Vermarktung

Rembrandt auf dem Rücken: Museum lässt „Kreuzabnahme“ tätowieren

Zwanzig Stunden, ein Rücken, eine Radierung von 1633: Das Amsterdamer Rembrandthuis bringt die „Kreuzabnahme“ unter die Haut.

3 Min
Wenn Kunst auf und unter die Haut geht.

Wenn Kunst auf und unter die Haut geht.

© Alvaromp/imago

Die Wege des Herrn sind unerforschlich, heißt es. Die Wege des modischen Geschmacks aber auch. Gemeint ist hier ein gewisses Stilbewusstsein, eng gekoppelt an seltsame Trends.

Durch zwei Tattoo-Studios in Amsterdam und in Antwerpen lässt das Rembrandthuis exaltierten Naturellen Tattoos nach Rembrandts „Kreuzabnahme“ (1633) zum Beispiel in die Rückenhaut stechen. In dem pittoresken Museum an der Amsterdamer Jodenbreestraat lebte, arbeitete und schlief in einem Schrankbett nahe dem Kachelofen der Jahrhundertmaler. Heute wie damals knarren die Dielen, riecht es nach Bienenwachs.

20 Stunden für eine Radierung mit der Tätowiernadel

Das Original, in Öl auf westindischem Zedernholz, zählt zu den Schätzen der Alten Pinakothek München. Entstanden ist es im Auftrag des Statthalters Frederik Hendrik von Oranien; die Radierung dazu schuf Rembrandt 1633 mit dem Stecher Jan van Vliet. Ein Blatt gehört dem Rembrandthuis selbst, eines besitzt die Hamburger Kunsthalle, andere sind in Privatbesitz. Dargestellt ist jener Moment der Passionsgeschichte, in dem Jesus von Helfern vom Kreuz abgenommen wird. Ein harter Lichtkegel aus dem Himmel beleuchtet die dramatische Szene.

Rembrandts „Kreuzabnahme“, 1633, Öl/Zeder, ein Kunstschatz der Alten Pinakothek München

Rembrandts „Kreuzabnahme“, 1633, Öl/Zeder, ein Kunstschatz der Alten Pinakothek München

© Close Images/imago

Rund zwanzig Stunden, verteilt auf mehrere Sitzungen, braucht das große Motiv. Als „Leinwand“ dient der Rücken eines 28-Jährigen, der sich auf einen Instagram-Aufruf hin gemeldet und gegen 50 Mitbewerber durchgesetzt hat; für ihn ist das Tattoo kostenlos. Neu ist die Aktion nicht: Schon 2023 stach der Tätowierer Henk Schiffmacher im Rembrandthuis Besuchern Rembrandt-Motive. Auch diesmal können sich Besucher, so werben Museum und Tattoo-Studio, kleinere Motive nach Rembrandts Werken dauerhaft aufbringen lassen – für Schnäppchenpreise von 100 bis 350 Euro.

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Die Museumsdirektorin Milou Halbesma meint es ernst und sieht darin weder Effekthascherei noch kommerzielle Verwurstung, sondern „eine Möglichkeit, Rembrandts Handwerkskunst in die Gegenwart zu holen“.

„Die Kreuzabnahme“, Illustration von 1869 nach Rembrandt

„Die Kreuzabnahme“, Illustration von 1869 nach Rembrandt

© Imago/Wolfgang Diederich

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Was auf eine Rückenhaut geht – und was nicht

Nun ja, des Menschen Wille ist bekanntlich sein Himmelreich. Namhafte Museen, in denen die Ikonen des Licht-auf-dunklem-Grund-Malers wie Augäpfel gehütet werden, wollen diesem Vermarktungstrend nicht folgen. Dem Rijksmuseum reicht schon der Publikumsansturm zur öffentlichen Restaurierung von Rembrandts „Nachtwache“. Und im königlichen Mauritshuis Den Haag, wo die „Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp“ hängt, käme eh kein Tätowierer mit seinen Geräten durch den Einlass.

Da wäre noch die schlichte Tatsache, dass weder die „Nachtwache“ noch die quere Pathologieszene auf einen menschlichen Rücken passen würden. Rembrandts „Moses mit den Gesetzestafeln“ in der Berliner Gemäldegalerie könnte passen. Und deren Leitung meint augenzwinkernd: „Wer es möchte?“

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