Vom 11. bis 13. September wird das Erzgebirge zur Bühne für zeitgenössische Kunst, regionale Traditionen und ungewöhnliche Begegnungen: Das Purple Path-Wochenende verbindet Chemnitz mit zahlreichen Kommunen der Region. Zwischen Bergbaugeschichte, Lichtkunst, Orgelmusik, Dorffesten und kreativen Mitmachaktionen entsteht ein dichtes Programm für sehr unterschiedliche Interessen.
Der Purple Path, ein Projekt der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025, macht Kunst im öffentlichen Raum sichtbar und verknüpft sie mit Orten, Geschichten und Menschen der Region. Das kommende Wochenende bietet deshalb ein breites Portfolio : wandern, radeln, singen, bauen, zuhören oder einfach nachts durch illuminierte Landschaften streifen.
Die OAZ empfiehlt zehn ausgewählte Höhepunkte – für Familien, Kunstfans, Musikliebhaber, Aktive und Nachtschwärmer.
1. Kunst erleben: „Tiefenzeit“ in der Geyerschen Binge
Ein ehemaliger Bergbaukrater, steile Felswände, Dunkelheit – und mittendrin Licht und Klang: Die begehbare Installation „Tiefenzeit“ dürfte einer der eindrucksvollsten Programmpunkte des Purple Path-Wochenendes sein. Der international arbeitende Künstler Philipp Frank verwandelt die Geyersche Binge (Bingeweg 21) in einen audiovisuellen Resonanzraum. Licht, Klang und Bewegung greifen dabei die geologischen Kräfte auf, die über Jahrmillionen unter der Erdoberfläche gewirkt haben.
Die Installation läuft Freitag–Sonntag jeweils 20–0 Uhr, letzter Einlass ist um 23.15 Uhr. Das Angebot richtet sich an Kunstpublikum ebenso wie an Menschen, die einen außergewöhnlichen Abendausflug suchen. Festes Schuhwerk wird empfohlen.
2. Für Familien: Lesefest, Quiz und kreative Werkstätten
Das Purple Path-Wochenende ist nicht nur für Kunstkenner gemacht. Familien finden zahlreiche niedrigschwellige Angebote, die Kunst mit Spiel, Geschichten und Handwerk verbinden.
Ein zentraler Familientipp ist das Lesefest „Aufgeschlagen und abgetaucht“ in der Stadtbibliothek Lugau. Am Freitagabend beginnt das Format mit einer stimmungsvollen Lesung. Am Samstag und Sonntag folgt ein interaktives Programm mit Illustrationswerkstatt, Taschenlampenlesung, Hörspiel-Workshop, Vorleseinseln und weiteren Mitmachangeboten. Das dürfte besonders Kinder ansprechen, die Bücher nicht nur vorgelesen bekommen, sondern selbst kreativ werden wollen.
Ebenfalls passend für Familien: das Purple Path-Quiz für Kinder in Augustusburg am Freitag und Samstag, die Lesewanderung mit Bibliotheksgespenst Freddie am Freitag in Niederwiesa oder die Familien-Holzwerkstatt „Die Lichtung im Zauberwald“ am Samstag in Oederan. Dort entsteht gemeinsam eine Fantasiewelt aus Holz – ein schönes Gegenangebot zum klassischen Museumsbesuch.
Wer Kunst spielerisch entdecken möchte, sollte außerdem bei den mobilen Skulpturen „Die Wildschweine auf Reisen“ in Ehrenfriedersdorf vorbeischauen. Das Format kombiniert Kunst im öffentlichen Raum mit Kreativworkshops und ist am Samstag sowie Sonntag geplant.
3. Nachtschwärmer-Tipp: Von Purple Night bis zum Rave
Wenn die Dämmerung einsetzt, wechselt das Purple Path-Wochenende den Charakter. Besonders Thalheim treibt es bunt: Bei der „Purple Night: Thalheim in lila Licht“ verwandelt sich der Buntsockenpark am Freitag und Samstag in einen Ort für Lichtinstallation, Musik, Wanderung und Mitmachangebote. Am Sonntag folgt dort Open-Air-Karaoke an Purple Path-Kunstwerken – ein bewusst unkompliziertes Format für Menschen, die Kultur eher gemeinsam feiern als ehrfürchtig betrachten wollen.
Das Thalheimer Erzgebirgsbad ist seit seiner Schließung erst ein Erstaufnahmelager für Flüchtlinge gewesen und nun ein Lost Place. Am Samstag tobt hier das Leben – ein Rave ist im Rahmen des Purple Path-Wochenendes angesagt.
