Die Klimainitiative des amerikanischen Präsidenten und die Reaktion der Bundesregierung kommentiert in RomLa repubblicaDie Öffnung in Sachen Umweltschutz von George W. Bush genügt der Europäerin Angela Merkel nicht, die ganz darauf bedacht ist, im Kampf gegen die globale Erwärmung jetzt konkrete Ergebnisse nach Hause zu bringen. Und mit einer erheblichen Offenheit wird in der Umgebung Merkels auch erklärt, warum die Achse Berlin-Brüssel die Ankündigungen Bushs mit einer gewissen Kühle aufgenommen habe. Erster Einwand: Die Klima-Verhandlungen müssen innerhalb der UN geführt werden, unter dem Schirm, unter dem bereits das Kyoto-Protokoll zu Stande kam, und nicht bei einer Serie von Treffen einiger weniger ausgewählter Staaten, wie es das Weiße Haus vorschlägt. Zweiter Einwand: Unverbindliche Vereinbarungen genügen nicht, vielmehr müssen in der Zeit nach dem Kyoto-Abkommen eine Reihe von verbindlichen Zielen über die Reduzierung der Treibhausgase verabredet werden.Nicht anders beurteilt das Problem dieNZZ am SonntagDer Vorstoß des US-Präsidenten (genügt) nicht, denn er ist zu schwammig. Bush will bloß einen Richtwert für die langfristig zulässige Luftbelastung einführen, keine bindende Obergrenze. Es ist zu bezweifeln, dass sich so der Schadstoffausstoß ausreichend senken lässt. Die Klimawissenschaftler sagen, wir müssten das Kohlendioxid bis 2050 auf mindestens die Hälfte der Menge im Jahr 2000 verringern, wenn sich die Erwärmung in den tragbaren Grenzen von zwei Grad halten soll. Immerhin hat Bush einen Schritt in die richtige Richtung getan.Einen mangelnden Willen zum Klimaschutz bei uns, den Bevölkerungen der Industrienationen, konstatiert die ZürcherSonntagszeitungWer an die nahende Klima-Apokalypse glaubt, müsste Wachstumsverzicht propagieren und eine Senkung des Lebensstandards verlangen. Politisch käme das einem Selbstmord gleich. In demokratischen Gesellschaften, deren Grundprinzip es ist, bessere Lebensbedingungen zu versprechen, ist eine solche Politik nicht durchsetzbar. Das ist der Grund dafür, warum sich eine solch irritierende, oft heuchlerische Kluft auftut zwischen europäischer Klimarhetorik und konkretem Handeln. Was bleibt? Nicht ganz unberechtigt ist die Hoffnung, dass wir den Einfluss der menschlichen Industriezivilisation auf Planet und Biosphäre im Guten wie im Schlechten überschätzen.
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