Pütnitz liegt am Saaler Bodden bei Ribnitz-Damgarten, südlich der Halbinsel Darß. Auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflugplatzes plant die Stadt seit Jahren ein großes Ferien- und Freizeitquartier: das Bernsteinresort Pütnitz.
Das Gesamtprojekt erstreckt sich nach bisherigen Angaben über rund 250 Hektar. Neben Center Parcs sollen weitere Investoren und Betreiber beteiligt sein. Vorgesehen sind unter anderem Freizeitangebote, ein Reiterhof, ein Technikmuseum, Gastronomie und Naturbildungsangebote.
Kern des Vorhabens ist ein neuer Ferienpark von Center Parcs. Das Unternehmen plant auf etwa 100 Hektar rund 620 Ferienhäuser und Apartments mit insgesamt etwa 3200 Betten. Hinzu kommen sollen ein Erlebnisbad, ein Supermarkt, Restaurants und überdachte Freizeitangebote.
Ribnitz-Damgarten will Gelände Anfang 2027 verkaufen
Bislang gibt es zwischen der Stadt Ribnitz-Damgarten und Center Parcs lediglich eine Absichtserklärung. Nach Informationen des NDR will die Stadt nun mehr Verbindlichkeit schaffen und den Kaufvertrag Anfang 2027 abschließen.
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Der Verkauf bedeutet allerdings nicht, dass Center Parcs sofort mit dem Bau beginnen kann. Wirksam werden soll der Vertrag erst, wenn zwei wesentliche Voraussetzungen erfüllt sind: Die Stadt muss Baurecht schaffen und das Grundstück vollständig erschließen.
Damit bleibt ein großer Teil des Risikos zunächst bei der Kommune. Zu den Vorbereitungen gehören unter anderem die Beseitigung von Altlasten, die technische Erschließung sowie die Klärung von Fragen des Natur-, Arten-, Denkmal- und Forstrechts.
Eröffnung des Center Parcs erst Ende 2030?
Die Planungen für Pütnitz haben sich bereits mehrfach verzögert. Ursprünglich sollte der Ferienpark im Jahr 2025 eröffnen. Dieser Termin ist längst überholt. Inzwischen geht die Stadt von einer Fertigstellung Ende 2030 aus.
Center Parcs selbst rechnet nach eigenen Angaben mit einer Bauzeit von ungefähr 36 Monaten, sobald der Bebauungsplan rechtskräftig ist. Da die Stadt Baurecht derzeit erst für 2028 erwartet, erscheint eine Eröffnung im Jahr 2030 grundsätzlich möglich. Weitere Genehmigungsprobleme oder Klagen könnten den Zeitplan jedoch erneut verändern.
Kosten steigen auf rund 400 Millionen Euro
Auch finanziell ist das Vorhaben deutlich größer geworden. Die Kosten wurden zunächst mit etwa 350 Millionen Euro angegeben. Mittlerweile wird mit rund 400 Millionen Euro gerechnet.
Frühere Angaben sahen einen Investitionsanteil von etwa 220 Millionen Euro von Center Parcs vor. Hinzu kamen bewilligte öffentliche Fördermittel in Höhe von 45 Millionen Euro sowie weitere Fördergelder, die nach Angaben der Stadt in Aussicht standen.
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Ob diese Finanzierungsstruktur nach dem Kostenanstieg weiterhin Bestand hat, ist bislang offen. Unklar bleibt insbesondere, wer zusätzliche Ausgaben für Altlastensanierung und Erschließung übernimmt, falls die bisherigen Kalkulationen erneut überschritten werden.
Altlasten auf dem früheren Militärgelände
Das Pütnitzer Gelände wurde über Jahrzehnte militärisch genutzt. Vor einer touristischen Bebauung müssen daher belastete Böden, Munitionsreste und weitere Hinterlassenschaften beseitigt werden.
Nach Angaben der Stadt wurden bis Ende Juli 2026 rund 25.000 Tonnen belastete Erde abgetragen und entsorgt. Die Arbeiten verliefen jedoch nicht ohne Unterbrechungen.
Im März 2026 stoppte das zuständige Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt einen Teil der Sanierungsmaßnahmen vorzeitig. Zuvor hatten die Bürgerinitiative „Kein Massentourismus auf Pütnitz“ und ein Umweltverband Rechtsmittel eingelegt. Hintergrund waren mögliche Beeinträchtigungen geschützter Tierarten während der Brut- und Setzzeit.
Für den nächsten Sanierungsabschnitt lag Anfang Oktober noch keine Genehmigung vor. Die Stadt muss nach Behördenangaben Unterlagen nachreichen, geht bislang aber davon aus, dass die Arbeiten noch im Oktober beginnen können.