© Johannes Richter
Deutlich später wird es beim „Rave im Erzgebirgsbad Thalheim“: Am Samstagabend ab 22 Uhr ist elektronische Musik im Lost Place angekündigt. Damit setzt das Wochenende einen Kontrapunkt zu Orgelkonzerten, Führungen und traditionellen Festen. Hier kann man das Erzgebirge einmal fernab vertrauter Klischees erleben.
Auch Freiberg bleibt am Sonntag lange wach. Die „Freiberger Nachtschicht“ verbindet Kneipennacht, Nacht-Shopping und Kulturangebote bis Mitternacht in Obermarkt und Altstadt.
4. Lichtkunst: Kohle-Welt angestrahlt und Yoga-Sessions
Mit „Beyond Horizons 2025“ von James Turrell steht in der KohleWelt Oelsnitz eine immersive Lichtinstallation in einer umgestalteten Industriehalle auf dem Programm. Turrells Arbeiten beschäftigen sich mit Licht, Raum und Wahrnehmung – und passen damit gut in die ehemalige Bergbaulandschaft des Erzgebirges.
Die Installation ist an allen drei Tagen geöffnet. Am Freitag gibt es zudem Vorträge zu Lichtkunst und James Turrell sowie zur Transformation der Halle 18. Beide Formate schließen den Besuch der Installation ein. Wer nicht nur schauen, sondern den Raum körperlich erfahren möchte, kann am Samstag bei „Licht & Bewegung: Yoga beyond horizons“ mitmachen. Yoga mit Blick auf das Portal der Lichtinstallation ist ein ungewöhnliches Angebot für Kultur- und Entspannungsinteressierte.
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5. Musik: Von Silbermann bis zur Impro-Oper unter Tage
Das musikalische Spektrum des Wochenendes ist erstaunlich breit. In Freiberg laden mehrere Formate dazu ein, die Tradition des Orgelbaumeisters Gottfried Silbermann neu zu entdecken. Dazu gehören die Ausstellung „Silberklang & Handwerkskunst“, eine Mittagsmusik an der Silbermann-Orgel in der Jakobikirche sowie Führungen mit historischer Perspektive.
Ein besonderer Tipp Klassikfans ist das Abschlusskonzert des Musikfestes Erzgebirge: Am Sonntag erklingt Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Elias“ in der St.-Georgen-Kirche in Schwarzenberg. Für einen eher ungewöhnlichen Klangraum sorgt dagegen die Impro-Oper unter Tage mit dem Ensemble LaTraviata in den Zinnkammern Pöhla. Wer es lockerer mag, findet beim Akustik-Konzert an Michael Sailstorfers Skulptur „Fließgleichgewicht“ in Zschopau oder bei Oederan Unplugged Live-Musik zwischen Markt und Natur- und Kunstpark.
6. Workshops: Von Linoldruck bis Windskulptur
Das Purple Path-Wochenende setzt nicht allein auf Konsum, sondern lädt an vielen Orten zum Mitmachen ein. Besonders vielfältig sind die Workshops am Freitag und Samstag.
In Augustusburg können Besucher beim „Purple Path Postal“ mit Linoldruck eigene Postkarten gestalten und tauschen. Der Workshop verbindet handwerkliche Technik mit einer einfachen, sympathischen Idee: Kunst wird verschickt, geteilt und weitergetragen. Ebenfalls in Augustusburg entsteht bei „Luft in Form“ eine kinetische Windskulptur, inspiriert von Arbeiten des Künstlers Axel Anklam.
In Seiffen steht beim Workshop „Kunst trifft Handwerk“ der Holzspan im Mittelpunkt. Das traditionsreiche Material wird zeitgenössisch neu interpretiert. In Mittweida wiederum wird bei „Cumulativ“ über drei Tage gemeinsam eine Skulptur aus Holz gebaut. Das inklusive Projekt verbindet Menschen über praktisches Arbeiten und gemeinsames Gestalten. Für Kinder und Jugendliche dürfte das Loop-Festival im Esche-Museum Limbach-Oberfrohna interessant sein. Dort stehen Mitmachangebote und Workshops auf dem Programm, unter anderem das Gestalten eines persönlichen Monsters.
7. Zu Fuß und per Rad: Kunst und Landschaft verbinden
Per pedes oder per Rad: Im Erzgebirge kann man am Wochenende Natur und Kultur bestens verbinden.
