Die queere Community in Mecklenburg-Vorpommern ist überschaubar. Aber sehr aktiv und vor allem gut vernetzt. Auch sie steht unter dem Eindruck des Angriffs auf den CSD in Berlin. „Ich war diesmal zum ersten Mal seit 20 Jahren nicht da. Aber viele aus meiner Community, die ich kenne. Zum Glück geht es allen gut, aber es hat alle auch sehr mitgenommen“, erzählt Christian Arnold Krüger. Der Vorsitzende von Queerstrelitz ist erst vor zwei Jahren mit seinem Partner aus Berlin in ein kleines Dorf in der Mecklenburgischen Seenplatte gezogen, um den Erbhof seiner Familie zu sanieren und zu bewohnen. Aufgewachsen ist er in Neustrelitz.
Christian Krüger ist auch Protagonist des 2025 erschienenen Dokumentarfilms „Queer in der Provinz“ von Caroline Hillner. 2018 gründete er „Queerstrelitz“, alle zwei Jahre organisiert der Verein einen CSD in der Kleinstadt mit 20.000 Einwohnern, so auch 2026. Inzwischen wechselt sich Queerstrelitz mit „QueerNB“ aus Neubrandenburg ab, wo es schon 1998 einen CSD gab.
Mahnwache für Opfer am 27. Juli in Neubrandenburg
Auf die Frage, ob der CSD nun trotz des Anschlags in Berlin am 15. August in Neustrelitz stattfinden wird, antwortet Christian Krüger bestimmt: „Auf jeden Fall! Jetzt erst recht!“ Das habe er auch auf seiner Rede bei der Mahnwache für die Opfer des Anschlags auf den Berliner CSD am Montag in Neubrandenburg gesagt.
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„150 Menschen waren dort. Ich habe mit 50 gerechnet“, sagt Nils Berghof, der Sprecher von „QueerNB“ und Organisator der Mahnwache. In Neubrandenburg finden vom 4. bis 28. August auch die CSD-Kulturwochen statt.
Dass die Stimmung in der queeren Community nach dem Anschlag eher ein „Jetzt erst recht“ sei als ein Rückzug, bestätigt auch der Landesverband „Queer MV“: „Wir lassen uns durch Hass und Gewalt nicht einschüchtern. Wir bleiben laut, bunt und sichtbar“, sagt die Leiterin der Landesgeschäftsstelle Carolin Philipp.
„Wir haben schon lange mit einem Anschlag gerechnet“
Beim CSD in Neustrelitz werden etwa 1000 Menschen erwartet. Start ist um 14 Uhr am Bahnhof. Anschließend wird von 17 bis 22 Uhr ein Demokratiefest auf dem Schlossberg mit Musikern, Künstlern und DJs gefeiert. „Ich vermute, dass es einige Leute geben wird, die solche Veranstaltungen jetzt meiden“, sagt Christian Krüger. „Aber dafür wird es viele ‚straight Allies‘ geben, also heterosexuelle Unterstützer, die uns ihre Solidarität zeigen wollen. Das rufen wir unseren Followern jetzt überall zu: ‚Bringt alle mit! Denn es geht nicht nur um uns, sondern es geht wirklich um unsere Art zu leben in einer offenen Gesellschaft!'“
Ob das Sicherheitskonzept für den CSD in Neustrelitz wegen des Anschlags in Berlin verändert wurde? „Ganz ehrlich? Wir in der Community haben schon lange mit einem solchen Anschlag gerechnet. Wir denken, wir sind das ideale Anschlagziel nicht nur für Islamisten, sondern auch für Rechte. Deshalb haben wir uns schon lange mit neuen Sicherheitskonzepten beschäftigt und zum Beispiel das Demokratiefest auf den Schlossberg verlegt. Denn von dort gibt es Fluchtwege in alle Richtungen. Und es gibt dort überall Poller, da kann kein Fahrzeug unkontrolliert auf das Gelände fahren.“ Auch wenn es schwieriger und teurer sei, das Fest nach dem CSD dort zu feiern. „Außerdem haben wir unser Security-Personal verstärkt.“
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Aber auch die Route der CSD-Demonstration wurde abgeändert. „Wir meiden jetzt soweit es geht Hauptstraßen und gehen durch kleine Straßen, die wir zumeist vollständig absperren können. Aber natürlich können wir nicht alles mit Pollern abriegeln, das übersteigt unsere finanziellen Möglichkeiten.“ Die Zusammenarbeit mit der Polizei sei von Anfang an gut gewesen. „Wir haben auch am Sonntag nach dem Anschlag sofort wegen unseres CSDs in Neustrelitz telefoniert“, sagt Christian Krüger.
Polizei passt Maßnahmen an jeweilige Lage an
Für die Absicherung der Demonstration nach außen ist die Polizei zuständig, sie ist verpflichtet, das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit durchzusetzen. „Durch die Polizei erfolgt eine fortlaufende Lagebeurteilung, sodass Maßnahmen stetig an aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse angepasst werden. Dies geschieht in enger Abstimmung mit dem Veranstalter und der zuständigen Versammlungsbehörde. Zu konkreten Sicherheitsmaßnahmen können wir aus polizeitaktischen Gründen keine Angaben machen“, antwortete eine Sprecherin auf eine Anfrage der Redaktion beim Polizeipräsidium Neubrandenburg.
CSD-Kulturwochen Neubrandenburg 2026
„Wir möchten nicht, dass der Anschlag auf den CSD das Land in Atem hält“, sagt Nils Berghof aus Neubrandenburg. Er war 2025 der erste Bürger der Vier-Tore-Stadt, der für sein queeres Ehrenamt gewürdigt wurde. „Wir arbeiten gerade mit Hochdruck daran, unsere Sicherheitskonzept für die CSD-Kulturwochen nach dem Anschlag in Berlin anzupassen. Wir sind in engem Austausch mit der Polizei.“ So werde die Polizei häufiger mit Polizeistreifen bei den Veranstaltungsorten sein und das Security-Personal für Evakuierungen geschult.
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