Prüfer geben Jauch recht: In Potsdams Bauverwaltung geht es nicht immer korrekt zu

Denkmalschützer wollen immer nur das Teuerste

Martin Klesmann
3 Min

POTSDAM. In Potsdam zeigt sich gerade, wie mächtig der Mitbürger Günther Jauch dort wirklich ist: Der TV-Moderator, der in der Landeshauptstadt mehrere denkmalgeschützte alte Häuser saniert hat, hatte der Bauverwaltung und dem Denkmalschutz vorgeworfen, Immobilien-Investoren willkürlich zu behandeln.Von diesen Vorwürfen des Vorzeige-Potsdamers hart getroffen, berief Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) eine Prüfkommission unter Vorsitz des Baurechtsexperten Ulrich Battis ein. Und diese stellte nun ihre ersten Ergebnisse vor. Heraus kam eine lange Mängelliste in der Unteren Denkmalschutzbehörde: Unvollständige Akten, verschiedene Rechtsauslegungen, Baumaßnahmen ohne Genehmigung und unfreundliche Denkmalschützer, die immer gleich die teuerste Bauvariante einfordern.Betroffen war auch Bauherr Jauch selbst: Die Denkmalschützer verlangten von Jauch mehrfach gedrehte Eisenstäbe vor den Kellerfenstern eines sanierten Hauses. Diese mehrfach gedrehten Eisenstäbe seien aber um geschätzte 30 000 Euro teurer gewesen als herkömmliche Standardware, die den Ansprüchen des Denkmalschutzes ebenfalls genügt hätte. Zudem habe der Denkmalschutz Jauch die Erlaubnis für insgesamt 23 Dachfenster an einer Immobilie versagt, obwohl der Bauherr auf die eingeschränkte Belichtung der Dachgeschosswohnungen hingewiesen habe. Hingegen sei neben einem Jauch-Haus in Potsdam entgegen den Bestimmungen des Denkmalschutzes eine Solaranlage auf dem Dach installiert worden - und das Amt sei nicht eingeschritten. Battis stellte Defizite in "Organisation, Führung und Zusammenarbeit" der städtischen Baubehörde fest. Zugleich lobte er aber die fachliche Qualifikation der Denkmalschützer, die nur oft als "Baupolizei" wahrgenommen würden. Und unter den Denkmalschützern herrsche häufig die Vorstellung, möglichst viel für den Denkmalschutz herausholen zu müssen. Die Immobilienbesitzer fühlten sich dann meist machtlos, weil sie aufwändige Prozesse fürchteten, so Battis weiter.Oberbürgermeister Jakobs übernahm umgehend die Verantwortung für die Missstände. Er will nun die verkrustete Bauverwaltung radikal umgestalten und eine unabhängige Denkmalschutz-Schlichtungsstelle einrichten. In heiklen Streitfällen soll es Mediationsverfahren geben. Die umstrittene Baubeigeordnete Elke von Kuick-Frenz, gegen die ein Disziplinarverfahren wegen der Weitergabe von Dienstgeheimnissen läuft, soll genauso im Amt bleiben wie der Bereichsleiter Denkmalpflege Andreas Kalesse.Jakobs selbst wird im Battis-Bericht entlastet. Er hatte per Dienstanweisung eine steuerliche Vorabschreibung für den Besitzer der Villa Gericke geltend gemacht. Diese Dienstanweisung sei nicht notwendig gewesen, aber auch nicht zu beanstanden, so Battis. Viel problematischer sei, dass es für die bereits getätigten Umbaumaßnahmen an der Villa Gericke nie eine Baugenehmigung gegeben habe. Zudem habe die städtische Naturschutzbehörde überhaupt nicht reagiert, als dort mehr als ein Hektar Gartenfläche im Weltkulturerbe-Gebiet gerodet worden sei. Die einstige Denkmalschutz-Vizechefin soll zudem die Rechnungen der Heizungs- und Sanitärfirma ihres Mannes für die Villa Gericke geprüft und genehmigt haben.Prüfung nicht abgeschlossenAllein im Jahr 2006 sind laut Battis-Bericht 50 Millionen Euro aus Privatinvestitionen in Denkmäler der Stadt Potsdam geflossen. In einer Lokalzeitung hat nun auch Bild-Chefredakteur Kai Diekmann angekündigt, in die noblen Altbauquartiere im Potsdamer Norden ziehen zu wollen. Längst haben sich viele Besserverdienende und Prominente in den teils denkmalgeschützten Villen eingerichtet.Hans-Jürgen Scharfenberg, städtischer Fraktionschef der Linkspartei, sieht die Stadtspitze nun in der Pflicht: "Eine zutreffende Problembeschreibung in der Bauverwaltung muss erst noch geleistet werden", sagte er. Handlungsbedarf gebe es schon länger. "Mich stört es, dass hier das Bild vermittelt wird, Herr Jauch wäre der Oberbürgermeister von Potsdam", so Scharfenberg.------------------------------Foto: Kritiker Günther Jauch, hier beim Erwerb von Aktien für den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses

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