BERLIN, 4. Januar. Im Dezember haben viele Vermögende in Deutschland die Chance der laufenden Steueramnestie genutzt und massenhaft Schwarzgelder bei den Finanzbehörden angemeldet und versteuert. Wie eine Umfrage der Berliner Zeitung in neun Bundesländern ergab, wurden dabei Nachzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe an den Fiskus abgeführt. Das heißt, dass ein Vielfaches an bisher geheim gehaltenen Geldern den Finanzbehörden offenbart wurden. Das Bundesfinanzministerium war zuletzt von Jahreseinnahmen von rund 800 Millionen ausgegangen. Dieser Wert wird deutlich übertroffen. Allein Bayern nahm im letzten Monat des Jahres 70,9 Millionen Euro an Steuern auf Schwarzgeld ein. "Da ist ganz schön was gegangen", sagte der Pressesprecher des Münchener Finanzministeriums, Horst Wolf. Im gesamten Jahr 2004 nahm Bayern 186 Millionen Euro zusätzlich ein. In Berlin wurden im Dezember Nachzahlungen von 14,5 Millionen Euro angemeldet, davon sind 13,3 Prozent bereits entrichtet. Damit entfiel auf den letzten Monat 2004 mehr als ein Drittel des Jahresaufkommens.Mit der Steueramnestie hatte die Bundesregierung Steuersündern die Möglichkeit eröffnet, Schwarzgeld zu legalisieren. Bis Ende des Jahres 2004 wurde ein pauschaler Steuersatz von 25 Prozent auf das gemeldete Schwarzgeld erhoben. Seit 1. Januar muss auf das Schwarzgeld ein Steuersatz von 35 Prozent gezahlt werden. Die Amnestie läuft Ende März aus. Auch in Baden-Württemberg und Hessen schnellten im Dezember die Zahlungen reuiger Steuersünder nach oben: 48,8 Millionen Euro nahm Stuttgart ein - rund 35 Prozent der Gesamtsumme von 140,3 Millionen Euro. Hessen verzeichnet einen ähnlichen Trend. Im vergangenen Monat kassierte das Land 25,3 Millionen Euro von amnestierten Steuersündern, im Gesamtjahr waren es 86,8 Millionen Euro. In Nordrhein-Westfalen flossen im Dezember rund 110 Millionen Euro in die Staatskassen, fast die Hälfte des Jahresbetrages von 246 Millionen Euro.Im hessischen Finanzministerium glaubt man, dass viele Steuerberater ihren Klienten geraten haben, mit Schwarzgeldmeldungen bis zuletzt zu warten. Grund waren Rechtsunsicherheiten, die inzwischen zu Gunsten der Betroffenen beseitigt seien, erklärte Ministeriumssprecher Veyhelmann.Im Finanzministerium in Rheinland-Pfalz geht man davon aus, dass allein im Dezember rund 40 Prozent aller Amnestiefälle gemeldet wurden, die sich auf 40 Millionen Euro belaufen werden. In Niedersachsen zahlten Steuersünder 57,1 Millionen Euro nach, davon allein 20,2 Millionen im letzten Monat. Hamburg verbuchte Nachzahlungen im Jahresverlauf von über 51 Millionen Euro. Mit 24,36 Millionen entfiel fast die Hälfte auf den Dezember. Im Vergleich dazu blieben die Jahreseinnahmen aus der Steueramnestie in Thüringen mit 1,97 Millionen bescheiden. "Einige werden erst sehr spät die notwendigen Bescheinigungen von ausländischen Banken erhalten haben", erklärt sich Tanja Leibold vom Finanzministerium Baden-Württemberg den Geldsegen im Dezember. Auch der Zinsvorteil durch eine späte Zahlung dürfte eine Rolle gespielt haben. Der Erfolg der Steueramnestie übertrifft die Erwartungen des Finanzministeriums. Allein in den neun zitierten Ländern kamen rund 850 Millionen Euro herein, 50 Millionen mehr als erhofft.------------------------------"Wir erwarten, dass das Aufkommen aus der Steueramnestie weiter hoch bleibt." Senatsverwaltung für Finanzen, Berlin
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