Bebauungsplan liegt öffentlich aus
Ein wichtiger Schritt ist der Bebauungsplan für das Bernsteinresort. Der Entwurf kann noch bis zum 6. November 2026 eingesehen werden. Bürger sowie betroffene Verbände können in diesem Zeitraum Stellungnahmen und Hinweise einreichen.
Mit einem rechtskräftigen Bebauungsplan rechnet Ribnitz-Damgarten derzeit im Jahr 2028. Bis dahin müssen zahlreiche Einwände geprüft sowie naturschutz-, verkehrs- und genehmigungsrechtliche Fragen geklärt werden.
Gerade das Zusammenspiel unterschiedlicher Vorschriften macht das Verfahren kompliziert. Teile des Geländes sind ökologisch sensibel. Gleichzeitig befinden sich dort Gebäude und Anlagen aus der militärischen Vergangenheit, der Umgang mit diesen muss mit Denkmal- und Naturschutzbehörden abgestimmt werden.
Warum das Projekt umstritten ist
Die Stadt verbindet mit dem Bernsteinresort neue Arbeitsplätze, höhere Tourismuseinnahmen und eine ganzjährige Belebung der Region. Durch Hallenbad, Gastronomie und wetterunabhängige Freizeitangebote soll der Ferienpark nicht ausschließlich während der Sommersaison Besucher anziehen.
Kritiker befürchten dagegen erhebliche Auswirkungen auf Natur und Landschaft. Hinzu kommen Sorgen vor zusätzlichem Autoverkehr, steigenden Infrastrukturkosten und einer Überlastung der Abwasserentsorgung.
Auch die versprochenen Arbeitsmarkteffekte werden kontrovers diskutiert. Offen ist, wie viele dauerhafte Stellen tatsächlich entstehen, welche Qualifikationen benötigt werden und wo zusätzliche Beschäftigte angesichts des angespannten Wohnungsmarktes leben könnten.
Die Bürgerinitiative „Kein Massentourismus auf Pütnitz“ wirft der Stadt zudem mangelnde Transparenz vor. Sie kritisiert, dass wesentliche Details zum geplanten Verkauf, zur Finanzierung und zu den langfristigen Folgekosten bislang nicht öffentlich bekannt seien.
Auch das Pangea Festival findet auf dem ehemaligen Militärflugplatz Pütnitz statt und soll dort weiter stattfinden.
© Philip Dulian/dpa
Eine gegen das Projekt gerichtete Online-Petition sammelte mehr als 6500 Unterschriften. Diese Zahl zeigt eine erkennbare Mobilisierung, ist allerdings keine repräsentative Abstimmung über die Stimmung in Ribnitz-Damgarten oder der gesamten Region.
Pangea-Festival bleibt, Pangea-Island ganzjährig geplant
Auch das Pangea Festival findet auf dem ehemaligen Militärflugplatz Pütnitz statt. Nach dem derzeit bekannten Plan soll das Festival trotz des Verkaufs aber weiter in Pütnitz stattfinden. Center Parcs soll offenbar nicht das gesamte rund 250 Hektar große Projektgebiet übernehmen, sondern nur die etwa 100 Hektar große Teilfläche für den Ferienpark.
Die Supreme GmbH, Veranstalterin des Pangea Festivals, bleibt ein eigenständiger Partner des Bernsteinresorts und plant dort zusätzlich den ganzjährigen Sport- und Erlebnispark „Pangea Island“. Für den 5. bis 8. August 2027 ist das nächste Pangea Festival bereits in Pütnitz angekündigt.
Informationstag auf dem Gelände am 4. Oktober
Am Sonntag, 4. Oktober, lädt die Stadt ab 11 Uhr zu einem Informations- und Erlebnistag auf das Pütnitzer Gelände ein. Vertreter der Verwaltung, Fachplaner und Projektpartner sollen dort den aktuellen Stand vorstellen.
Zu den angekündigten Themen gehören die Altlastensanierung, der Bebauungsplan, Natur- und Artenschutz, Verkehr, Infrastruktur, Arbeitsplätze und Fachkräftesicherung.
Ob dabei auch konkrete Angaben zum Kaufpreis, zu den Vertragsbedingungen und zur Verteilung weiterer Kosten gemacht werden, ist offen. Gerade diese Fragen dürften für die weitere öffentliche Debatte entscheidend sein.
Das Projekt ist eines der größten, aber auch umstrittensten Tourismusvorhaben in MV. Ob der Ferienpark tatsächlich Ende 2030 eröffnen kann, hängt vor allem vom Verlauf der Genehmigungsverfahren, möglichen Rechtsstreitigkeiten und der weiteren Kostenentwicklung ab.
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