Landwirtschaft

Nach AfD-Sieg: Was Sachsen-Anhalts Bauern jetzt von der Politik erwarten

Bauernverband, Bauernbund, AbL und Landjugend reagieren unterschiedlich auf den AfD-Sieg – und setzen jetzt sehr verschiedene Prioritäten.

3 Min
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund: Die Agrarverbände reagieren unterschiedlich auf das Ergebnis.

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund: Die Agrarverbände reagieren unterschiedlich auf das Ergebnis.

© Chris Emil Janssen/Imago

Der AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt verändert auch für die Landwirtschaft die politische Ausgangslage. Zwei Tage nach der Wahl richten die Verbände ihren Blick auf die nächste Landesregierung.

Im Mittelpunkt stehen vor allem Planungssicherheit, der Zuschnitt des Landwirtschaftsressorts, der Umgang mit Agrarflächen und die Zukunft des ländlichen Raums. Einige Verbände werden dabei deutlich politischer als andere.

Bauernverband sieht „Regierungsauftrag“

Der Bauernverband Sachsen-Anhalt verweist auf Anfrage dieser Zeitung auf den deutlichen Stimmenzuwachs für die AfD und ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. „Die von der AfD angestrebte absolute Mehrheit wurde nicht erreicht, das Ergebnis ist aber ein Regierungsauftrag für die AfD“, heißt es in der Antwort.

Wie die nächste Landesregierung aussehen könnte, sei derzeit nicht belastbar vorherzusagen. Weitere Aussagen will der Verband zunächst nicht treffen.

Bauernbund fordert schnelle Klarheit

Deutlicher wird der Bauernbund Sachsen-Anhalt. In einem Pressestatement vom 8. September gratuliert der Verband dem Wahlsieger und fordert zugleich eine zügige Regierungsbildung.

„Angesichts der aktuellen agrarpolitischen Herausforderungen ist es uns wichtig, dass eine stabile politische Regierung klare Verhältnisse und Planungssicherheit für unsere Landwirtschaftsbetriebe schafft“, erklärt Präsident Martin Dippe. Zugleich stellt der Verband eine konkrete Forderung: Landwirtschaft und Umwelt sollen wieder in einem gemeinsamen Ministerium gebündelt werden. Die „Wiedervereinigung der Ressorts Landwirtschaft und Umwelt“ sei ein besonderes Anliegen.

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AbL warnt – und fordert Schutz für Agrarflächen

Ganz anders fällt die Reaktion der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft aus. Die AbL spricht von einem historischen Einschnitt und zeigt sich besorgt über das Erstarken „rechtsextremer Kräfte“.

Landesgeschäftsführerin Jessica Haby fordert zugleich, die Probleme der Höfe nicht weiter aufzuschieben. Dazu gehören aus Sicht der AbL steigende Bodenpreise, Flächenkonkurrenz, Marktmacht und fehlende Planungssicherheit.

Besonders wichtig ist dem Verband der Schutz landwirtschaftlicher Flächen. Verkäufe an außerlandwirtschaftliche Investoren sollen gestoppt werden. Zudem fordert die AbL mehr Unterstützung für Existenzgründungen und regional arbeitende Betriebe. Schon vor der Wahl hatte der Verband vor steigenden Kauf- und Pachtpreisen sowie dem Verlust vielfältiger Agrarstrukturen gewarnt.

Landjugend setzt auf ländlichen Raum statt Parteipolitik

Die Landjugend Sachsen-Anhalt will das Wahlergebnis dagegen nicht parteipolitisch bewerten. Der Verband sei überparteilich, sagt René Möhring auf Anfrage dieser Zeitung. Bei rund 361 Mitgliedern seien sehr unterschiedliche politische Positionen vertreten. „Eine gemeinsame politische Auswertung der Wahl gibt es deshalb nicht“, so das Vorstandsmitglied.

Für die Landjugend stehen andere Fragen im Vordergrund: Wie attraktiv bleibt das Leben auf dem Land für junge Menschen und Familien? Ein Problem sei etwa der öffentliche Nahverkehr. Gerade in Teilen der Altmark gebe es Dörfer mit kaum regulären Verbindungen, teils bleibe nur ein Rufbus. Möhring betont zudem, dass Landjugend nicht nur junge Landwirte vertrete. Viele Mitglieder kämen aus ganz anderen Branchen. Entscheidend sei deshalb, den ländlichen Raum insgesamt als Lebens- und Arbeitsort attraktiver zu machen.

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