Der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz hat die Ukraine aufgefordert, beim Einsatz von Drohnen präziser vorzugehen. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in der estnischen Hauptstadt Tallinn sagte er laut Reuters: „Die Ukraine muss hier präziser sein, um keine russischen Provokationen zu begünstigen. Unsere Gebiete … dürfen nicht verletzt werden, sie dürfen nicht bedroht werden.“
Kosiniak-Kamysz war zu Gesprächen über „militärische Zusammenarbeit, staatliche Widerstandsfähigkeit, die Sicherheit kritischer Infrastrukturen und die Abschreckung Russlands“ nach Tallinn gereist, teilte der Minister auf X mit. Polen und Estland seien unter den Ländern mit dem besten Verständnis, dass „die Sicherheit Europas heute an der Ostflanke der Nato und in der Ostsee“ beginne.
Mehrere Drohnenvorfälle im Baltikum
Ein Nato-Kampfjet hatte nach Angaben Estlands am Dienstag eine mutmaßlich ukrainische Drohne über estnischem Gebiet abgeschossen. In der Region kommt es seit Monaten wiederholt zu Luftraumverletzungen durch mutmaßlich fehlgeleitete Drohnen aus dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine.
Kosiniak-Kamysz hatte nach Angaben der staatlichen ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform bereits am Mittwoch in Warschau erklärt, die Ukraine sollte „ihre Ziele deutlich genauer bestimmen“. Die Ukraine müsse „sehr vorsichtig“ sein und das Territorium von Nato-Staaten schützen. Er sagte dem Bericht zufolge, Russland könnte die Vorfälle für „Propaganda sowie zur Eskalation des Konflikts“ nutzen.
Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Heorhii Tykhyi, erklärte laut Ukrinform, die Ukraine habe sich bei Estland für den Drohnenvorfall entschuldigt, der durch „russische elektronische Kampfführung“ verursacht worden sei.
Vorwürfe aus Russland
In Lettland hatte ein vergleichbarer Vorfall vergangene Woche eine Regierungskrise ausgelöst, woraufhin die Premierministerin Evika Silina zurücktrat. Eine Drohne war dort an einem Öllager nahe der Stadt Rezekne eingeschlagen. Der lettische öffentlich-rechtliche Sender LSM berichtete am Donnerstag von einem erneuten Vorfall. Ein Sprecher der lettischen Streitkräfte bestätigte dem Bericht zufolge, dass mindestens eine Drohne im lettischen Luftraum geortet worden sei.
Auch in Litauen war am Mittwoch Alarm wegen Drohnenaktivität nahe der Grenze zu Belarus ausgelöst worden, wie AP berichtet. Bewohner der Hauptstadt Vilnius wurden aufgefordert, Schutz zu suchen, der Luftraum wurde vorübergehend gesperrt.
Russlands Botschafter bei der UN, Wassili Nebensja, warf Lettland laut Reuters am Dienstag vor, das Land habe Kenntnis von ukrainischen Plänen, Drohnen von lettischem Gebiet aus einzusetzen. Lettland wies dies als „reine Fiktion“ zurück.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte am Mittwoch, russische Drohnungen gegen die baltischen Länder seien „inakzeptabel“. Russland und Belarus „tragen die direkte Verantwortung für Drohnen, die das Leben und die Sicherheit der Menschen an unserer Ostflanke gefährden“, schrieb sie in einem Beitrag auf X.
Drohnenalarm in Litauen: Bewohner angewiesen, Schutz zu suchen – Flughafen geschlossen
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