungen vor Ort Drohnen für den Bereich „middle strike“, der über 20 Kilometer hinaus bis über 100 Kilometer weit in Feindgebiet reicht. Ziel ist es, russischen Nachschub, Kommandoposten und Logistik zu zerstören. Im vergangenen Jahr hat die Ukraine ihre Verbände für unbemannte Systeme zu einer eigenen Teilstreitkraft ausgebaut. Der Minister selbst erlebte eine unruhige Nacht im Osten der Ukraine, in der es nach dem Auslaufen einer Waffenruhe mehrfach Luftalarm wegen russischer Drohnenangriffe gab. (mit dpa)

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