Am Montagabend pfiff der Wind über den Sportplatz am Heckerdamm, während die Fußballer des Berliner AK ihr letztes Testspiel vor dem Start in die zweite Saisonhälfte der Regionalliga Nordost 3:0 gegen Türkspor gewannen. Nach dem Trainingslager in Antalya war der Tabellenvierte wieder in der rauen Berliner Fußballlandschaft angekommen. Im dicken Anorak begrüßte BAK-Präsident Ebubekir Han am Spielfeldrand seinen neuen Sportdirektor Ümit Ergirdi – den Mann, den er „unseren einzigen Transfer in der Winterpause“ nennt.
Ümit Ergirdi als Vorbild für die jungen Fußballer
Ergirdi hat in der Berliner Fußballszene einen prominenten Namen. „Seine Verpflichtung ist ein Zeichen, dass wir den Berliner Fußball vertreten“, sagt Han (27). „Ümit sollte für viele junge Spieler ein Vorbild sein. Er hat Jura studiert und als Kapitän in der Regionalliga Fußball gespielt, bis er weit über 30 Jahre alt war. Das ist eine Ansage.“
Ergirdi (41) kickte als Junge in den Hinterhöfen des Märkischen Viertels und legte eine Karriere hin, die beim MSV Normannia 08 begann und ihn beim BFC Preussen, Tennis Borussia und Babelsberg von der Oberliga bis in die Dritte Liga führte. Neben dem Studium an der FU stieg er mit Viktoria 1889 als Kopf und Kapitän des Teams von der Berlinliga bis in die Regionalliga auf, ehe er 2018 seine Karriere beendete.
Viktoria 89, BAK, BFC und weitere Ostklubs fordern neue Aufstiegsregel
2019 startete er bei den Füchsen als Berlinliga-Trainer – neben der Arbeit als Wirtschaftsjurist in einer Kanzlei am Kurfürstendamm. Vorigen Herbst merkte Ergirdi, dass immer mehr Aufgaben bei den Füchsen fünf Stunden täglich und damit seine Zeit auffraßen. Dreimal in der Woche fehlte er abends zu Hause, weil er auf dem Trainingsplatz stand, an den Wochenenden sowieso. Seine Frau und seine zwei Mädchen sahen ihn kaum. Er legte sein Traineramt nieder und stellte sich auf eine Fußballpause bis zum Sommer ein. Aber im Dezember kam die Anfrage des BAK.
„Ümit kann einfach nicht ohne Fußball. Er ist ein Gewinnertyp. Seine Erfahrung ist unbezahlbar“, sagt Ebubekir Han, der im September 2020 beim Berliner AK das Präsidentenamt von seinem Vater, dem Bauunternehmer Mehmet Ali Han übernommen hatte. Nach drei, vier Gesprächen war Ergirdi sicher: „Die Voraussetzungen stimmen beim BAK. Es hat sich strukturell vieles geändert. Die junge Mannschaft hat eine überragende Hinrunde gespielt. Ich will dort als Bindeglied zwischen Vorstand, Trainer und Mannschaft agieren.“ Zum 1. Januar übernahm er den Job von Benjamin Borth, der zu Tennis Borussia abgewandert war.
Berliner AK startet am Freitag bei TeBe in die zweite Saisonhälfte
Am Freitag startet der BAK nun mit einem Nachholspiel bei TeBe (19 Uhr) in die zweite Saisonhälfte. Bei dem Klub also, dessen neuer Trainer Christopher Brauer bisher das U19-Bundesligateam des BAK coachte. Zuletzt wurden beim BAK sechs Spieler aus dem eigenen Nachwuchs ins Männerteam eingebaut, weitere U19-Spieler trainieren mit und wurden mit Amateurverträgen ausgestattet. Die Jugendteams sind die Quelle aus der Han, Ergirdi und BAK-Trainer Benjamin Duda auch künftig schöpfen wollen. „Talentierte Berliner Jungs sollen mittelfristig das Gesicht der Herrenmannschaft prägen. Wir machen in den Jugendteams überwiegend Leistungssport. Wir möchten den Talenten eine Hilfe sein“, sagt Han.
Der Altersdurchschnitt des Männerteams liegt bei 23 Jahren. Der frühere Zweitligaprofi Jürgen Gjasula (37) ist mit Kapitän Shawn Kauter (26), der nach einer Ellbogenverletzung endlich wieder fit ist, Führungsfigur. Nach einem erfolgreichen Saisonstart schwächelte das Team aus Moabit zum Jahresende, gewann viermal hintereinander nicht – und verabschiedete sich gegen Sparta Lichtenberg aus dem Pokal. Dennoch ist der BAK aktuell das beste der sieben Berliner Regionalliga-Teams. Als Vierter (28 Punkte, 14 Spiele) haben die Athleten zwei Partien weniger absolviert als Tabellenführer Energie Cottbus (33 Punkte, 16 Spiele).
Regionalliga Nordost vor dem Start: „Wir freuen uns wieder auf den Fußball“
Da liegt die Frage nach den Drittliga-Ambitionen nahe. „Die Dritte Liga haben wir öfter schon angekitzelt“, meint Han. „Aber die Regionalliga ist ein Haifischbecken. Da kann jeder jeden schlagen.“ Es gibt eine Menge Traditionsklubs wie Cottbus, Chemnitz, Erfurt, Babelsberg oder Jena mit größerem Budget, größerem Stadion, größerer Anhängerzahl. „Da kann man sich freuen, wenn man unter die ersten fünf kommt“, findet Ergirdi.
Er verweist wie Han auf die Ewige Regionalliga-Tabelle, die gerade im Kicker veröffentlicht wurde: Mit 85 Punkten liegt der BAK seit Einführung der fünfgleisigen Vierten Liga 2012 im Nordosten vorn. Dahinter folgen Hertha BSC II, Carl Zeiss Jena, BFC Dynamo. Bundesweit rangiert der BAK auf Rang sieben. „Wir stehen für die Regionalliga. Für Berliner Fußball. Für Multikulti. Aber wir fühlen uns reif für die Dritte Liga. Wir haben keine Schulden. Unsere Jugend ist darauf ausgerichtet. Wir möchten ihr die Vision schenken, beim BAK Profi zu werden“, sagt Han und fügt mit Blick auf seinen neuen Sportdirektor an: „Mit Ümit gemeinsam können wir unsere Ziele erreichen.“
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