Projekt "Junges Neukölln" arbeitet erfolgreich

Dankesbrief für die Hilfe bei der Jobsuche

Marlies Emmerich
2 Min

NEUKÖLLN. Der Dankesbrief des jungen Mannes, in ungelenker Schrift geschrieben, ist zwölf Zeilen lang und enthält nicht weniger als zehn Fehler. Dennoch hat dieser Jugendliche vor einigen Wochen mit Hilfe des Jobcenters Neukölln als Ungelernter einen befristeten Arbeitsvertrag bei einem Unternehmen bekommen. Solche kleinen Erfolge sind dem Projekt "Junges Neukölln" zu verdanken, mit dem seit vier Monaten jungen Erwerbslosen ganz gezielt geholfen werden soll - in der Bundesrepublik in dieser Form bisher einmalig.33 000 Jugendliche leben im Bezirk von staatlicher Unterstützung, das ist jeder zweite Jugendliche. Jeder dritte hat keinen Schulabschluss. Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) und Jobcenter-Leiter Dietmar Jarkow sind sich einig: "Es kann nicht sein, dass es für die jungen Leute keine Chance gibt." Von den 750 jungen Männern und Frauen, die durch das Projekt gefördert wurden, haben bisher 182 an Deutschkursen oder anderen Trainingsmaßnahmen teilgenommen, sogar Ein-Euro-Jobs erhalten, die mit einem Schulabschluss verbunden sind. Weitere 76 Arbeitslose erhielten Ausbildungs- oder Jobangebote. Vor allem aber, sagte Jarkow gestern in einer ersten Bilanz, mussten nur 18 Sanktionen - also Kürzung oder völlige Streichung von Leistungen - ausgesprochen werden. Normalerweise hat das Jobcenter sonst monatlich 30 Sanktionen verhängt. Seit Beginn von "Junges Neukölln" ist die Zahl junger Arbeitsloser von 3 281 auf 2 994 zurückgegangen, das sind 8,8 Prozent. Bei älteren Erwerbslosen betrug der Rückgang dagegen nur 1,3 Prozent. Im kommenden Halbjahr will das Jobcenter auch noch die restlichen jungen Leute in das Projekt holen. Fest steht aber auch, dass mehr als 80 Prozent der Jugendlichen Förderungen besonderer Art braucht.In dem Projekt wird deshalb selbst in schwierigsten Fällen Hilfe angeboten. Manchmal geht es zunächst nur einmal darum, Pünktlichkeit zu lernen. In einem "Bewerbungscenter" helfen Fallmanager beim richtigen Formulieren, Ausfüllen von Unterlagen bis hin zum Wegschicken an Firmen. Selbst das Passbild kann man dort anfertigen lassen. "Nicht alle finden unser Vorgehen lästig", so Buschkowsky. Beim ersten Kontakt bleiben die Jugendlichen manchmal mehrere Stunden im Jobcenter.

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