Prävention

Polio-Impfquote in Mecklenburg-Vorpommern bei fast 95 Prozent

Vor dem Welt-Polio-Tag am Samstag ruft Ministerin Drese Eltern in MV auf, Impfhefte zu prüfen. Das RKI fand Polioviren im Abwasser, bisher ohne Erkrankungen.

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Polio-Impfung: Eltern sollen die Impfhefte ihrer Kinder prüfen und versäumte Dosen zeitnah nachholen (Symbolbild).

Polio-Impfung: Eltern sollen die Impfhefte ihrer Kinder prüfen und versäumte Dosen zeitnah nachholen (Symbolbild).

© Bihlmayerfotografie/imago

In Mecklenburg-Vorpommern sind 94,9 Prozent der Kinder bei der Schuleingangsuntersuchung gegen Polio geimpft. Damit erreicht das Land fast die Zielmarke von 95 Prozent, die die Weltgesundheitsorganisation für einen sicheren Gemeinschaftsschutz nennt, wie das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport Mecklenburg-Vorpommern am Freitag zum Welt-Polio-Tag mitteilte. Der Aktionstag findet am Samstag statt. Bundesweit liegt die Quote bei den Erstklässlern nur bei rund 88 Prozent.

Die geschäftsführende Gesundheitsministerin Stefanie Drese sieht das Land damit in der Spitzengruppe in Deutschland. „Auf diesen Werten dürfen wir uns aber nicht ausruhen“, sagte sie. Denn die letzte nötige Impfdosis wird im zweiten Lebensjahr häufig verschleppt: „Im Alter von 24 Monaten sind bundesweit im Schnitt erst 76,9 Prozent der Kinder vollständig gegen Polio grundimmunisiert. In Mecklenburg-Vorpommern liegt diese Quote mit 79,2 Prozent zwar etwas höher, ist aber für eine Minimierung der Risiken ausbaufähig“, so Drese. Empfohlen sind drei Impfdosen im ersten Lebensjahr, im zweiten, vierten und elften Monat.

Was Eltern jetzt tun können

Drese bittet Eltern, den Aktionstag zum Anlass zu nehmen, das Impfheft ihrer Kinder zu prüfen und versäumte Impfungen zeitnah mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt nachzuholen. „Denn jede vollständige Impfung hilft, Polio-Fälle oder Fälle mit Folgeschäden zu vermeiden“, sagte sie. Eine hohe Impfquote sei der beste Schutz vor erneuten Ausbrüchen, „gerade wenn genetisch verwandte Polioviren (cVDPV) immer mal wieder in Abwasserproben nachgewiesen werden können“.

Polioviren im Abwasser: Was das RKI meldet

Hintergrund solcher Funde sind Nachweise, die das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinen Informationen zu Poliomyelitis beschreibt: Seit Ende 2024 wurden demnach wiederholt impfstoffabgeleitete Polioviren vom Typ 2 im Abwasser mehrerer deutscher Großstädte gefunden, erneut ab April 2025 an mehreren Standorten. Im Oktober 2025 wurden zudem erstmals Polio-Wildviren vom Typ 1 in Abwasserproben aus Hamburg nachgewiesen. Klinische Erkrankungen oder Verdachtsfälle wurden dem RKI bislang nicht gemeldet. Für Mecklenburg-Vorpommern liegt kein eigener Nachweis vor; das Land gehört nicht zu den bekannten Untersuchungsorten wie Berlin, Hamburg, Köln oder München. Ob sich Dreses Hinweis auf diese Funde bezieht, bleibt offen.

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Die Kinderlähmung gehörte bis in die 1950er-Jahre zu den am meisten gefürchteten Krankheiten; eine Epidemie im Jahr 1961 kostete in Deutschland 306 Menschen das Leben. Ein Jahr später wurde der Impfstoff flächendeckend verfügbar. Die letzte einheimische Infektion wurde 1990 verzeichnet, seit 2002 gilt ganz Europa als poliofrei.

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