Grenzsicherung

Grenze zur Ukraine: Polen plant elektronisches Sicherheitssystem auf 112 Kilometern

Polen will mehr als 100 Kilometer seiner Grenze zur Ukraine mit einem elektronischen Schutzsystem ausstatten. Tusk meldet eine Explosion nahe der polnischen Grenze.

3 Min
Ein Grenzübergang zwischen der Ukraine und Polen: Warschau will die Grenzsicherung verstärken.

Ein Grenzübergang zwischen der Ukraine und Polen: Warschau will die Grenzsicherung verstärken.

© Michael Sorrow/Anadolu Agency/imago

Polen will mehr als 100 Kilometer seiner Grenze zur Ukraine mit einem elektronischen Sicherheitssystem ausstatten. Das sagte die stellvertretende Kommandantin des polnischen Grenzschutzes Wioleta Gorzkowska am Mittwoch bei einer Sitzung des parlamentarischen Ausschusses für Verwaltung und Inneres, wie der polnische Sender TVP World berichtet.

Das System soll dem Bericht zufolge insgesamt 112 Kilometer der Grenze abdecken. Zwei Projekte sind demnach vorgesehen: Auf 69 Kilometern im Zuständigkeitsbereich des Nadbużański-Grenzschutzes im Osten Polens soll die Grenze elektronisch verstärkt werden. Weitere 43 Kilometer entfallen demnach auf den Zuständigkeitsbereich des Bieszczadzki-Grenzschutzes im Südosten Polens.

Elektronische Grenzsicherung

Auch die ukrainischsprachige Ausgabe von Polskie Radio berichtete über die geplanten Investitionen. Demnach soll das elektronische System unter anderem Überwachungstechnologie und Bewegungsmelder umfassen und die physischen Barrieren ergänzen, erklärte Gorzkowska laut dem Bericht. Die dafür benötigten Mittel werden laut TVP World von der EU bereitgestellt.

Darüber hinaus plant Polen nach Angaben des Senders eine Verstärkung der Grenzsicherung zu Belarus und Russland. Vorgesehen seien unter anderem zusätzliche Beobachtungstürme mit Überwachungstechnik sowie Systemen zur Erkennung von Drohnen. Polen grenzt dabei nicht direkt an das russische Kernland, teilt sich jedoch eine mehr als 200 Kilometer lange Grenze mit der russischen Exklave Kaliningrad.

Schutz der Grenzübergänge zur Ukraine

Der polnische Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz hatte bereits am Dienstag angekündigt, dass Polen den Schutz der Grenzübergänge zur Ukraine ausbauen will. Er begründete die Maßnahmen mit der aktuellen Sicherheitslage.

Auf X
schrieb er, die vergangenen Tage hätten gezeigt, dass „Russlands Vorgehen die Sicherheit ganz Europas“ gefährde. Deshalb werde unter anderem die Infrastruktur des Grenzschutzes verstärkt. Soldaten seien bereits im Einsatz, um den Schutz von Grenzübergängen und weiterer Infrastruktur nahe der polnisch-ukrainischen Grenze zu verstärken.

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Russische Angriffe nahe Polen

Hintergrund sind russische Drohnenangriffe in der Nähe der polnischen Grenze. Reuters berichtete, dass eine russische Drohne am Wochenende einen Personenzug in der ukrainischen Region Wolhynien nahe der Grenze zu Polen getroffen habe. Eine weitere Drohne habe einen Lastwagen an einer nahe gelegenen Tankstelle getroffen. Grenzbeamte gaben dem Bericht zufolge an, dass nach den Angriffen Grenzübergänge zeitweise geschlossen und Menschen aus Fahrzeugen evakuiert worden seien.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte laut der Nachrichtenagentur Interfax, russische Truppen hätten am Sonntag Eisenbahninfrastruktur im Westen der Ukraine angegriffen, die für den Transport militärischer Güter aus Europa genutzt werde. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte später: „Wenn ich es richtig verstehe, sprechen wir über ukrainisches Territorium.“ Das Militär führe „Missionen in der gesamten Ukraine durch“ und werde dies auch weiterhin tun.

Polens Ministerpräsident Donald Tusk sagte laut Polskie Radio am Donnerstag, nahe der polnischen Grenze sei auf ukrainischer Seite offenbar erneut eine Tankstelle angegriffen worden. „Es gab eine gewaltige Explosion“, sagte er. Polen ließ dem Bericht zufolge Militärflugzeuge aufsteigen – eine Verletzung des polnischen Luftraums sei jedoch nicht festgestellt worden.

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