Über dem Erdinger Moos kreisen normalerweise Flugzeuge. An diesem Mittwoch kreist dort ein Polizeihubschrauber – auf der Suche nach einer Katze, die es in Bayern eigentlich nicht geben dürfte.
Im Notzinger Moos in der Gemeinde Oberding, nur wenige Kilometer vom Flughafen München entfernt, ist möglicherweise ein Puma unterwegs. „Nach erster fachlicher Einschätzung könnte es sich um einen Puma handeln“, sagte eine Sprecherin des Landratsamts Erding der Deutschen Presse-Agentur.
Ein Video aus der Nacht
Angefangen hat alles in der Nacht auf Mittwoch. Eine Privatperson sah das Tier im Notzinger Moos und filmte es, wie der Münchner Merkur berichtet. Behördensprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer bestätigte dem Blatt die Sichtung.
Die Aufnahme ging ans Landratsamt, Fachleute werteten sie aus. Ergebnis: Puma nicht ausgeschlossen. Veröffentlichen will die Behörde das Material vorerst nicht.
Wichtig bleibt: Bestätigt ist der Puma nicht. Eine abschließende Bestimmung der Tierart steht aus.
Hubschrauber, Drohnen, Streifenwagen
Die Polizei hat ihre Suche am Nachmittag deutlich ausgeweitet. Ein Hubschrauber und Drohnen suchen das Gelände von oben ab, am Boden fahren Streifenwagen. Eine Polizeisprecherin sagte der dpa, die Suchmaßnahmen seien in vollem Gange, das Tier sei aber bislang nicht gesehen worden.
Das Notzinger Moos ist ein Naturschutzgebiet zwischen Oberding und Moosinning. Wiesen, Gräben, Gehölzstreifen: Wer sich verstecken will, findet hier reichlich Deckung. Eine Wärmebildkamera hilft da nur bedingt.
Was Anwohner jetzt tun sollen
Das Landratsamt bittet auf Facebook „vorsorglich um erhöhte Vorsicht“. Hunde sollen nur angeleint ins Freie, kleine Kinder nicht unbeaufsichtigt draußen spielen.
Wer das Tier sieht, soll sich keinesfalls nähern und sofort die Polizeiinspektion Erding unter 08122 968-0 anrufen. Panik will die Behörde ausdrücklich nicht auslösen.
Woher soll ein Puma im Erdinger Moos kommen?
Das ist das eigentliche Rätsel. Woher das Tier stammen könnte, ist laut Landratsamt völlig unklar. Erkenntnisse über einen Zirkus mit Raubkatzen, der in der Gegend gastiert, gebe es derzeit nicht.
Pumas leben von Natur aus auf dem amerikanischen Kontinent. Das Jäger-Magazin merkt trocken an, eine private Puma-Haltung hätte sich spätestens beim Bäcker herumgesprochen. Es hält auch eine Verwechslung für denkbar, etwa mit einem Reh im grauen Winterfell.
PETA: „Ein Puma-Ausbruch wäre keine Überraschung“
Kaum kreiste der Hubschrauber, meldete sich die Tierrechtsorganisation PETA aus Stuttgart. „Ein Puma-Ausbruch wäre keine Überraschung, denn die Haltung von gefährlichen Tieren in Deutschland ist noch immer größtenteils erlaubt – und das ist ein Skandal“, erklärte Jana Hoger, Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei PETA.
Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre das aus Sicht der Organisation „die vorhersehbare Folge einer seit Jahren komplett verfehlten Politik“. PETA fordert von der Bundesregierung ein Verbot, Großkatzen, Affen und Schlangen privat oder im Zirkus zu halten. Auch Tierparks sollen nach dem Willen der Organisation keine Wildtiere mehr zeigen.
Ganz so einfach, wie es klingt, ist die Rechtslage allerdings nicht. Ein bundesweites Verbot gibt es tatsächlich nicht, die Länder regeln das selbst. In Bayern braucht laut Artikel 37 des Landesstraf- und Verordnungsgesetzes jeder, der ein gefährliches Wildtier halten will, eine Erlaubnis der Gemeinde. Die gibt es nur bei berechtigtem Interesse und zuverlässigem Halter. Wer ohne hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit.
Ein Puma im Wohnzimmer wäre in Oberding also nicht einfach erlaubt. Er wäre der Gemeinde bekannt – oder illegal.
Deutschland und seine Phantom-Raubkatzen
Skepsis ist angebracht, die Bilanz solcher Alarme ist durchwachsen. Im Sommer 2025 sorgte ein Video vom Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt für bundesweiten Puma-Alarm. Der Bürgermeister ließ die Szene nachstellen, an derselben Stelle lief eine Hauskatze durchs Bild. Die Suche wurde eingestellt, wie t-online erinnert.
In Berlin weckt der Fall Erinnerungen an den Sommer 2023. Damals suchte ein Großaufgebot am Stadtrand tagelang nach einer vermeintlichen Löwin. Am Ende war es höchstwahrscheinlich ein Wildschwein.
Wie gefährlich ist ein Puma?
Sollte es doch ein Puma sein: Die Tiere gelten als scheu und gehen Menschen in der Regel aus dem Weg. Angriffe sind auch in Amerika selten. Unterschätzen sollte man ihn trotzdem nicht, ausgewachsene Männchen sind deutlich schwerer als ein Schäferhund.
Ein kurioses Detail zum Schluss: Der Puma kann nicht brüllen. Er faucht, pfeift und schnurrt wie eine Hauskatze, nur in groß. Wer heute Nacht im Notzinger Moos ein Schnurren hört, sollte also trotzdem die Polizei anrufen.
Hier lesen Sie den ersten Bericht der Berliner Zeitung zur Puma-Sichtung.
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