BERLIN. Nichts in Berlin ist so sicher wie die SPD. Seit 1989, also seit 17 Jahren, regieren die Sozialdemokraten ununterbrochen - als größerer oder als kleinerer Koalitionspartner. In einem neuen rot-roten Bündnis, das nun verhandelt wird, wird die SPD von den voraussichtlich acht Senatoren (mehr erlaubt die Verfassung nicht) wohl fünf, höchstens aber sechs stellen, dazu mit Klaus Wowereit den Regierenden Bürgermeister. Wowereit kann dabei erstmals die Senatoren ernennen und im Zweifelsfall auch entlassen; bisher wurden sie vom Parlament gewählt. Als gesetzt gelten Ehrhart Körting (Inneres), Thilo Sarrazin (Finanzen) und Ingeborg Junge-Reyer (Stadtentwicklung). Von den beiden übrigen Sozialdemokraten gilt als wahrscheinlich, dass sie gehen: Klaus Böger (Bildung) und Karin Schubert (Justiz). Für die Linkspartei wird es zunächst wichtig, drei Senatorenposten zu verteidigen. Nach dem Wahlergebnis ist dies gut möglich. Harald Wolf (Wirtschaft) würde dann sicher im Amt bleiben, Heidi Knake-Werner (Soziales) auch, Thomas Flierl (Kultur) - der einzige Ostdeutsche - eher nicht.------------------------------WER BLEIBTFoto: Harald Wolf (Linkspartei), 50, musste um seine Reputation erstmals nach der Wahlniederlage seiner Partei fürchten. Als Wirtschaftssenator ist er allseits anerkannt, angesichts der Strukturkrise bleibt ihm aber wenig mehr als herumzubasteln.Foto: Ingeborg Junge-Reyer (SPD), 59, übt ihr Amt als Senatorin für Stadtentwicklung mit technokratischer Akribie aus. Auch ohne Manuskript redet sie so, als läse sie Akten vor. Bisher hat sie damit noch jeden Kritikversuch besiegt.Foto: Ehrhart Körting (SPD), 64, passierte der gröbste Fehler als Innensenator erst jetzt, nach der Wahl: Er verschreckte die Intendantin der Deutschen Oper mit Terrorgerüchten und entschuldigte sich nicht dafür. Im Amt bleibt er trotzdem.Foto: Heidi Knake-Werner (Linkspartei), 63, hat sich viel Respekt verschafft als Sozialsenatorin. Nichts machte sie zuletzt wacher als Gerüchte über ihre angebliche Amtsmüdigkeit. Seitdem betont sie stets, dass sie noch sehr viel vorhabe im Amt.Foto: Thilo Sarrazin (SPD), 61, ist umstritten. Aber nicht wegen seiner Sparpolitik, sondern wegen seiner zuweilen drastischen Ausdrucksweise. Die Genossen geben sich dann gern empört, fachlich wissen sie den Finanzsenator aber zu schätzen.------------------------------WER GEHTFoto: Karin Schubert (SPD), 62, hatte als Justizsenatorin das Pech, dass ihr einige erfolgreiche Fluchtversuche von Häftlingen als Versagen angelastet wurden. Aber es gelang ihr auch nicht, diesen Vorwürfen überzeugend zu begegnen.Foto: Klaus Böger (SPD), 61, würde gern Bildungssenator bleiben - um die möglichen Erfolge seiner weitreichenden Schulreformen noch ein wenig genießen zu können. Sein Problem ist mangelnder Rückhalt in der Lehrer- und in der Wählerschaft.Foto: Thomas Flierl (Linkspartei), 49, hat zwei Probleme: Als Kultursenator agiert er immer wieder ungeschickt in Sach- und Personalfragen, seine Intellektualität hilft ihm dabei gar nicht. Und er hat einen persönlichen Gegner: Klaus Wowereit.
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