Großbritannien

Terrorverdacht an US-genutzter Luftwaffenbasis: Britisch-iranischer Doppelstaatler festgenommen

Nach fünf Festnahmen nahe RAF Fairford nimmt die britische Anti-Terror-Polizei einen weiteren Mann fest. Ermittler prüfen ausdrücklich eine mögliche Beteiligung eines ausländischen Staates.

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Bewaffnete Polizisten sichern Zufahrten zur RAF Fairford. Fünf Männer wurden nach einem Terrorverdacht nahe dem Luftwaffenstützpunkt festgenommen.

Bewaffnete Polizisten sichern Zufahrten zur RAF Fairford. Fünf Männer wurden nach einem Terrorverdacht nahe dem Luftwaffenstützpunkt festgenommen.

© Marcin Nowak/imago

Die britische Anti-Terror-Polizei hat im Zusammenhang mit dem rätselhaften Vorfall an der Luftwaffenbasis RAF Fairford einen weiteren Mann festgenommen. Bei dem 27-Jährigen handelt es sich nach offiziellen Angaben um einen Mann mit britischer und iranischer Staatsangehörigkeit. Er wurde am Donnerstag im Londoner Stadtbezirk Westminster wegen des Verdachts auf Vorbereitung terroristischer Handlungen festgenommen. 

Ein weiterer 26-jähriger britischer Staatsbürger wurde im Rahmen der Ermittlungen vernommen, aber nicht festgenommen. Zudem durchsuchten Ermittler zwei Gebäude in Westminster. Vicki Evans, nationale Koordinatorin der britischen Anti-Terror-Polizei, bezeichnete die Ermittlungen als „hugely complex“, also äußerst komplex. Die Behörden gingen mehreren Spuren nach, darunter ausdrücklich einer möglichen Beteiligung eines ausländischen Staates.

RAF Fairford liegt in Gloucestershire im Westen Englands. Die britische Luftwaffenbasis wird seit Jahren von US-Streitkräften genutzt. Nach Angaben von Reuters starteten von dort zuletzt auch amerikanische Missionen gegen den Iran.

Fünf Männer mit drei Fahrzeugen nahe RAF Fairford

Der Fall begann in der Nacht zum Sonntag. Gegen 0.45 Uhr erhielt die Polizei eine Meldung über drei verdächtige Fahrzeuge, die offenbar in Richtung RAF Fairford unterwegs waren. Bewaffnete Beamte nahmen anschließend im nahe gelegenen Whelford fünf Männer fest. Sie sind zwischen 23 und 25 Jahre alt, besitzen die britische Staatsangehörigkeit und leben in London.

Zunächst wurden die Männer wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz festgenommen, später zusätzlich wegen des Verdachts auf Vorbereitung einer terroristischen Tat. Alle fünf wurden am Montag gegen Auflagen auf Kaution freigelassen. Die Polizei betonte ausdrücklich, dass sie weiterhin Gegenstand der Ermittlungen seien.

Die drei Fahrzeuge wurden mit Unterstützung des Militärs und von Forensikern untersucht. Sprengsätze fanden die Ermittler nicht. Allerdings wurde eine Menge Benzin sichergestellt.

US-Bomber auf der RAF Fairford. Der Stützpunkt wird von der US-Luftwaffe genutzt und gilt als strategisch wichtiger Standort.

US-Bomber auf der RAF Fairford. Der Stützpunkt wird von der US-Luftwaffe genutzt und gilt als strategisch wichtiger Standort.

© Doug Seeburg/imago

Verdächtiger soll selbst den Notruf gewählt haben

Ein ungewöhnliches Detail sorgt weiterhin für Fragen. Nach Recherchen der BBC und der Financial Times soll einer der fünf Männer selbst den Notruf 999 gewählt haben – und zwar bereits gegen 0.45 Uhr, fast eine Stunde bevor eine Anwohnerin ebenfalls die Polizei alarmierte. Warum der Mann den Notruf wählte und was er den Beamten sagte, ist bislang nicht bekannt.

Die Anwohnerin aus Whelford berichtete der BBC, sie habe gegen 1.36 Uhr drei Transporter entdeckt, die ungewöhnlich auf der Straße gestanden hätten. In der Nähe habe sie eine größere Gruppe vermummter Männer gesehen. Als diese ihr Auto bemerkten, seien einige davongelaufen. Wenige Minuten nach ihrem Notruf seien bewaffnete Polizisten eingetroffen.

Rund 85 Haushalte in der Umgebung wurden während des Polizeieinsatzes vorsorglich evakuiert.

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Ermittler prüfen mögliche Beteiligung des Iran

Die britischen Behörden untersuchen inzwischen ausdrücklich, ob ein ausländischer Staat hinter dem Vorfall stehen könnte. Die Anti-Terror-Polizei hatte bereits vor der jüngsten Festnahme erklärt, geprüft werde auch, ob Beteiligte wissentlich oder unwissentlich als Stellvertreter eines anderen Staates gehandelt haben könnten.

Der britische Premierminister Andy Burnham sprach laut Reuters von „starken Hinweisen“ auf eine mögliche Beteiligung des Iran, betonte aber zugleich, dass die polizeilichen Ermittlungen noch liefen. Teheran weist jede Verwicklung zurück und bestellte wegen der Vorwürfe den britischen Botschafter ein.

Die Festnahme des britisch-iranischen Doppelstaatlers ist für sich genommen kein Beleg für eine staatliche Beteiligung des Iran. Die Anti-Terror-Polizei erklärte am Donnerstag erneut, dass sämtliche Möglichkeiten geprüft würden.

RAF Fairford besitzt wegen seiner Nutzung durch die US-Luftwaffe besondere strategische Bedeutung. Die Basis wurde von amerikanischen Langstreckenbombern genutzt und spielte zuletzt auch bei US-Operationen gegen den Iran eine Rolle.

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