Der russische Präsident Wladimir Putin beziffert den durch ukrainische Angriffe verursachten Schaden für Russland auf rund ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Innerhalb von 40 Tagen seien etwa 100 Schiffe beschädigt worden, sagte Putin am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Bischkek, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete.
Nach Angaben von Bloomberg bezogen sich Putins Angaben auf eine seit Juni laufende Serie ukrainischer Angriffe. Diese habe unter anderem Auswirkungen auf die russische Schifffahrt und Infrastruktur am Schwarzen Meer. Putin sagte Bloomberg zufolge zudem, dass noch etwa zehn Prozent der russischen Raffinerien nach ukrainischen Drohnenangriffen repariert werden müssten.
„Faktische Schließung des russischen Luftraums“: Selenskyj warnt zivile Luftfahrt – Putin reagiert
Putin: 40 Schiffe wurden in zwei Wochen beschädigt
„Ich denke, dass sie uns tatsächlich Schaden zugefügt haben“, sagte Putin laut Interfax. In den ersten beiden Wochen seien etwa 40 Schiffe beschädigt worden, insgesamt innerhalb von 40 Tagen rund 100. Dabei seien auch Seeleute ums Leben gekommen, darunter Staatsangehörige Aserbaidschans und der Türkei.
Den Gesamtschaden bezifferte Putin nach vorläufigen russischen Berechnungen auf „etwa ein Prozent des BIP“. Dies sei für Russland kein kritischer Schaden, sagte Putin. „Sie können uns keinen kritischen Schaden zufügen. Aber der Schaden ist trotzdem da“, wurde er von Interfax zitiert.
Auswirkungen auf Öl- und Getreideexporte
Die Angriffe haben laut Bloomberg unter anderem Auswirkungen auf russische Rohölexporte über den Seeweg. In den vier Wochen bis zum 23. August seien diese auf durchschnittlich 3,46 Millionen Barrel pro Tag zurückgegangen.
Zudem seien im August drei große Getreideterminals im Schwarzmeerhafen Noworossijsk nach einem Drohnenangriff vorübergehend außer Betrieb gewesen. Über die Schwarzmeerroute würden mehr als 70 Prozent der russischen Getreideexporte abgewickelt, berichtete Bloomberg.
Gesenkte Wirtschaftsprognosen
In Russland wird laut Reuters in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent gerechnet. Zuvor sei ein Wachstum von 1,3 Prozent prognostiziert worden, berichtete die Nachrichtenagentur im Mai.
Auch das ukrainische Wirtschaftsministerium will seine bisherige Prognose eines BIP-Wachstums von rund 1,3 Prozent für 2026 nach unten korrigieren; die Folgen russischer Angriffe könnten das erwartete Wachstum um bis zu 0,5 Prozentpunkte verringern, sagte Wirtschaftsminister Oleksandr Krawtschenko laut der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine vor einigen Tagen.
Selenskyj: Russischer Luftraum „effektiv geschlossen“ – Putin reagiert
Putin äußerte sich zudem zu einer Warnung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an Fluggesellschaften und Versicherer. Selenskyj hatte am Dienstag erklärt, der Einsatz ukrainischer Drohnen mache den russischen Luftraum gefährlich. Der russische Luftraum werde dadurch „faktisch geschlossen“, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft, wie Reuters berichtete.
Zugleich betonte er, die Ukraine stelle keine Gefahr für die zivile Luftfahrt dar. Allerdings würden weiterhin Drohnen im russischen Luftraum eingesetzt, was entsprechend berücksichtigt werden müsse. Putin bezeichnete die Äußerungen laut der russischen Nachrichtenagentur Tass als „Ansage zu staatlichem Terrorismus“.
Der Kreml-Chef stellte zudem einen Zusammenhang mit Selenskyjs Forderung nach einem persönlichen Treffen her. „Sie fordern uns auf, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Aber mit Terroristen verhandelt man nicht“, sagte Putin.
Gleichzeitig erklärte er nach Angaben von Reuters, Moskau sei grundsätzlich offen für Gespräche, wenn diese auf ein Ende und nicht lediglich auf ein Einfrieren des Krieges zielten. Wer einen konkreten Beitrag zu diesem Prozess leisten könne, sei willkommen. Die von den USA angestoßenen Verhandlungen liegen seit Monaten weitgehend auf Eis.
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