Platzeck ist fasziniert von Wirtschaftserfolg und sozialem Zusammenhalt in Skandinavien

Von Finnland lernen, heißt siegen lernen

Andrea Beyerlein
3 Min

POTSDAM, 11. November. Im Jahr 2004 reiste Matthias Platzeck nach Finnland. Dort faszinierte ihn, wie es dem dünn besiedelten Nordland gelingen konnte, zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen der Welt aufzusteigen und dennoch an hohen sozialen Standards festzuhalten. Platzeck stand damals im Landtagswahlkampf. Dass er gut ein Jahr später als designierter SPD-Chef eine große Koalition mit vorbereiten würde, war nicht absehbar. Aber seit seinem Finnland-Besuch macht Platzeck seine Vorliebe für die nordeuropäische Sozialdemokratie immer wieder deutlich. Dies wird auch für seine künftige Arbeit als SPD-Chef zu erwarten sein.Brandenburg als VorreiterDenn "Finnland ist mehr als Pisa", meint der brandenburgische Ministerpräsident. So lautet auch der Titel eines Aufsatzes von ihm. "Auf wegweisende Ideen aus Westdeutschland können wir ... kaum hoffen. Das macht das finnische Beispiel für Brandenburg umso spannender."Offensiver als sein Vorgänger Manfred Stolpe setzte sich die SPD-CDU-Koalition unter Platzecks Führung mit den Auswirkungen des demografischen Wandels, vor allem des massiven Bevölkerungsrückganges, auseinander. Nach Schulschließungen landesweit muss nun auch überlegt werden, in welchem Ausmaß Straßen oder Krankenhäuser noch finanzierbar sind. Bis 2020 ist ein Bevölkerungsrückgang von bis zu 30 Prozent prognostiziert. Die Jungen und Mobilen gehen. Der Anteil der Alten nimmt ständig zu.Diese Entwicklung, sagt der 51-jährige Regierungschef, wird - mit zeitlicher Verzögerung - auch die westlichen Länder erreichen. Und Brandenburg wird in diesem Prozess eine Vorreiterrolle einnehmen.Als eine Debatte über die Verödung und Verblödung ganzer Regionen das angeschlagene Image des Landes weiter zu beschädigen und die Menschen noch mehr zu verunsichern drohte - musste eine Perspektive her, eine neue Idee für Brandenburg: Finnland."Finnland hatte eine ganz ähnliche Ausgangssituation wie wir", sagt Thomas Kralinski, heute Geschäftsführer der Potsdamer SPD-Landtagsfraktion. Mit dem Wegbrechen der Ostmärkte war das Fünf-Millionen-Einwohner-Land in eine massive Wirtschaftskrise geraten. Die Arbeitslosigkeit stieg von drei auf 17 Prozent. Mittlerweile ist die Zehn-Prozent-Marke wieder unterschritten. Kralinski gehörte zu dem Grüppchen von Vordenkern, die der Potsdamer SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness zur Vorbereitung des Landtagswahlkampfes 2004 um sich geschart hatte. Auch der Politikwissenschaftler Tobias Dürr war damals dabei. Sie schickten Matthias Platzeck im Wahlkampf-Sommer 2004 nach Finnland.Seither berichtet der SPD-Regierungschef vom Videounterricht, der dort in dünn besiedelten Regionen praktiziert wird, über die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft und von der positiven Grundhaltung der Finnen, ihrer Offenheit Neuem gegenüber. Zudem gefällt es dem Potsdamer, dass das seit Pisa gepriesene finnische Erfolgsmodell der achtjährigen gemeinsamen Schule Anfang der 70er-Jahre von der DDR übernommen wurde: "Wir lernen über den finnischen Umweg jetzt Dinge, die wir früher schon einmal wussten", sagte Platzeck einem finnischen Fernsehsender. "Das hätten wir auch einfacher haben können."Im Handelsblatt schrieb Platzeck im September: "Die von vielen Deutschen ... bewunderten Gesellschaften Skandinaviens funktionieren gerade deshalb so hervorragend, weil unsere Nachbarn im Norden längst begriffen haben, dass sich sozialer Zusammenhalt und ökonomischer Erfolg wechselseitig bedingen und verstärken."------------------------------Foto : Matthias Platzeck, künftiger SPD-Chef

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