© Thomas Warnack/dpa
Wer das Wochenende aktiv verbringen will, muss sich nicht zwischen Sport und Kultur entscheiden. Mehrere Touren führen direkt zu Werken des Purple Path oder verbinden sie mit regionaler Geschichte. Am Samstag startet eine Fahrrad-Freizeit-Tour rund um Stollberg, die vom Bürgerpark bis zur Gedenkstätte Hoheneck und zu Leonora Salihus Skulptur „Bogen“ führt. Am Sonntag folgt eine Fahrradtour von Jahnsdorf nach Chemnitz, inklusive Picknick am Kunstwerk. Zusätzlich ist eine Stadtradeln-Sternfahrt von Lichtenstein nach Chemnitz angekündigt.
Für Wanderfreunde bietet sich am Sonntag die Tour „Kunst und Bergbau“ von Aue-Bad Schlema nach Schneeberg an. Die zweistündige Wanderung verbindet die Montanlandschaft mit zeitgenössischer Kunst. Wer lieber bequem unterwegs ist, kann an den Bustouren entlang des Purple Path teilnehmen. Sie starten in Chemnitz und erzählen die Geschichte der Region anhand ausgewählter Kunstwerke.
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8. Für Fans von Handwerk, Geschichte und Regionalkultur
Das Erzgebirge zeigt sich am Purple Path-Wochenende auch als Kulturraum des Handwerks. Im Freibergsdorfer Hammer kann man am Samstag einem Hammerschmied über die Schulter schauen. In Annaberg-Buchholz widmet sich eine Ausstellung Franz Joseph Gerstner, einem Pionier der technischen Wissenschaften aus Chomutov. In Olbernhau lockt die Saigerhütte mit historischem Lagerleben, Schaukämpfen, Kanonendonner und Livemusik.
Wer tiefer in regionale Geschichten eintauchen möchte, findet in Freiberg gleich mehrere Stationen: das Stadt- und Bergbaumuseum mit der Ausstellung „Licht im Schacht“, das Bergarchiv mit Zeugnissen jüdischer Geschichte und die terra mineralia mit Mineralen, Edelsteinen und Meteoriten aus aller Welt. Auch der „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag erweitert das Wochenende um historische Perspektiven. In Augustusburg öffnen sich verborgene Räume des Schlosses, in Hainichen findet die zentrale sächsische Auftaktveranstaltung statt, und in Oederan ist im Dorfmuseum Gahlenz ein historischer Pferdegöpel zu erleben.
9. Kunstspaziergänger: Offene Höfe und neue Perspektiven
Wer Kunst am liebsten ohne feste Museumswände entdeckt, sollte Schwarzenberg, Schneeberg und Limbach-Oberfrohna auf die Liste setzen. In Schwarzenberg öffnen bei „Kunst in Höfen und Stuben“ Ateliers, Höfe und Läden ihre Türen. Kunst, Musik und Handwerk verteilen sich durch die Altstadt und machen den Rundgang selbst zum Erlebnis.
In Schneeberg wird am Samstag der Urban Path eröffnet. Rund um das Werk „Coin Stack 2“ entsteht ein neuer Kunstweg mit urbaner Kunst. In Callenberg beginnt der Skulpturenparcours „Callenberger Perspektiven“ mit Führungen und Dorffest. Beide Angebote zeigen, dass der Purple Path nicht nur bereits bestehende Werke präsentiert, sondern auch neue Orte und Verbindungen schafft.
10. Für Flexible: Drei Tage, viele Einstiege
Die besondere Stärke des Purple Path-Wochenendes liegt in seiner Vielfalt. Es gibt kein einzelnes Pflichtprogramm und keine „richtige“ Art, die Region zu entdecken. Familien können sich auf Lesefeste und Werkstätten konzentrieren, Kunstfans auf Turrell, „Tiefenzeit“ und Ausstellungen. Musikliebhaber finden zwischen Orgel, Chorwerk, Karaoke und Rave ihre eigene Route. Aktive Besucherinnen und Besucher können Kunst mit Wanderung oder Radtour verbinden.
Gerade deshalb lohnt es sich, ein wenig zu planen: Einige Führungen, Workshops und Touren erfordern auch eine Anmeldung, bei anderen Veranstaltungen fallen Eintrittskosten an. Das Purple Path-Wochenende zeigt das Erzgebirge als offene Kulturregion: traditionsbewusst, experimentierfreudig, manchmal still und manchmal sehr laut – aber immer in Bewegung.
Alle Programminformationen gibt es auf der Website des Purple Path.
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